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An verschiedenen Plätzen in Jerusalem erinnern Gartengräber an das österliche Wunder. Er ist nicht hier, er ist auferstanden, so hörten es zunächst die Frauen. Seitdem klingt der Ruf durch diese Welt: Er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja! Foto:

Ostern nicht ohne Jesus

Andacht für den 12. April

Aus dem Archiv (09.04.2009)

Markus 16, 1-8 (in Auswahl): Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. (...)Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, (...). Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier (...). Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.## __________________________________

Margot Käßmann (50) ist Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers Über den Tag nach dem Tod Jesu erzählt die Bibel nichts. Ob dieser Samstag nicht noch schlimmer war als der Freitag der Kreuzigung? Der Tag nach dem Grauen, an dem den Jüngerinnen und Jüngern bewusst wird: Es ist endgültig vorbei. Er ist tot. Alle Hoffnung dahin. Ein furchtbarer Tag der Stille und des Schocks. Es wundert, dass drei Frauen überhaupt die Kraft hatten, sich aufzumachen zum Grab. Aber sie wollten diesem Mann, den sie verehrten, die letzte Ehre erweisen. Ihn salben, für Würde zumindest des Toten sorgen, wo schon die Würde des Sterbenden so grausam verletzt worden war. Und dann der erneute Schock. Sie finden den Leichnam nicht. Stattdessen die Nachricht: Er ist auferstanden. Das ist zu viel für die Frauen. Und so endet das Evangelium ursprünglich mit Vers 8: „…denn sie fürchteten sich.“ Erst schrittweise beginnen die drei Frauen zu begreifen: Mit dem Tod Jesu am Kreuz war eben nicht alles zu Ende. Nein, das Sterben Jesu ist erst der Anfang des Lebens. Sie bekommen Mut, davon anderen zu erzählen. Und so musste das Evangelium weitergeschrieben werden, denn die Osterbotschaft hat immer mehr Menschen ergriffen, überzeugt, begeistert, ermutigt zum Glauben. Die Auferstehungsbotschaft ist das Zentrum des Evangeliums. Wir wissen aber auch, dass die Osterbotschaft das Unglaublichste am christlichen Glauben ist. Das war von Anfang an so: Das kann doch nicht sein. Das ist doch naiv. Völlig unwissenschaftlich. Gegen jede Erfahrung, gegen jedes Wissen! Das ist nicht neu, sondern 2000 Jahre alt. Wie kann er auferstanden sein? Wie soll das möglich sein? Wir haben es mit Weihnachten da wesentlich leichter. Die großen Gefühle, die Familie, Vater, Mutter und Kind, das sind einfache Assoziationen. Aber Ostern? Kurz vor dem Fest bekam ich letztes Jahr den Anruf einer Journalistin, die mir sagte: „Wir brauchen noch etwas zu Ostern von Ihnen – aber bitte nichts mit Jesus und so.“ Aber Ostern gibt es nicht ohne Jesus und nicht ohne Auferstehung! Ostern sind Eier, Häschen, Küken, Osterfeuer und Osterwasser nur Beiwerk. Zentral ist unser Glaube daran, dass Gott unser Leben über den Tod hinaus hält. Wie das aussehen wird, das wissen wir nicht. Darüber müssen wir auch nicht spekulieren. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns bei unserem Namen gerufen hat und dieser Name bei Gott geborgen sein wird, auch nach unserem Tod. Gerade das führt Christinnen und Christen nicht zur Weltflucht, sondern gibt uns die Freiheit, uns der Welt und ihren Herausforderungen zuzuwenden. Von diesem Osterglauben her können wir auch den Mut haben, uns offen mit dem eigenen und dem Tod anderer auseinanderzusetzen, uns einzumischen in die Debatten um Patientenverfügung und Sterbehilfe, für die Würde der Sterbenden einzutreten. Lebensmut und Todesmut gehören im positiven Sinne zusammen. Wenn ich glaube, dass Gott mein Leben hält und trägt über den Tod hinaus, dann kann ich mich auch in Krankheit und Sterben Gott anvertrauen. Jesus hat uns gezeigt, dass Leiden zum Leben gehört. Ein Leben ohne jede Erfahrung von Leid ist auch kein erfülltes Leben. Wer Leiden kennt, kennt auch Lebenslust und Lebenstiefe. Zum Leben in Fülle gehören Freude wie Leid. Unglauben wird es immer geben. Auch wir werden immer wieder mit Zweifeln zu ringen haben. Ermutigend dabei ist: Jesus schickt nun gerade diese Zweifler, diese Ungläubigen in die ganze Welt. Diese Fischer und Huren und Zöllner sind nun gerade keine überzeugenden Leitfiguren. Bei jedem Casting würden sie durchfallen. Aber sie werden geschickt in alle Welt, das Evangelium zu predigen, zum Glauben zu rufen und zu taufen, nachdem sie ihre Furcht überwunden haben. Das kann jeden und jede von uns ermutigen. Auch wir mit unseren Ecken und Kanten, wir mit unseren Zweifeln und unserem Unglauben werden geschickt, Spuren des Reiches Gottes zu legen. Wir können unsere Furcht überwinden, in diese Welt gehen und weitersagen: Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, halleluja!