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Warum 2008 das Riesenrad auf dem Hagener Weihnachtsmarkt kaputt ging

Schallblech schrieb am 10. November 2017 um 15:41 Uhr:

Warum 2008 das Riesenrad auf dem Hagener Weihnachtsmarkt kaputt ging

Weihnachtsmarkt (Nach einer wahren Begebenheit)

Seit Tagen schon sah man Petrus nur mit Zornesfalten auf der Stirn. Wer konnte, wich ihm aus, wenn er murmelnd und vor sich hin schimpfend durch den Himmel stapfte. Heute, am letzten Sonntag des Kirchenjahres, war er besonders schlechter Laune, und die Engel standen in sicherer Entfernung tuschelnd beisammen. „Gabriel!“ brüllte Petrus. Der Erzengel eilte dienstbeflissen zu ihm hin. „Ich höre Karusselgedudel“. „Ich auch, Petrus, du weißt doch…“ „Natürlich weiß ich!“ schrie Petrus mit überschnappender Stimme. „Das sind wieder die Hagener, die können es nicht abwarten, wie jedes Jahr! Weihnachtsmarkt - pah“. Gabriel zog den Kopf ein. „Was haben Karussell und Riesenrad, Bratwurst und Döner mit Weihnachten zu tun, hm? Kannst du mir das sagen?“ „Nein Petrus“ Gabriel senkte den Kopf. Warum schaffte es Petrus jedes Jahr, daß er sich schuldig fühlte an dem, was unten auf der Erde stattfand? „Außerdem…“ „…ist heute Totensonntag, ich weiß, Petrus. Aber schau doch mal da rüber, ins Sauerland! Da ist noch nirgends ein Weihnachtsmarkt, siehst du? Alles dunkel und still.“ Petrus wandte unwirsch den Kopf – und lauschte. „Was ist das? Das klingt schön!“ Gabriel suchte eine Weile und streckte dann den Arm aus. „Da schau, in Hüsten auf dem Friedhof! Da spielt der Posaunenchor!“ „Bach!“ murmelte Petrus und schloss verzückt die Augen. „Sie spielen Bachchoräle. Ich liebe Bachchoräle.“ Gabriel atmete heimlich auf. Petrus bemerkte es nicht. Er summte entspannt die Melodie „Meinen Jesum lass ich nicht“ mit. Gabriel machte sich leise davon.

Knapp drei Wochen später, Petrus schmückte sich schon längst wieder mit den gefürchteten Zornesfalten, stand der Wind so ungünstig, daß der Geruch von leicht angebrannten Bratwürsten, Pommes und Knoblauch zusammen mit dem Kirmeslärm in den Himmel geweht wurde. „GABRIEL“ „Ich bin schon hier Petrus. Du hast ja recht, aber wir können doch nichts tun. Das sind Menschenangelegenheiten.“ „Dieses Riesenrad…wie soll das auf die Geburt des Herrn vorbereiten? Erklär mir das.“ Petrus stampfte mit dem Fuß auf, der natürlich in der Wolke versank. „Ich habe gehört, daß es Menschen gibt, die das genauso stört wie mich.“ „Ja, die gibt es, Petrus. Aber solange mehr Menschen Riesenrad und Karussell fahren wollen als still auf Weihnachten warten, wird dieser Weihnachtsmarkt so bleiben wie er ist.“ „Nenn diese Kirmes nicht Weihnachtsmarkt“, grollte Petrus. „Hol mir einen Technik-Engel, aber einen Fähigen.“ Gabriel machte sich kommentarlos auf den Weg, wohl wissend, dass Fragen jetzt zwecklos war. Als der Engel-Chefingenieur eingetroffen war, zog sich Petrus mit ihm in eine Wolkenecke zurück und redete gestikulierend auf ihn ein. Der Engel-Chefingenieur dachte nach. Dann nahm er ein Blatt Papier aus seinem Gewand und fertigte eine Skizze an. Zusammen mit Petrus beugte er sich darüber und Gabriel hörte sie flüstern. Er verstand Worte wie „Bolzen“, „Sicherungsblech“ und „Verankerung“. Schließlich stand der Engel-Chefingenieur auf, verneigte sich grüßend vor Petrus und eilte davon. Gabriel schüttelte den Kopf. Was hatte dieser sture alte Mann nur vor?
Eine Stunde später hörte er Petrus seinen Namen rufen – so freundlich wie lange nicht mehr. Sie traten zusammen an ein Wolkenloch, das Petrus genau über dem Hagener Riesenrad geöffnet hatte. „Schau dir das mal an“, forderte Petrus ihn schmunzelnd auf. Gabriel war verwirrt. Warum sollte er sich das verhasste Riesenrad anschauen, und wieso war Petrus auf einmal so gut gelaunt? „Warte nur ab“, schnurrte Petrus zufrieden und klopfte Gabriel auf die Schulter. „Achtung, gleich…“ Seine Worte gingen in einem ohrenbetäubenden Quietschen und dem schrillen Gekreische von Menschen unter, und im nächsten Moment stand das Riesenrad still. Petrus grinste breit und applaudierte. Unten war das Gejaule der ersten Martinshörner zu vernehmen.


Lobet den Herrn mit Posaunen!

Schallblech
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