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Robert Langdon (Tom Hanks) sucht in einer Kirche nach Spuren. Foto: Verleih

Illuminati

Ab 14. Mai im Kino

Aus dem Archiv (15.05.2009)

Illuminaten vs. Vatikan – Für Dan-Brown-Fans: In dem Verschwörungsthriller „Illuminati“ hetzt Tom Hanks atemlos durch Rom.

In dem Bestseller „Illuminati“ von Dan Brown und auch in der Verfilmung von Regisseur Ron Howard, der 2006 bereits „The Da Vinci Code – Sakrileg“ erfolgreich für das Kino adaptiert hat, geht es um den Gegensatz von Rationalität und Glauben, Wissenschaft und Kirche, Aufklärung und Tradition.## In dem Roman konstruiert Brown die Verschwörung eines Geheimbundes, dessen Entstehung und Wirken bis in die frühe Neuzeit zurückreicht. Ein Geheimbund, dessen „Erleuchtung“ in Forschung und wissenschaftlicher Erkenntnis besteht. Den „Illuminatenorden“ hat es wirklich gegeben, allerdings viel später, und auch nicht so prominent besetzt wie bei Brown.

Robert Langdon (Tom Hanks) und Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) suchen in den Archiven des Vatikan nach Hinweisen. Foto: Verleih

Robert Langdon (Tom Hanks) und Vittoria Vetra (Ayelet Zurer) suchen in den Archiven des Vatikan nach Hinweisen. Foto: Verleih

Diesmal, so die Ausgangsvoraussetzung, bedrohen die Illluminaten die Institution, die sie im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder verfolgt, verbrannt und getötet hat: die katholische Kirche. Ein Behälter Antimaterie wurde aus dem Europäischen Forschungszentrum CERN entwendet und wartet irgendwo in der Vatikanstadt auf seine Explosion. Im Vatikan herrscht gerade ein Machtvakuum: Der Papst ist gestorben. In der Interimszeit führt der Camerlongo – eine Art Assistent, der auch den Tod des Papstes feststellen muss – die Geschäfte weiter, während sich die aus aller Welt zusammenkommenden Kardinäle auf einen neuen Papst einigen müssen. Das Problem ist nur, dass die Illuminaten offenbar auch die vier „Preferiti“ – die Spitzenkandidaten – entführt haben und sie im Stundenabstand an einem für sie wichtigen Ort umbringen wollen.
 Der Camerlengo (Ewan McGregor) begleitet die Kardinäle auf ihren Weg in das Konklave.  Foto: Verleih

Der Camerlengo (Ewan McGregor) begleitet die Kardinäle auf ihren Weg in das Konklave. Foto: Verleih

Das reicht, um Robert Langdon zu holen, den Wissenschaftler, der sich nicht nur mit Symbolforschung und Zahlenmystik beschäftigt, sondern auch ein Buch über den Orden geschrieben hat. „Illuminati“ wirkt wie eine Fortsetzung zu „Sakrileg“: Wieder spielt Tom Hanks – nicht ganz so charmant wie Harrison Ford in den Indiana Jones-Filmen von Steven Spielberg – den Wissenschaftler als Actionhelden, wieder ist ihm eine attraktive jüngere Wissenschaftlerin (Ayelet Zurer) zur Seite gestellt. Und wieder knistert es irgendwie überhaupt nicht zwischen den beiden. Den Roman „Illuminati“ schrieb Brown allerdings vor dem „Sakrileg“, und das merkt man der Handlung durchaus an: die Schnitzeljagd beschränkt sich auf einen Hauptschauplatz, die Stadt Rom, und es gibt auch kein so ausuferndes Hintergrundkonstrukt wie in „Sakrileg“. Der Film „Illuminati“ kommt konzentrierter daher, wenn auch seine 140 Minuten voller Zeichenexegese die Erinnerungsfähigkeit des Zuschauers auf eine schwere Probe stellen. Aber das ist ja auch das Schöne an dem Film: das Bohren im Obskuren, das Suhlen in Verschwörungstheorien, der freie Umgang mit der Geschichte als Spielmaterial.
Inspektor Olivetti, Vittoria Vetra und Robert Langdon entdecken einen Geheimgang. Foto: Verleih

Inspektor Olivetti, Vittoria Vetra und Robert Langdon entdecken einen Geheimgang. Foto: Verleih

Und da liefert die katholische Kirche mit ihrer fast zweitausendjährigen, mitunter blutigen und geheim gehaltenen Geschichte Anreize in Hülle und Fülle. Das Obskure und Diffuse macht sich der Film auch zum Stilprinzip und lässt die beiden Wissenschaftler ihre Besichtigungstour durch das katholische Rom mit Vatikan, Pantheon und Engelsburg als eine Welt aus Dämmerlicht und geheimen Gängen und Orten erleben. Nebenbei wird noch ein unbekanntes Werk von Galileo Galilei gefunden und er selbst als Illuminat enthüllt. Nicht unsouverän räumt der Film an seinem Ende allerdings, so viel sei hier den Dan-Brown-Unkundigen verraten, die Illuminatenverschwörung vom Tisch, in einem Finale unter dem Petersdom und auf dem Petersplatz, das die Grenze zur Albernheit mit tosendem Himmel wie bei der Schöpfung selbst durchaus überschreitet. Der Vatikan hat dem Team von „Illuminati“ keine Drehgenehmigung erteilt, der Petersplatz etwa, der zur Vatikanstadt gehört und im Film eine wichtige Rolle spielt, wurde in verkleinertem Maßstab in den USA nachgebaut.
Kardinal Strauss (Armin Mueller-Stahl) macht sich große Sorgen um den Fortbestand der katholischen Kirche. Foto: Verleih

Kardinal Strauss (Armin Mueller-Stahl) macht sich große Sorgen um den Fortbestand der katholischen Kirche. Foto: Verleih

Dabei hätte sich der heilige Stuhl, hätte er das Buch genauer gelesen, keine Sorge zu machen brauchen. Am Ende triumphiert gewissermaßen die Amtskirche, verschmitzt, gravitätisch und großzügig. Der richtige Papst wird gewählt, und der Atheist Langdon darf im ihm überreichten Galilei weiterschmökern. Wenn das keine guten Voraussetzungen für die nächsten 2000 Jahre sind. Autor: Rudolph Worschech