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Martin Luther und die 95 Thesen: Protestanten feiern an diesem Sonntag den Reformationstag. Foto: Hoeffchen

Bischof Fischer: Christlicher Glaube ist gefährdet

Protestanten feiern Reformationstag

Aus dem Archiv (31.10.2010)

Der christliche Glaube ist nach Ansicht des badischen evangelischen Landesbischofs Ulrich Fischer gefährdet.

Weil die Christenheit kein eindrucksvolles Bild besonderer Geschlossenheit abgebe, drohe eine Gefahr von innen, sagte Fischer am Reformationstag in einer Predigt in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis). Zugleich kämen die äußeren Feinde des Christentums im Gewand der Gleichgültigkeit und eines immer aggressiver werdenden Atheismus daher.## Die heutigen Kirchen seien aber anders als zur Zeit des Reformators Martin Luther nicht bedroht durch feindliche Mächte, die mit militärischer Gewalt evangelischen Glauben ersticken wollten. Auch drohe keine Türkengefahr, »selbst wenn Herr Sarrazin dies behauptet«, sagte der Bischof in Anspielung auf die umstrittenen Äußerungen des ehemaligen Bundesbankvorstands zur Zuwanderung. Ob Christus oder Mohammed Herr der Welt sei, dürften und könnten Christen nicht anders entscheiden, als in einen Dialog mit dem Islam einzutreten. Dabei dürften Christen allerdings das Bekenntnis zu Jesus Christus nicht verschweigen, sagte Fischer laut Predigttext. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich zeigtebsich in seiner Predigt zum Reformationstag besorgt über die überdurchschnittlich hohe Ausländerfeindlichkeit bei Protestanten. »Mit Schrecken« habe er in einer aktuellen Studie gelesen, dass in »evangelischen Kreisen« die Ausländerfeindlichkeit und »ein Überlegenheitsgefühl gegenüber Migranten« stärker ausgeprägt seien als im Rest der Gesellschaft, sagte Friedrich in Regensburg. Friedrich bezog sich dabei auf die kürzlich erschienene Studie »Die Mitte der Krise« der Friedrich-Ebert-Stiftung, in der rechtsextreme Tendenzen in Deutschland untersucht worden waren. Evangelische Christen müssten gegenüber anderen Menschen eine Haltung entwickeln, die das Fremde und den Fremden zulasse, mahnte der Bischof. In der Evangelischen Kirche in Bayern gebe es gegenüber rechtem Gedankengut keine Toleranz. Mit zahlreichen Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen erinnern protestantische Christen an diesem Sonntag bundesweit an den legendären Thesenanschlag durch Martin Luther (1483-1546) vor fast 500 Jahren. Ob Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist zwar historisch nicht gesichert. Die öffentliche Wirkung ist jedoch unumstritten, die von der Anprangerung kirchlicher Missstände wie dem Ablasshandel ausging und letztendlich zur Begründung der protestantischen Kirchen führte. Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das traditionelle Reformationsfest in Wittenberg. Dazu werden rund 25.000 Besucher erwartet. Zu dem Programm gehören Festgottesdienste, Musik- und Theateraufführungen, ein Historienspektakel und ein internationales Konfirmandentreffen mit 500 Teilnehmern. epd