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Carsharing und Bürgerautos könnten künftig die Straßen entlasten.
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Verkehrswissenschaftler: Ende der Massenmotorisierung unausweichlich

31. Juli 2017

Die Entwicklung von selbstfahrenden Autos wird nach Aussage des Verkehrswissenschaftlers Heiner Monheim die Automobilindustrie und das Verkehrswesen revolutionieren.

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Carsharing und Bürgerautos könnten künftig die Straßen entlasten.

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Mainz, Trier (epd). Fahrzeuge der Zukunft würden durch Systeme wie Carsharing und Bürgerautos stärker wie öffentliche Güter wahrgenommen und genutzt, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Strukturwandel in der Automobilindustrie sei so unvermeidlich wie in der Kohle- und Stahlwirtschaft. Der Verbrennungsmotor als Basis der Verkehrssysteme sei "unrettbar verloren."

Die anstehenden Veränderungen hätten nicht allein mit Klimaschutz und veränderten politischen Leitlinien zu tun, sagte Monheim, der von 1995 bis 2011 an der Universität Trier Raumentwicklung, Landesplanung und Verkehr lehrte und auch nach seiner Emeritierung weiter Behörden und Verkehrsunternehmen berät. "Es gibt ja ganz neue Großinvestoren, die in den Mobilitätsmarkt drängen. Google, Uber und Tesla werden dafür sorgen, dass der Strukturwandel in der Mobilitätsindustrie endlich auch politisch ernstgenommen wird."

Digitale Tempolimits

Für fahrerlose Autos werde es digitale Tempolimits geben, was gravierende Folgen auf das Aussehen der Autos haben werde, lautet die Prognose des Trierer Wissenschaftler: "Heute spielt für die Autokonstruktion der Aufprallschutz bei einem Unfall mit hohem Tempo eine riesige Rolle." Autonom fahrende Autos würden eher "kleinen Knutschkugeln" wie der Isetta oder dem Smart ähneln.

Dass sich die Verkehrspolitik in Deutschland derzeit stark auf Elektromobilität konzentriere, sieht der Verkehrsexperte kritisch: "Der elektrische Stau ist nicht sympathischer als der fossile Stau." Nötig seien vielmehr auch in Deutschland massive Investitionen in die Bahn, die im Auftrag der Regierung unter dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn mutwillig "kaputtgespart" worden sei. Statt einseitig auf den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu setzen, müsse der Nahverkehr ins Zentrum der Verkehrspolitik gerückt werden. Im ländlichen Raum könnte der Verkehr mit Minibussen die Fahrtgastzahlen spürbar steigern.

Unrealistische Utopien?

Monheim plädiert seit Jahrzehnten für den Abschied von der Massenmotorisierung. Dabei handelt es sich seiner Überzeugung nach keineswegs um unrealistische Utopien. In Berlin lebe schon heute jede zweite Familie ohne eigenes Auto. Länder mit vorbildlicher Verkehrspolitik würden eindeutig belegen, dass es Alternativen zum Autoverkehr gebe. So funktioniere in Nordskandinavien selbst in fast unbewohnten Gegenden ein enger Taktverkehr mit Kombibussen, die Menschen, Waren und Post befördern. Deutschland habe hingegen sein Netz der Postbusse aufgegeben, derzeit werde die bewährte Idee in Regionen wie der Uckermark wiederbelebt.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 31. Juli 2017, 12:14 Uhr


Nicht nur Menschenmassen, auch Massengüter müssen tranportiert werden. Auch die hat man - wann? in den 70ern? - massenweise auf die Straßen geholt, was z.B. den Binnenschiffsverkehr in Deutschland fast zum Erliegen brachte (und oft genug auch den Verkehr auf den Straßen).
Man hat zwar durch die Containerwirtschaft Lastwagen, Bahn und Schiffahrt im Prinzip kompattibel gemacht - aber es funktioniert einfach nicht, jedenfalls nicht bei der Bahn, weil darauf terminlich kein Verlaß ist.
Wenn es jemandem gelänge, die Bahn wieder zum verläßlichen Partner der Industrie zu machen, wäre schon viel gewonnen.
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