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Ein Ausnahme-Athlet - und kaum jemand weiß es: Ralf Schumann ist mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger. Ein bescheidener: Eine Autogrammkarte auf seiner Homepage (Bild) ist beinahe das einzige Marketing-Extra.
Foto: www.schuetzenschumi.de

Gut gezielt – genau getroffen

Sportler und Christ

Aus dem Archiv (30.07.2008)

Ralf Schumann ist Weltmeister im Sportschießen. Seit den olympischen Spielen in Athen auch engagierter Christ. In Peking wird er wieder dabei sein.

Wer in sein Büro kommt, erkennt recht schnell, was Ralf Schumann wichtig ist. An der Wand hängt ein kleiner Kalender mit verschiedenen Pistolen. Direkt daneben prangt ein großes Plakat mit der Jahreslosung. Ralf Schumann ist Sportschütze – Weltklasse: dreimal olympisches Gold, viermal Weltmeister, 39-facher Weltcupgewinner. Und er ist bekennender Christ. Im Hintergrund läuft die Hörbibel auf CD: „Entweder höre ich in diesem Raum Anbetungsmusik oder Bibeltexte“, so der 45-jährige Sportler. „So spüre ich permanent die Gegenwart Gottes.“ ## Hörbibel und Anbetungsmusik Dabei hätte Schumann Typen, wie er heute einer ist, früher wahrscheinlich noch ausgelacht. Denn die längste Zeit seines Lebens war Gott für ihn schlicht nicht existent. Schumann wurde 1962 im sächsischen Meißen geboren. Er wuchs ohne jede kirchliche Bindung auf. „Direkt neben unserem Haus war eine Gemeinde, die ich sonntags auch immer singen hörte“, erinnert er sich. „Aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was sie singen oder zu wem sie beten.“ Steile Sportlerkarriere als SED-Mitglied Schumann ist begeisterter Sportler. Nachdem er das Gewichtheben aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, begann er mit dem Schießen. Um optimal gefördert zu werden, musste er in die SED eintreten. Das störte ihn damals nicht. „Ich kannte ja nichts anderes.“ Schumann steigt schnell auf. 1987 wird er das erste Mal Europameister, 1990 zum ersten Mal Weltmeister. In den 90ern vergeht nicht ein Jahr, in dem „Schützenschumi“ – wie ihn Freunde liebevoll nennen – nicht einen Titel holt. Entweder allein oder zusammen mit seiner Mannschaft. Der schnelle Erfolg hat seinen Preis Aber der Erfolg hat seinen Preis. Seine erste Ehe, aus der Schumann drei Kinder hat, geht in die Brüche. Und im Rückblick sagt er, dass er sich oft wie ein „egoistischer Kotzbrocken“ verhalten hat. »In Athen hat Jesus mich gekriegt« Die Wende für sein Leben bringen die Olympischen Spiele 2004 in Athen. „Da hat Jesus mich gekriegt“, sagt er. „Und Jesus zielt einfach noch genauer als ich.“ Damals steckte seine zweite Ehe in der Krise. Er hatte eine neue Beziehung angefangen. Die ganze Zeit vor dem Wettkampf war Schumann unkonzentriert. „Ich habe gezittert wie ein Presslufthammer“, erinnert er sich. „Doch im entscheidenden Moment war ich plötzlich ganz ruhig.“ Als die Signalampel auf Grün sprang, drückte er mit seiner Schnellfeuerpistole fünfmal ab und traf fünfmal mitten in die Zehn. Schumann war erneut Olympiasieger. »Als ob mir jemand das Licht angeknipst hätte« „Danach, bei der Pressekonferenz hatte ich den Eindruck als würde Jesus zu mir sagen: ,Siehst du, es gibt mich! Ich habe es dir vorhin gezeigt.“ Doch Schumann konnte das zunächst nicht einordnen. Zurück in Deutschland verließ er seine Frau und zog zu seiner Freundin. Doch da hatte ihn – wie er sagt – der Heilige Geist endgültig gepackt. „Es war, als hätte mir in diesem Moment jemand das Licht angeknipst. Mir war plötzlich klar, dass ich zu meiner Frau gehöre und sonst nirgendwohin.“ Seine Frau Anke und er versöhnen sich und werden Christen. Am 1. Januar 2005 lassen sie sich taufen. Kurz darauf heiraten sie kirchlich, obwohl sie bereits seit sieben Jahren ein Ehepaar sind. „Aber jetzt gehört Jesus mit in unsere Ehe“, so Schumann. Heute engagieren sie sich in einer evangelischen Freikirche in der Nähe von Stuttgart und beim Suchthilfeverband „Blaues Kreuz“. Und Ralf Schumann liegt natürlich die Verbreitung des christlichen Glaubens unter Sportlern am Herzen. Die nächste große Möglichkeit dazu hat er jetzt bei den Olympischen Spielen in Peking. Außerdem möchte er dort sein viertes olympisches Gold holen. Autor: Matthias Pankau