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«Zuhören ist wichtiger als reden»

18. August 2017

Beim Terroranschlag von Barcelona finden sich Parallelen zum Anschlag vom 19. Dezember 2016 an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Berliner Breitscheidplatz. Gedächtniskirchenpfarrer Martin Germer sprach mit dem epd darüber, was jetzt am wichtigsten ist.

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Pfarrer Martin Germer auf dem Kirchentag in Berlin

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Berlin (epd). epd: Der Anschlag in Barcelona erinnert fatal an den Anschlag in Berlin nahe der Gedächtniskirche. Wie gehen Sie damit um?

Germer: Immer wenn so ein schrecklicher Terrorakt passiert, nehmen wir hier an der Gedächtniskirche besonderen Anteil daran. Auch das Gedenken an die Opfer von Barcelona gehört natürlich dazu. Bereits am Donnerstagabend wurde es in den Mittelpunkt einer Andacht gerückt. Am Freitag haben wir eine Gedenkkerze aufgestellt. Unsere Kirche hat täglich Besucher aus aller Welt - auch aus Spanien. Es tut ihnen gut, wenn auch hier in Berlin ihrer Landsleute gedacht wird. Nach dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz hat es auch uns gut getan, Botschaften aus anderen Städten zu bekommen, sei es durch Kirchengemeinden oder durch Menschen, die einen direkten Bezug haben.

Vorsicht mit Aktionismus

epd: Was ist in Barcelona für die Opfer, deren Familien und andere Betroffene - nach Ihrer Erfahrung aus Berlin - jetzt am wichtigsten?

Germer: Wichtig ist, sich Zeit zu lassen wahrzunehmen, was wirklich geschehen ist. Man darf nicht in Aktionismus verfallen. Den Menschen, die unmittelbar betroffen sind, muss man Raum geben zum Reden und zum Trauern. Für die Anteilnehmenden gilt: Zuhören ist wichtiger als reden. Die Betroffenen sollten spüren, es gibt viele andere Menschen, die Anteil nehmen, sie sind nicht allein.

Nach der Tat in Barcelona ähnlich wie nach Berlin oder den Anschlägen in Frankreich und Großbritannien ist es aber auch wichtig zu zeigen, wir wollen uns nicht in unserer eigenen Freiheit und Lebensweise einengen lassen. Angst und Hassreaktionen sollen nicht über unser Leben bestimmen. Man darf nicht der terroristischen Logik folgen, die genau das erreichen will.

Ganz unangemessen ist zudem Katastrophentourismus: Hier am Berliner Breitscheidplatz gab es auch einige Menschen, die sind nur hierher gereist, um den Anschlagsort zu sehen. Es ging ihnen nicht um Anteilnahme, sondern um Sensation. Es waren allerdings Einzelfälle.

Nur ein kleiner Anteil radikal

epd: Was bedeuten Terroranschläge dieser Art für den Zusammenhalt der Gesellschaft?

Germer: Ich hoffe, dass sie am gesellschaftlichen Zusammenhalt nichts ändern. Im Gegenteil: An der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sind wir seit dem Anschlag vom Breitscheidplatz bemüht, mehr mit Muslimen zusammen zu arbeiten und gemeinsam für ein friedliches Miteinander einzutreten. Wir müssen in der Öffentlichkeit fair mit Muslimen umgehen, denn von den weltweit rund 1,2 Milliarden Muslimen sind nur ein kleiner Anteil radikale, gewaltbereite Islamisten. Vielmehr müssen wir diejenigen Muslime bestärken, die sich für einen friedlichen Islam einsetzen. Das tut man nicht, indem man alle unter Generalverdacht stellt.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 20. August 2017, 10:53 Uhr


Menschen lernen schnell. Anschläge mit kurzfristig entwendeten Fahrzeugen erschweren ungleich den Zugang zu Namen und Wohnsitz bekennender Drahtzieher, als von langer Hand vorbereitet konstruierte Mordwerkzeuge, deren Spuren sich recherchieren lassen.
Pfarrer Martin Germer drückt zu recht genau das aus, worauf der Philosoph Peter Sloterdijk hinwies. Ein besonnener Blick auf Relationen ist geschilderten Situationen sicher hilfreicher als verallgemeinender Aktionismus.
Pfarrer Martin Germers Rat erinnert an Goethes Lehrbrief aus "Wilhelm Meisters Wanderjahre"
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