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Watch-Blog Erasmus Monitor: Soziale Netzwerke für Islamisten nicht überbewerten

10. Mai 2017

Das Internet wird nach Einschätzung des Bloggers Heiner Vogel bei der Rekrutierung von Dschihadisten überschätzt. "Die meisten nach Syrien und Irak ausgereisten Deutschen gehörten zum bereits radikalisierten Kern der salafistischen Szene", sagte der Politikwissenschaftler in einem epd-Gespräch.

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Eine Teilnehmerin bei einer Salafistenkundgebung in Offenbach am Main macht ein Handyfoto (Archivbild).

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Frankfurt a.M./Freiburg (epd). Nach Kenntnissen der europäischen Polizeibehörde Europol baut der "Islamische Staat" (IS) ein eigenes soziales Netzwerk auf, um dem Druck von Geheimdiensten und Polizei zu entgehen. Vogel (27) betreibt seit 2013 den Blog "Erasmus Monitor", auf dem er vor allem die salafistische und dschihadistische Szene in Deutschland beobachtet und analysiert.

Polizei steht hinter Accounts

epd: Islamisten rekrutieren über das Internet Sympathisanten. Gehen ihnen dabei vor allem Jugendliche ins Netz?

Vogel: Die meisten nach Syrien und Irak ausgereisten Deutschen gehörten zum bereits radikalisierten Kern der salafistischen Szene. Und auch die Radikalisierung von Jugendlichen spielt sich vor allem im engen sozialen Kreis ab. Über Messenger-Dienste wie Telegram und soziale Netzwerke wird versucht, vor allem die Unerfahreneren unter den Jugendlichen anzuwerben. Man schenkt ihnen viel Aufmerksamkeit, glorifiziert das Leben im Dschihad und vermittelte ihnen Kontakte zu Schleusern, um die Ausreise zu ermöglichen. Gleichzeitig versuchen auch interessierte Jugendliche über Facebook oder Twitter, einen Kontakt zu Dschihadisten herzustellen. Das ist bekanntlich schon öfters gescheitert, da hinter den Accounts nicht selten Ermittlungsbehörden standen. Im Laufe meiner Arbeit für Erasmus Monitor meldeten sich auch bei mir mehrere Male ausreisewillige Jugendliche, die dezidiert um Hilfe bei der Ausreise nach Syrien baten.

Koranzitate legitimieren Internet

epd: Die Dschihadisten propagieren den Gottesstaat und nutzen im nächsten Moment das moderne Internet, um Kämpfer anzuwerben. Ist das nicht ein Widerspruch?

Vogel: Wenn Sie das Internet als westlich-kapitalistisches Konsummittel meinen, widerspricht das nicht der dschihadistischen Lebensweise. Solange Errungenschaften der "Kuffar", der Ungläubigen, den Dschihad fördern und unterstützen können, gelten sie als opportun. Die Islamisten ziehen dann alle möglichen Koranzitate und Hadithen heran, die den "Diebstahl" beziehungsweise die Verwendung von Eigentum der "Ungläubigen" legitimieren.

Geheimdienst infiltriert Netzwerke

epd: Warum setzen die Islamisten vermehrt auf ein eigenes soziales Netzwerk?

Vogel: Während zwischen 2012 und 2015 Facebook, Twitter und WhatsApp noch zu beliebten Plattformen gehörten, hat sich seither einiges verändert. Sicherheitsbehörden haben gezeigt, dass sie längst soziale Netzwerke wie Facebook oder Telegram infiltriert haben. Den Dschihadisten wurde daraufhin von ihren Kommandeuren eingeschärft, dass die Kommunikation über diese kommerziellen Messenger nicht sicher ist. Doch bislang sind auch die Versuche von Terrororganisationen, eigene Netzwerke einzurichten, gescheitert.

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