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Markus Dröge. Foto: Katrin Püschel / Evangelischer Kirchenkreis Koblenz

Neuer Berliner Bischof kritisiert Kulturstreit

Dialog mit dem Islam

Aus dem Archiv (15.05.2009)

In der Auseinandersetzung um die diesjährige Verleihung des Hessischen Kulturpreises hat der künftige Berliner Bischof Markus Dröge »wenig Verständnis« für den Konflikt bekundet.

Die Interpretation des Kreuzes durch den designierten islamischen Preisträger Navid Kermani sei »durchaus revolutionär«, sagte der evangelische Theologe dem epd. Er bedaure sehr, dass »man dieses Gesprächsangebot nicht aufgenommen hat«.## Die hessische Landesregierung hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass das Kuratorium des Kulturpreises Kermani wegen seiner Äußerungen in einem Zeitungsartikel nicht mehr auszeichnen wolle, sondern nur noch den früheren hessischen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker, den katholischen Mainzer Kardinal Karl Lehmann und den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Salomon Korn. Der mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Preis soll am 5. Juli in Wiesbaden überreicht werden. Dröge war am Freitagabend von der Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zum Nachfolger von Bischof Wolfgang Huber gewählt worden. Für einen intensiveren Dialog mit dem Islam Der 54-jährige Koblenzer Superintendent hatte sich zuletzt für einen intensiveren Dialog mit dem Islam ausgesprochen, ohne dabei die bestehenden Differenzen zu verwischen. Den Vertretern anderer Religionen müsse dabei die »gleiche Augenhöhe« zugestanden werden. »Das dialogische Prinzip scheint mir zuletzt etwas verlorengegangen zu sein«, hatte der Theologe bedauert. »Unreif und kindisch« Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sieht durch die Vorgänge um den Hessischen Kulturpreis den interreligiösen Dialog »mit Füßen getreten«. Die Reaktion der christlichen Preisträger, Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, sei »schlicht und ergreifend unreif und kindisch«, sagte Mazyek dem in Berlin erscheinenden Tagesspiegel. Beide hatten es abgelehnt, zusammen mit dem Kölner Schriftsteller Kermani ausgezeichnet zu werden, weil dieser sich in dem Zeitungsartikel kritisch mit der christlichen Kreuzessymbolik auseinandergesetzt hatte. Christliche Kreuzessymbolik kritisch betrachtet »Was wäre wohl, wenn ein Muslim es ablehnen würde, mit einem Kirchenvertreter zusammen aufzutreten, nur weil der den Propheten Muhammad theologisch ablehnt? Das würde keiner verstehen - zu Recht«, sagte Mazyek. »Teile der Elite in unserem Land« hätten »ein obskures Verständnis von Dialog«: »Man nehme zwei unterschiedliche Meinungen und sperre sie so lange in ein Gesprächsverlies ein, bis sie ermüdet und ermattet zu einer Meinung geworden sind.« So funktioniere aber kein belebender, konstruktiv-kritischer Dialog. »Zentrum des christlichen Glaubens diffamiert« Der frühere evangelische Kirchenpräsident von Hessen-Nassau, Peter Steinacker, hatte sich vor allem deswegen geweigert, zusammen mit Kermani ausgezeichnet zu werden, weil dieser das Zentrum seines christlichen Glaubens, die Kreuzestheologie, als »Gotteslästerung und Bilderdienst« diffamiert habe. Damit werde der Dialog beendet. Zuletzt hatte auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, das traditionelle Verständnis vom Tod Jesu am Kreuz als Sühneopfer kritisiert. Der Hessische Kulturpreis wird für den toleranten und respektvollen interreligiösen Dialog als Lebensleistung vergeben. epd