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Uwe Herrmann

Zwischen Verzweiflung und Schwarzarbeit

Pflege

Aus dem Archiv (16.10.2007)

Kaum auf dem Sozialmarkt, ist „McPflege“ auch schon wieder verschwunden. Ob der Widerstand der Sozialverbände dafür die Ursache war, wie der Billiganbieter behauptet, oder rechtliche Probleme dazu führten, sei dahingestellt. Zeigt dieser Fall doch, dass etablierte Anbieter von Pflegeleistungen wie die Diakonie zukünftig in noch schwereres Fahrwasser geraten, wenn nichts geschieht.

Von Uwe Herrmann Zwar ist der erste Vorstoß kläglich gescheitert. Aber der nächste, der auf den Markt drängt, wird besser gewappnet sein. Und der scheint reif dafür. Schon jetzt kümmern sich in vielen Privathaushalten Frauen aus Osteuropa um Ältere, die allein nicht mehr zurechtkommen würden, weil ihre Dienste billiger zu haben sind. Manche stehen rund um die Uhr bereit. – Nur Haushaltshilfe und Gesprächspartner oder schon Pflegekraft? Der Übergang ist oft fließend, eine Grenzziehung schwierig. ## Ausbeutung? Schwarzarbeit? – Viele sehen in ihrer Verzweiflung keinen anderen Weg, eine Heimunterbringung zu vermeiden. Ambulante Pflegedienste sind für sie keine Alternative, weil sie teurer sind. Der politische Wille, für Klarheit in der Grauzone zu sorgen, scheint nicht besonders ausgeprägt. Nicht zuletzt schont manche Privatinitiative dieser Art Pflegekasse und Haushalte der Kommunen, die gegebenenfalls Defizite ausgleichen müssen. Um Dumping zu unterbinden, ist ein allgemein verbindlicher gesetzlicher Mindestlohn für Pflegeleistungen – den kirchliche Tarife übrigens enthalten –, nötig. Und nötig ist auch eine verstärkte unabhängige Aufklärungsarbeit und Beratung, die verständnisvoll auf Ängste, Nöte und die finanzielle Situation Betroffener eingeht.