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Die »Touristenpfarrer« Ekkehard Malcher, Martin Geisler und Matthias Knoch mit Dekan Gerhard Schleier (von links) bei der Einweihung. Foto: www.schäferkirche.de

Schäferwagenkirchen rollen durchs Frankenland

Seelsorge mobil

Aus dem Archiv (22.09.2009)

Die Welt kennt Kirchen, Dome und Tempel jeglicher Art. Schäferwagenkirchen kannte sie bisher nicht.

Seit zwei Sommern rollt der originelle Neuzugang durch das Fränkische Seenland südlich von Nürnberg. Gut 13.000 Euro hat jedes der drei gezimmerten Sakralgebäudchen gekostet, mit denen die evangelische Kirche auf Urlauberseelsorge geht. Exklusives Inventar wie Sonnensegel, Altartisch, Lautsprecheranlage und Bierbänke machen die Schäferwagenkirchen zu autarken Predigtstätten.## Gottesdienst am Seeufer Ein Sonntagvormittag am Altmühlsee bei Gunzenhausen. Es ist ein Tag fast wie aus dem Tourismusprospekt und entsprechend hoch ist die Radlerdichte. Urlauber haben offene Herzen, heißt es. Und tatsächlich haben sich rund 100 Gottesdienstbesucher unter einer Eiche am Seeufer versammelt. Punkt elf Uhr erklingt das Gebimmel eines Glöckchens. Es tönt aus dem Dachreiter eines knallgelben Schäferwagens, der neben der Eiche parkt. Die Türen des Wagens sind weit geöffnet, vor ihm steht ein Tisch mit Kerzen, einem Holzkreuz, einer Bibel. Der Hirte in schwarzem Talar und breitkrempigem Schäferhut wartet auf seinen Einsatz.

Vorzeigeprojekt der evangelischen Zukunftswerkstatt Ideengeber der Schäferwagenkirche, die zu den Vorzeigeprojekten auf der Zukunftswerkstatt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört, war ein hellblauer Bauwagen, den der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt zu einer »Kirche vor Ort« umfunktioniert hat. Im ländlichen Gunzenhausen war da der Gedankensprung zur Schäferwagenkirche nicht weit. Zumal im Altmühltal die Schäferei Tradition hat und im nahen Ries zwei Zimmereien schon seit Jahren die Republik mit nostalgischen Schäferwagen versorgen, die als Gartenhäuschen, Verkaufsstände oder Spielplatzhütten dienen. Nächtelang bastelte ein Team um den evangelischen Dekan von Gunzenhausen, Gerhard Schleier, an einem Modell, tüftelte an technischen Fragen und entwarf Einsatzmöglichkeiten. Was mach einen Schäferwagen zur Schäferwagenkirche? Gretchenfrage: Was macht einen Schäferwagen zur Schäferwagenkirche? Antwort: Ein Türmchen muss drauf. So entstand ein Werbeträger, der als Blickfang taugt und die Gäste zum Freiluftgottesdienst lockt. Aber auch ein rollendes Sprechzimmer für Vier-Augen-Gespräche. Dass die Idee tatsächlich neu war, erwies ein Blick in die Internet-Suchmaschine Google. Dort war der Suchbegriff »Schäferwagenkirche« trefferfrei.

Jesus ist auch rumgezogen »Jesus ist auch rumgezogen«, sagt ein Urlauberpfarrer. Also ziehen auch die Schäferwagenkirchen durchs Seenland, stoppen auf Campingplätzen, gastieren bei Stadtfesten und oder sind Blickfang bei Sportereignissen und Feuerwehrfesten. Ihr bescheiden-sympathischer Auftritt lockt die Leute an. Seit die Schäferkirche einlädt, seien die Besucherzahlen der Freiluftgottesdienste kräftig gestiegen, sagt der Gunzenhäuser Dekan. Zum Seegottesdienst kommen Neugierige sogar im quietschbunten Badeboot oder auf der Luftmatratze angepaddelt. Für 50 Euro ausleihen Gemeinden aus dem Dekanat Gunzenhausen können sich die rollenden Holzkirchlein für ihre Feste für 50 Euro am Tag ausleihen. Auswärtige zahlen das Doppelte. Dafür bekommen sie die Kirche mit sämtlichem Zubehör: Altar, Kreuz, Kerzen, Sitzbänke für 80 Personen und Lautsprecher. epd Internet: www. schaeferwagenkirche.de