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Auf Obama lastet eine große Verantwortung. Mit religiös aufgeladenen Rettungererwartungen ist er überfordert. Foto: Archiv

Politik nicht religiös überfordern

Amtseinführung

Aus dem Archiv (20.01.2009)

Vor der Amtseinführung von Barack Obama hat der evangelische Cheftheologe Hermann Barth Verständnis geäußert für die großen Hoffnungen, die sich auf den neuen US-Präsidenten richten.

Zugleich warnte der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) davor, die Politik mit religiös aufgeladenen Rettungserwartungen zu überfordern. Nach acht Jahren George W. Bush sei Obama eine Figur, auf die sich die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen richteten, sagte Barth in einem epd-Gespräch.## Enorme Erwartungshaltung Auf den neuen Präsidenten werde projiziert, dass er die USA von der Bürde Guantánamo befreie, eine neue Rolle im Irak finde und eine Korrektur in der Klimapolitik einleite. Angesichts dieser enormen Erwartungshaltung könne man nur hoffen und beten, dass Obama unter dieser Last nicht zusammenbreche oder die Bodenhaftung verliere, sagte der Kirchenamtspräsident. Sehnsucht nach Rettung Dass die Erwartungen an den neuen Präsidenten häufig mit religiösen Begriffen beschrieben werden, führt Barth darauf zurück, dass die Menschheit generell in gefährlichen Zeiten lebe. Als Stichworte nannte er den Nahen Osten und die wirtschaftliche Lage. Für alles, was der Überwindung oder dem Überstehen der Gefahr diene, liege der Begriff der Rettung sehr nahe, fügte der EKD-Theologe hinzu: "Und von religiösen Bildern ist man dann nur noch einen Fingerbreit entfernt." Religiös aufgeladene Sprache Erst recht gelte dies für die kulturelle Situation der USA. Die US-amerikanische Gesellschaft sei durchtränkt von religiösen Vorstellungen und religiös aufgeladener Sprache. Religiös aufgeladene politische Botschaften hätten jedoch die Tendenz, die Politik zu überfordern, warnte der Präsident der EKD-Zentrale. Dann werde von Politik erwartet, "was göttlich ist, statt was menschenmöglich ist". Gegenüber der Enteignung religiöser Begriffe durch eine säkularisierte Sprache sei er deshalb skeptisch: "Aber ich kann verstehen, warum sie so attraktiv sind." epd