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Zuviel Hype um Superfood

4. August 2017

Ob Chia-Samen oder Goji-Beeren: Exotische Lebensmittel und ihre angeblichen Gesundheitsvorteile sind in aller Munde. Tatsächlich aber sei solches Superfood nicht besser, dafür teurer als einheimisches Obst und Gemüse, sagen Ernährungsexperten.

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Karlsruhe (epd). Spirulina-Algen, Goji-Beeren und Chia-Samen klingen neu, exotisch und gesund. Ernährungsexperten sehen diesen "Superfood"-Trend jedoch kritisch. "Superfood ist Geldmacherei", sagt die Lebensmittelchemikerin Stephanie Seifert vom Max-Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe. Mögliche Gesundheitseffekte könnten genauso gut mit heimischen Lebensmitteln erzielt werden, sagt die Expertin, die den gesundheitlichen Nutzen von Lebensmitteln für Verbraucher wissenschaftlich untersucht.

"Wunderwirkungen"

Eine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung für das meist aus Übersee stammende Superfood gibt es bislang nicht. Vielmehr stammt der Begriff aus dem Marketing. Den Nahrungsmitteln werden allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Meist sollen sie verschiedenen Krankheiten vorbeugen und zudem satt und schlank machen.

Wenn von "Wunderwirkungen" bestimmter Einzelstoffe in der Werbung die Rede ist, wurden diese meist mit Reinsubstanzen untersucht. Welche Stoffe im Einzelnen und in welchen Mengen in den Pflanzen stecken, ist oft nicht klar. Doch längst sei nachgewiesen, dass Lebensmittel mit ihren vielen Inhaltsstoffen im komplexen System "menschlicher Organismus" anders wirken als isolierte Stoffe, sagt Seifert. Und seriöse Analysen für Lebensmittel seien aufwendig und teuer.

"Hype"

Der Gesundheit schaden die exotischen Früchte und Samen nicht, wohl aber dem Geldbeutel. Die Wissenschaftlerin weist auch darauf hin, dass für die Bewertung von Superfrüchten aus weit entfernten Ländern Produktionsverfahren, Haltbarmachung und Darreichungsform eine Rolle spielen.

Den "Hype" um die angeblichen Wundernahrungsmittel aus fernen Ländern versteht auch die Wissenschaftlerin Anne Zaar vom MRI nicht. Als "Tausendsassas der Ernährung" bezeichnet sie hingegen die sekundären Pflanzenstoffe, die etwa in heimischen Beerenfrüchten, Tomaten, Grünkohl oder Kresse stecken. Diese sekundäre Pflanzenstoffe sorgen nicht nur für bunte Farben, attraktiven Duft und feinen Geschmack. Bestimmte bioaktive Substanzen könnten die Wahrscheinlichkeit verringern, an Krebs zu erkranken. Andere wirkten sich positiv auf das System von Herz und Kreislauf aus.

Luthers Leibgericht

Auch Hülsenfrüchte wie Linsen oder Erbsen haben "super" Eigenschaften, da sie reich an Nährstoffen und eine ausgezeichnete Protein- und Mineralstoffquelle sind. Vielleicht hat das auch schon der Reformator Martin Luther (1483-1546) geahnt. So aß er regelmäßig sein Leibgericht "Erbsenpüree mit gebratenem Hering" - und machte sich damit bereits vor 500 Jahren die gesundheitsfördernde Wirkung von heimischen Superfood zunutze.

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