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Nicht immer einfach zu lesen: Patrick Heinemann mit einem gehobenen Noten-Schätzchen, dem man die Jahre ansieht. »Das war wahrscheinlich ein Glas Rotwein...«. Foto: Uwe Rottkamp

Musik aus Lippe

Alte Schätze gehoben

Aus dem Archiv (18.04.2009)

Leipzig und Bach, Mozart und Wien, Händel und Magdeburg – viele Städte schmücken sich mit ihren mal mehr, mal weniger bekannten Komponisten von Renaissance bis Neuzeit und haben ihre musikalische Geschichte umfassend aufgearbeitet.

Das frühere Fürstentum Lippe hat zwar für einige Jahre musikalische Berühmtheiten wie Johannes Brahms und Albert Lortzing beherbergt, doch über „echte“ musikalische Lipper ist recht wenig berichtet und herausgegeben. Dies hat Patrick Heinemann nun geändert.## Der aus Detmold stammende 42jährige Posaunist, Komponist und Notenherausgeber im Nebenberuf stöberte in der Detmolder Landesbibliothek allerlei Schätze aus lippischen Komponistenfedern auf: Gedrucktes und Handgeschriebenes von Kantoren, Hof- und Kurmusikern – mal beschaulich, mal heroisch, mal romantisch. Ursprünglich geschrieben wurden sie für Orgel, als vierstimmiger Choralsatz oder auch als Männerchorsatz. Heinemann, der im Hauptberuf als Planungstechniker und IT-Grafikspezialist in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung tätig ist, hat 33 Werke aus diesem Fundus ausgewählt und für Posaunenquartett bearbeitet. Herausgekommen sind drei Bände unter dem Titel „Musik aus Lippe“, die Heinemann jetzt in der Landesbibliothek vorstellte. Band 1 ist dem Pastor und Organisten Hermann Goedecke (1818-1890) gewidmet, der in Blomberg und Brake wirkte. Für einige seiner frühen Orgelkompositionen benutzte er das Pseudonym „George Germann“. Er arrangierte Choralvorspiele und Orgelstücke nach vorhandenen Vorlagen (Volckmar, André, Rinck), komponierte aber auch komplett eigene freie Stücke. Band 2 der „Musik aus Lippe“ enthält Werke von Hans Adolf Dresel (1795-1863) und Karl Friedrich Theodor Kaiser (1854-1925). Dresel war Musiklehrer und Organist in Detmold, veranstaltete Liedertafeln und Oratorienkonzerte, arrangierte und komponierte Choralsätze. Kaiser war Oboist am Stadttheater Detmold und arrangierte unter anderem Militär-, Kirchen- und Orchestermusik. Gestorben ist der in Hohenhausen. Band 3 schließlich widmet sich Anton Heinrich Pustkuchen (1761-1830). geboren in Blomberg und egstorben in Detmold, komponierte der Kantor Choralmelodien und -sätze und gab auch Choralbücher heraus.

<b>Bei der Präsentation</b> der neuen Noteneditionen im Lippischen Landesmuseum gabe Heinemann gemeinsam mit einem lippischen »Tiefblech«-Quartett Hörproben aus den drei Bänden.

Bei der Präsentation der neuen Noteneditionen im Lippischen Landesmuseum gabe Heinemann gemeinsam mit einem lippischen »Tiefblech«-Quartett Hörproben aus den drei Bänden.

Alle Stücke wurden von Heinemann in für Posaunen gut spielbare Tonarten transponiert. Im Original enthaltene Verzierungszeichen wurden nicht berücksichtigt, versierte Spieler können beim Einstudieren derartige Verzierungen selbst einbauen, erläutert Heinemann. Allerdings: „Die Stücke wirken auch in ihrer Schlichtheit.“ Bei den ersten drei Bänden für vierstimmiges Posaunenquartett soll es nicht bleiben: Weitere Publikationen in der Reihe „Musik aus Lippe“ mit Varianten für Posaunenchor, aber auch für Posaune und Orchester, Chor und Posaunen etc. sind schon in Vorbereitung. Patrick Heinemann: „Zahlreiche Werke der „Lippischen Musiksammlung“ bieten auch für andere Musiker und für verschiedene Besetzungen vielseitige Möglichkeiten.“ Heute größtenteils unbekannte oder nicht mehr gespielte Musik aus der Klassik- und Romantikepoche können neu arrangiert und zu neue Notenausgaben verarbeitet werden. Die Idee zum Projekt „Musik aus Lippe“ kam Heinemann übrigens bei Internetrecherchen: „Als ich einmal nach Musik aus meiner Heimat googelte, landete ich plötzlich in der Lippischen Musiksammlung.“ Die ihn dann nicht mehr losließ. Heinemanns eigene musikalische Laufbahn begann übrigens im Posaunenchor Stapelage: Beim damaligen Landesposaunenwart Heiner Rose lernte er ab 1978 zunächst Tenorhorn, dann Posaune, später auch Chorleitung. Seit September 1987 lebt er in Berlin. Neben seiner (nebenberuflichen) Tätigkeit als Komponist und Arrangeur für Posaune, Posaunenquartett, Blechbläser, Chor, Blechbläser und Orgel erstellt Heinemann auch besondere Gesangbücher. 2007 erschien bei PH-Musics in Zusammenarbeit mit der Firma Daniel-Kunert-Dienstleistungen das Paul-Gerhardt-Gesangbuch „Du, meine Seele singe“ (Herausgeber Pfarrer Christian Hählke). Aktuell erscheinen (Herausgeber ebenfalls Christian Hählke) das Martin-Luther-Gesangbuch „Ein feste Burg ist unser Gott“ und das Johann-Hinrich-Wichern-Liederheft „O du fröhliche“. Das Verlagsangebot von PH-Musics wird nach und nach durch Werke anderer zeitgenössischer Komponisten ergänzt. So ist beispielsweise auch Kirchenmusik- und klassische Kammermusik von Roland Biener (Komponist und Musikwissenschaftler aus Berlin) erhältlich. Internet: www.ph-musics-projects.de rot