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»Damit ihr Hoffnung habt«: Nonnen präsentieren fröhlich das Kirchentagsmotto. Foto: gmh

300.000 Menschen beim Abend der Begegnung

Ökumenischer Kirchentag in München eröffne

Aus dem Archiv (13.05.2010)

Protestanten und Katholiken sind am Mittwoch in München zum 2. Ökumenischen Kirchentag zusammengekommen.

An den drei Eröffnungsgottesdiensten nahmen am Abend rund 80.000 Menschen teil. 300.000 Besucher feierten anschließend in der Innenstadt einen »Abend der Begegnung«. Bundespräsident Horst Köhler, der an der Eröffnung teilnahm, appellierte an evangelische und katholische Christen, sich nicht mit einem Nachlassen des ökumenischen Schwungs abzufinden. ## Papst Benedikt XVI. verurteilte in einem Grußwort erneut sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Unter dem Leitwort »Damit ihr Hoffnung habt« finden in München bis Sonntag rund 3.000 Veranstaltungen statt. Mehr als 125.000 Dauerteilnehmer haben sich zu dem Christentreffen angemeldet, darunter viele Schüler und Studenten. Knapp 58 Prozent der Teilnehmer sind nach Angaben der Veranstalter evangelisch und knapp 40 Prozent katholisch. 2003 hatten Protestanten und Katholiken erstmals gemeinsam zu einem Kirchentag eingeladen, damals nach Berlin. Zur Eröffnung des Kirchentags nahmen Theologen und Politiker in Predigten und Grußworten Bezug auf die durch die Missbrauchsfälle ausgelöste Vertrauenskrise der Kirchen. »Dieser Ökumenische Kirchentag kommt genau zur rechten Zeit«, sagte Bundespräsident Köhler. Führungsversagen, Missbrauch, Misshandlung hätten zu einer schweren Krise geführt. Das Staatsoberhaupt mahnte Aufklärung und Zuwendung zu den Opfern an. Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals dürfe allerdings nicht vergessen werden, »wie viel Gutes durch gläubige Menschen getan wird«. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagte, die christliche Hoffnung gebe Halt in einer von Unsicherheiten geprägten Welt und überwinde menschliche Not. Der katholische Münchner Erzbischof Reinhard Marx hob die Aufgabe der Kirche hervor, den Menschen Sicherheit zu geben. Deshalb wiege es »umso schwerer«, dass kirchliche Amtsträger die Hoffnung von Menschen enttäuscht hätten. Papst Benedikt XVI. rief die Christen auf, sich trotz der Missbrauchsfälle weiter in der Kirche zu engagieren. Die Fälle, die in den vergangenen Monaten bekannt geworden seien, drohten die Freude an der Kirche und die Hoffnung zu »verdunkeln«, erklärte Benedikt in einem Grußwort. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, dass das Licht Gottes nicht untergegangen sei. Am Rande des Kirchentags trat Margot Käßmann erstmals seit ihrem Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende wieder öffentlich auf. In einer Buchhandlung im Stadtzentrum stellte die ehemalige Bischöfin ihr Buch »Das große Du - Das Vaterunser« vor. Vor drei Monaten hatte Käßmann nach einer Alkoholfahrt mit ihrem Dienstwagen alle kirchlichen Leitungsämter niedergelegt. Während des Kirchentags in München hält die Theologin auch Bibelarbeiten. Die gastgebenden Kirchen schlossen eine schnelle Einigung in der Frage des gemeinsamen Abendmahls erneut aus. Von offizieller Seite wird es beim kein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben. Außerhalb des offiziellen Programms will die Reformbewegung »Wir sind Kirche« am Samstagabend einen »inoffiziellen« ökumenischen Abendmahl-Gottesdienst abhalten. epd Weitere Berichte vom Kirchentag in München Kirchentags-Fotoalbum