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Zeit für eine Tasse Tee

12. Mai 2017

Pflegekräfte, die über ihren Job berichten, äußern immer wieder einen Wunsch: Sie möchten mehr Zeit haben, um sich den Pflegebedürftigen intensiver zuwenden zu können. Ein Aktionstag rückt die Zeitnot und deren Folgen ins Licht der Öffentlichkeit.

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Berlin, Stuttgart (epd). "Pflege muss menschlich bleiben. Der Mensch ist keine Maschine", sagt Sylvia Horn. Die Altenpflegerin im Evangelischen Stift Freiburg fordert mehr Zeit im Job. Sie steht mit ihrer Meinung nicht allein. Hunderte Kolleginnen und Kollegen haben sich zum Aktionstag "#PflegeZeit" der Diakonie und des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege im Internet zu Wort gemeldet. Ihre Wünsche und Forderungen in Posts und Tweets sollen bis zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai gesammelt und anschließend an die Bundespolitiker übergeben werden.

"Mangelware" Altenpflege

Die Wunschliste scheint kein Ende zu nehmen: Unter dem Motto "Mehr Zeit für..." sprechen sich die Fachkräfte auf Twitter, Facebook und Instagramm gegen zunehmende Arbeitsverdichtung und Minutenpflege aus. Sie wünschen sich im Job mehr Zeit für individuelle Pflege und für die oft zu kurz kommende Alltagsbegleitung der Bewohner. Aber auch mehr Luft im Dienstplan, um selbst die nötige Zuwendung geben und Angehörige besser beraten zu können.

Zugleich geht es auch um die eigene Befindlichkeit in einem Berufsfeld, das sich immer schwerer tut, Nachwuchs zu finden. Die Pflegekräfte wünschen sich mehr Zeit für Aus- und Fortbildung, für Gespräche im Team, weniger Bürokratie "und mehr Zeit für uns alle". Vielfach zu lesen ist auch die Hoffnung auf steigende gesellschaftliche Anerkennung ihres Jobs. Die Beschäftigten nehmen mit ihren Wunschzetteln die Politik in die Pflicht, die Rahmenbedingungen in der Pflege zu verbessern, gerade jetzt, in Zeiten des nahenden Bundestagswahlkampfes.

Am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflege, macht die Diakonie deutschlandweit mit zahlreichen Aktionen auf die aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsbedingungen in der Altenpflege aufmerksam. "Zeit ist die Mangelware im Bereich der Altenpflege schlechthin", heißt es bei der Diakonie Baden.

Zwar seien Angehörige und Pflegebedürftige durch die jüngsten Reformen gestärkt worden. "Aber an den Altenpflegerinnen und Altenpfleger ging die Entwicklung weitgehend vorbei", kritisiert der evangelische Wohlfahrtsverband und fordert von den Parteien, sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Heimen einzusetzen. "Und dazu gehört vor allem: Mehr Zeit!"

Weniger Hetze

Laut dem Präsidenten der Bundesdiakonie, Ulrich Lilie, soll die Kampagne die Politiker dazu anregen, "Rahmenbedingungen zu schaffen, die es braucht, damit wir alle in Ruhe alt werden können". Jeder Bürger sollte sicher sein, dass er "selbstbestimmt und mit hoher Qualität bis zum Ende begleitet wird." Lilie wirbt ganz besonders für mehr Zeit, um die palliative Qualifikation der Beschäftigten zu verbessern.

Die Mitarbeiter der Evangelischen Heimstiftung (EHS) in Stuttgart, dem größten Altenhilfeträger das Landes, unterstützen die Aktion sehr aktiv. So wird es etwa Infostände in Calw, Langenau und Friedrichshafen geben. Die Beschäftigten verteilen auch kleine bedruckte Pappschachteln mit Teebeuteln an Passanten - symbolischer Hinweis darauf, dass es schön wäre, im Pflegealltag auch mal Zeit für eine Tasse Tee zu haben.

"Wir brauchen mutige Reformen, um eine bessere Finanzierung, eine gerechtere Bezahlung, bessere Personalschlüssel und eine höhere Anerkennung von Pflegeberufen zu erreichen", sagte EHS-Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider. Trotz der drei Pflegestärkungsgesetze sei das nicht ausreichend passiert.

Seit 1967 wird in Deutschland am 12. Mai der Internationale Tag der Pflege gefeiert, bei dem auf die Bedeutung der Alten-, Kranken- und Behindertenpflege aufmerksam gemacht wird. Der Aktionstag geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale am 12. Mai 1820 zurück, die die Pflege zu einem gesellschaftlich anerkannten Beruf gemacht.

Auch mal Zeit für einen gemeinsamen Tee mit Kolleginnen oder den ihr anvertrauten Heimbewohnern zu haben, das wäre ganz im Sinn von Renate Pfeiffer, der stellvertretenden Hauswirtschaftleiterin im Evangelischen Stift Freiburg: "Früher hatte man mehr Zeit für die Bewohner. Heute gibt es weniger Personal, doch die Anforderungen sind gewachsen. Ich wünsche mir einfach mehr Zeit, damit man nicht mehr so gehetzt wird."

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