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Martin Gotthard Schneider

Mit dem »Danke«-Lied weltweit bekannt

Martin Gotthard Schneider wird 80

Aus dem Archiv (20.04.2010)

Seine Komposition war als bisher einziges Kirchenlied sechs Wochen lang in den Charts der deutschen Hitparade: »Danke, für diesen guten Morgen, danke, für jeden neuen Tag«.

Dieses Lied hat den evangelischen Theologen und Kirchenmusiker Martin Gotthard Schneider, der am 26. April 80 Jahre alt wird, in der ganzen Welt bekanntgemacht. 1961 trat der Song in evangelischen Kirchen und weit darüber hinaus seinen Erfolgszug an. ## Nach Angaben des Gustav Bosse Verlags (Kassel) wurde es in mehr als 25 Sprachen übersetzt. Die Popularität des »Danke«-Liedes, das in das Evangelische Gesangbuch aufgenommen wurde, ist dem Verlag zufolge noch heute ungebrochen. Auf Kirchentagen, Gemeindefesten und in Jugendgottesdiensten gehöre es seit knapp fünf Jahrzehnten zu den »meistgesungenen geistlichen Liedern überhaupt«. Die Popgruppe »Die Ärzte« hat in ihren Anfangsjahren Text und Melodie in einer leichten Punkfassung auf den Markt gebracht. Bereits 1963 gelangte es in einer Schallplatteneinspielung des Botho-Lucas-Chors in die Charts der deutschen Hitparade. Komponist Schneider wurde 1930 in Konstanz geboren und studierte in Heidelberg, Tübingen und Basel. Er war Kantor und Organist in Freiburg und von 1973 bis 1995 Landeskantor in Baden. Bis 1997 lehrte er an der Staatlichen Musikhochschule Freiburg, wo er 1980 zum Professor ernannt wurde. Mehr als viereinhalb Jahrzehnte leitete er auch den von ihm gegründeten Freiburger Konzertchor der Heinrich-Schütz-Kantorei. Schneider schuf zahlreiche neue geistliche Lieder. 1975 erschien sein Liederbuch »Sieben Leben möcht ich haben«. Vor allem über die Deutschen Evangelischen Kirchentage wurden auch die Lieder »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt« oder »Ein neuer Tag beginnt« bekannt. Was den einen als zu kitschig und banal erschien, war für andere vor allem in den 60er und 70er Jahren Ausdruck einer Aufbruchstimmung: Weg von der »Ein-Mann-Veranstaltung des Pfarrers« und hin zu eigenen Formen, um den Glauben neu und verständlich zum Ausdruck zu bringen. Schneider traf damit den Zeitgeist einer Generation, die sich in den Kirchengemeinden nach neuen Liedern sehnte, begleitet von anderen Instrumenten als der Orgel. Und das Lied wurde fast täglich in den deutschen Radiosendern gespielt und von unzähligen Chören nachgesungen. Schneider schrieb »Danke« 1961 als Beitrag zu einem Wettbewerb der Evangelischen Akademie Tutzing für neue geistliche Lieder und gewann den ersten Preis. Die Melodien sollten mit Hilfe musikalischer Mittel aus Jazz und Unterhaltungsmusik gestaltet werden. Allerdings habe sich damals auch »vehementer Protest« geregt, sagte Schneider einst dem epd. Theologen und Kirchenmusiker hätten sich zunächst von dem »Kirchenschlager« distanziert, weil ihnen die Melodie zu simpel und der Text zu plakativ erschienen sei. Seinen 80. Geburtstag feiere er »etwas eingeschränkt bei guter Gesundheit« in Freiburg, sagte Schneider. Ob er derzeit noch komponiere, wollte er nicht verraten. »Wenn noch etwas von mir kommt, wird man das auch mitbekommen.« epd