hg
»Täter sollen sich schämen«: Der Papst hat bei seinem ersten Besuch im sizilianischen Palermo zum Widerstand gegen die Mafia und ihre Strukturen aufgerufen. Foto: Wolf

Papst ruft zum Widerstand gegen die Mafia auf

»Habt keine Angst«

Aus dem Archiv (03.10.2010)

Papst Benedikt XVI. hat bei einem eintägigen Besuch in Sizilien zum Widerstand gegen die Mafia aufgerufen.

»Ich bin hier, um euch zu ermutigen, keine Angst zu haben«, sagte er bei einer Messe mit rund 100.000 Gläubigen an der Strandpromenade von Palermo. Bei seinem ersten Besuch auf der Insel seit seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt mahnte Benedikt, nicht vor organisierter Kriminalität und hoher Arbeitslosigkeit zu resignieren. »Wer das Gute mit dem Bösen verwechselt, unterliegt der Versuchung der Mutlosigkeit«, warnte der Papst. ## Die Mitglieder der sizilianischen Verbrecherorganisation forderte er auf, sich für »das Böse« und für »Taten, die nicht ans Licht kommen wollen« zu schämen. Der Bürgermeister von Palermo, Diego Cammarata, betonte bei der Messe, Palermo sei eine »zutiefst verletzte« Stadt. Sie sei jedoch »nie resigniert«, sondern habe auf Mafia-Gewalt »immer mit einem entschiedenen Nein« geantwortet. Nach der Messe unter freiem Himmel wollte das Kirchenoberhaupt mit den Bischöfen der Insel zu Mittag essen. Für den Nachmittag war eine Begegnung mit sizilianischen Priestern und Ordensleuten sowie ein Treffen mit Jugendlichen geplant. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte 1993 in Sizilien die Mafia mit zorniger Geste aufs Schärfste verurteilt. Zwei Monate nach dem Mafia-Mord an dem Priester Pino Puglisi in Palermo hatte er die Verbrecherorganisation in Agrigent als unmenschlich bezeichnet und ihr eine »Kultur des Todes« vorgeworfen. epd