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Umweltgruppen demonstrierten während des Klimagipfels für einschneidende Maßnahmen in Sachen Klimaschutz. Foto: Duderstedt

Chance vertan: Was wird jetzt aus unserem Planeten?

Klimagipfel ohne Einigung zuende

Aus dem Archiv (19.12.2009)

Der Weltklimagipfel in Kopenhagen geht ohne Einigung über die künftige internationale Klimapolitik zu Ende.

Das Plenum der 193 Teilnehmerstaaten billigte in einer dramatischen Nachtsitzung am Samstag per Akklamation lediglich, den zuvor von einer kleinen Ländergruppe ausgehandelten Kompromiss »zur Kenntnis zu nehmen«. Diesem Beschluss werde eine Liste der Länder beigefügt, die dem Kompromiss zustimmen, sagte der amtierende Konferenzleiter.## Der am Freitagabend von 25 Ländern, darunter die USA, China und Deutschland, ausgehandelte Kompromiss war auf den Widerstand einer Reihe von Entwicklungsländern, darunter der Sudan, Venezuela und Tuvalu gestoßen. Der sogenannte Copenhagen Accord enthält kaum konkrete Vorgaben zum Klimaschutz. Zu den wenigen Fortschritten zählt das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Ziele zur Minderung von Treibhausgasen bis 2050 sind nicht aufgeführt. Die Festlegung auf Reduktionsziele der Industriestaaten bis 2020 wurde auf den Februar 2010 verschoben. Als Klimahilfen an Entwicklungsländer sind in dem Papier insgesamt 30 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2010 bis 2012 vorgesehen. Bis 2020 sollen diese Mittel auf jährlich 100 Milliarden Dollar steigen. Umweltschützer und Hilfsorganisationen reagierten mit Enttäuschung auf den Kompromiss-Entwurf. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von »gemischten Gefühlen«. Besonders scharfe Kritik kam vom Sudan. Der Verhandlungsführer des Landes, Lumumba Di-Aping, löste mit einem Holocaust-Vergleich Empörung aus. »Dieses Dokument bedroht das Leben von Millionen Menschen in Afrika«, sagte er. Das Existenzrecht des afrikanischen Kontinents sei bedroht. »Ein verbindliches Abkommen war hier nicht möglich«, erklärte US-Präsident Barack Obama. Die Ausarbeitung eines verbindlichen Vertragswerks werde auch in Zukunft nicht einfach sein: »Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen.« Umwelt- und Entwicklungsorganisationen kritisierten das Ergebnis als unzureichend. WWF-Klimaexpertin Regine Günther sagte: »Die Verhandlungen in Kopenhagen haben den ersehnten Durchbruch nicht geschafft. Das Ergebnis ist eine große Enttäuschung.« Weder gebe es den erhofften rechtsverbindlichen Vertrag noch eine weitreichende politische Erklärung, um den Klimawandel zu bekämpfen. Auch evangelische Hilfswerke äußerten sich enttäuscht. Die internationale Klimapolitik stehe vor einem Scherbenhaufen, erklärten »Brot für die Welt«, Diakonie Katastrophenhilfe und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED). Das beschworene Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, werde nicht erreicht. Die Folgen hätten vor allem die Armen in den bereits vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern zu tragen. Deutschland und die EU hätten »taktiert, gezaudert, verloren«, kritisierte »Brot für die Welt«-Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die EU sei nicht zu einer weiteren Reduzierung ihrer Treibhausgase und zu angemessenen Klimahilfen für die ärmsten Staaten bereit gewesen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Einigung beim Kopenhagener Weltklimagipfel »mit gemischten Gefühlen«. Die Verhandlungen seien extrem schwierig gewesen, sagte sie in der Nacht zum Samstag in der dänischen Hauptstadt. »Wir haben zu entscheiden gehabt, ob wir den gesamten Prozess abbrechen, oder ob wir das, was möglich war, nehmen.« Diese Entscheidung sei ihr sehr schwer gefallen, sie habe sie »zu Gunsten der Weiterführung des Prozesses getroffen«. Merkel sah die Verantwortung für den schwachen Kompromiss vor allem bei Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese seien noch nicht daran gewöhnt, globale Probleme global zu lösen. In den Verhandlungen hatten sich unter anderem China und Indien dagegen gestemmt, rechtlich verbindliche Beiträge zum Klimaschutz zuzusagen. epd Ähnliche Berichte: