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Wie sollen Eltern mit den Wunschzetteln ihrer Kinder umgehen?

28. November 2017

Computerspiele, Barbie oder Spielzeugpistole: Der Wunschzettel stürzt Eltern manchmal in ein Dilemma. Experten raten zum offenen Gespräch - und klaren Ansagen.

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Frankfurt a.M. (epd). "Liebes Christkind ..." - spätestens, wenn Kinder ihre Wünsche auf Papier bringen dürfen, beginnt die Vorfreude aufs Weihnachtsfest. Die ersten Wunschzettel vor rund 200 Jahren waren eher Dankesbriefe an die Eltern oder Bitten um Gottes Segen. Heute geht es konkreter zu: Neben klassischen Spielsachen stehen vor allem Smartphones und Spielekonsolen hoch im Kurs. Aber auch Spielzeuggewehre sind beliebt. Die Wunschzettel bringen viele Eltern jedes Jahr aufs Neue in ein Dilemma: Was soll ich schenken? Was darf ich schenken? Und was mache ich, wenn ich mir nicht alles leisten möchte und kann?

Zahl der Wünsche begrenzen

Nach Ansicht von Erziehungsexperten kann es nicht schaden, schon mal mit den Kindern über ihre Wünsche zu reden, bevor der Wunschzettel geschrieben wird. "Damit zum einen nicht alle Wünsche der Welt niedergeschrieben werden, sich das Kind aber auf der anderen Seite ernst genommen fühlt", sagt Peter Conzen, Leiter der Caritas-Erziehungsberatungsstelle in Bonn.

Das Kind sollte das Gefühl haben, dass es ein Mitspracherecht bei den Geschenken hat und ihm nicht einfach etwas unter den Weihnachtsbaum gelegt wird, was es nicht ansprechend findet. Und: "Man sollte die Zahl der Wünsche begrenzen", sagt Conzen, "zum Beispiel auf einen Hauptwunsch und drei, vier weitere kleinere Wünsche."

Eine Begrenzung der Wünsche und Geschenke hält auch Sabine Hufendiek für sinnvoll, Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin beim Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin: "Mit einem Spielzeug kann man besser spielen als mit zehn." Noch viel wertvoller sei aber etwas anderes: "Mit dem Kind zusammen zu spielen - und nicht das Kind mit Spielzeugen überhäufen und es damit dann alleine lassen."

Gerade in einkommensschwächeren Familien gebe es zu Weihnachten eine Flut an Geschenken, hat sie beobachtet. "Für die Eltern ist das Gefühl, dass das eigene Kind weniger bekommt als andere, schwer zu ertragen - deswegen wird an Weihnachten häufig überkompensiert."

"Oma soll wieder gesund werden"

Manchmal steht aber auch Immaterielles auf dem Wunschzettel: Mama und Papa sollen wieder zusammenkommen. Oder die Oma soll wieder gesund werden. "Da muss man mit dem Kind ins Gespräch kommen und sagen: Wir verstehen den Wunsch, aber wir können ihn leider nicht erfüllen", sagt Hufendiek. "Und dann muss man auch aushalten können, dass das Kind traurig wird."

Und was macht man mit sehnlich gewünschten Dingen, die man als Eltern aus pädagogischen Prinzipien nur ungern verschenkt - Elektronikspielzeug, unnatürlich dünne Plastikpuppen oder Kriegsspielzeuge? Eine Patentlösung gibt es nicht. Die Experten raten dazu, auf das eigene Bauchgefühl und Wertesystem zu hören und dennoch gelassen zu bleiben.

"Die Unfähigkeit von uns Erwachsenen, etwa mit Krieg und Konflikten umzugehen, müssen wir jetzt nicht gänzlich auf die Kinder übertragen", sagt Therapeutin Hufendiek. Dass Kinder in einem bestimmten Alter auch mit Waffen spielten, sich ausprobierten und selbst Stöcke dazu umfunktionierten, sei in Ordnung - auch wenn sie selbst als Mutter Kriegsspielzeug nicht verschenkte.

Wenn nicht mehr gewünscht wird, sondern geordert

Generell gilt natürlich, sagt Erziehungsexperte Conzen: "Man muss nicht alle Wünsche des Kindes befriedigen." Auch für Kinder gehe es am Weihnachtsabend nicht nur um die Geschenke, sondern um etwas "Atmosphärisches, was das Gemeinschaftsgefühl und das Urvertrauen stärkt".

Ältere Jugendliche - und Erwachsene - greifen mittlerweile gerne zu elektronischen Wunschzetteln von Online-Versendern. Die Familie bekommt per Mail eine Liste mit bereits ausgewählten Artikeln zugesendet und muss nur noch anklicken, der Empfänger ist bereits eingetragen. "Stinkwütend" sei ein Kollege gewesen, als er eine solche Liste zugeschickt bekam, erzählt Pfarrerin Sabine Habighorst, Direktorin beim Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung Berlin.

Aus ihrer Sicht verständlich: "Der Akt des Schenkens ist dadurch völlig anonymisiert und wird nur noch als Güterverkehr gehandhabt." Dabei gehe es beim Wünschen und Schenken doch um Beziehungen und Kontaktaufnahme. Stattdessen werde "nicht mehr gewünscht, sondern geordert", sagt die Theologin.

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: Schon im 19. Jahrhunderts kamen Spielzeughersteller auf die Idee, den Wunschzettel zu ihren Gunsten etwas zu vereinfachen und kurzerhand eine Liste anzubieten, auf der nur noch angekreuzt werden musste.

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Leser-Kommentare öffnen

Wieland, 28. November 2017, 18:42 Uhr


Für mich immer wieder ein Riesenproblem, wenn die Enkel mit Geschenkwünschen ankommen, die ich partout nicht gutheißen kann. Und die Eltern sind da oft auch nicht hilfreich.
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Schallblech, 29. November 2017, 9:51 Uhr


Waffen und elektronisches Zeug war bei unseren Kindern (Jg 1984, 1987, 1990) eigentlich nie Thema. Ich bin nicht mehr sicher, ob wir direkte Gespräche in der Richtung geführt haben, oder ob sie einfach aus anderen Äußerungen gespürt haben, daß das bei uns nicht angesagt ist. Es gab natürlich noch nicht die Fülle an elektronischem Spielzeug wie heute, aber Gameboy, Tamagochi und Walkmen sowie magersüchtige Plastikpuppen waren immerhin schon auf dem Markt, und Spielzeugwaffen sowieso.
Als sie schon erwachsen waren, ging das mit den Online-Listen los. Nach zwei oder drei Weihnachts- und Geburtstagsjahrgängen haben wir die Bremse gezogen: Wir haben einvernehmlich vereinbart, uns gegenseitig nichts mehr zu schenken (habe ich glaub ich schon woanders erwähnt). Die Kinder waren selber erleichtert darüber, weil sie auch immer Probleme hatten, Geschenke für uns zu finden ;)

Mit kleinen Kindern geht sowas natürlich nicht. Aber ich denke, wenn man mit Ohr und Herzen beim Kind ist, dann kennt man es gut genug, um "gute" Wünsche zur wecken, und dann ist es auch möglich, über Wünsche zu reden, die die Eltern nicht erfüllen wollen.
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