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Reparieren statt wegwerfen

20. November 2017

Immer mehr Produkte haben eine kürzere Lebensdauer. Dagegen regt sich Widerstand bei Behörden, Politik und Kommunen, weil die Abfallberge wachsen. Das Umweltbundesamt fordert Steuernachlässe für Reparaturen.

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Berlin (epd). Die Kritik an der zunehmend kurzen Lebensdauer von Produkten wächst. Bundesumweltministerium, Umweltbundesamt und der Verband Kommunaler Unternehmen fordern ein Ende der Wegwerfmentalität und mehr Anreize, defekte Produkte reparieren zu lassen. Heute gingen doppelt so viele Elektrogeräte im ersten Jahr kaputt wie vor zehn Jahren, kritisierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Florian Pronold (SPD), am Montag in Berlin zum Auftakt der 8. Europäischen Woche der Abfallvermeidung mit dem Motto "Gib Dingen ein zweites Leben!". Gleichzeitig werde es immer schwerer, kaputte Produkte reparieren zu lassen.

"Bewusstseinsänderung" und "Vorgaben machen" sind für den Umweltstaatssekretär dabei zwei Ansatzpunkte, dagegen zu steuern. Konkreter wird das Umweltbundesamt mit Sieben-Punkte-Strategie gegen Obsoleszenz, der verkürzten Lebensdauer von Produkten.

Geräte sollen reparaturfreundlich werden

Neben steuerlichen Instrumenten wie einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Reparaturdienstleistungen und der Möglichkeit, Reparaturen von Geräten auch außerhalb des Haushalts steuerlich absetzbar zu machen, schlägt die Behörde auch mehr reparaturfreundliches Produktdesign, verpflichtende Garantieangaben sowie Angaben zu Reparierbarkeit, Reparaturservices und Verfügbarkeit von Ersatzteilen beispielsweise bei Elektronikgeräten vor.

"Wir müssen Wege finden, die Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten zu verlängern", sagte die Kreislaufwirtschafts-Expertin des Bundesamt, Bettina Rechenberg. Kurze Produktlebensdauern und kurze Produktnutzung seien eine Belastung für die Umwelt. Bei der Herstellung von neuen Produkten würden wertvolle, nur begrenzt verfügbare Rohstoffe verbraucht. Zudem wüchsen durch die kurze Lebensdauer der Geräte die Abfallberge weiter. Ein Beispiel für Ressourcenverschwendung ist laut Umweltbundesamt das neue iPhone, wo nicht mal mehr die Glasscheibe über dem Display ausgetauscht werden könne.

Blauer Engel als Vorbild

Häufig erscheine die Reparatur eines Gerätes zu teuer oder sei zu aufwendig, sagte Rechenberg. Umso wichtiger sei es, Reparaturservice verbrauchernah zu gestalten und bereits beim Design des Produktes an die Reparaturmöglichkeiten zu denken. Dafür sollte die Ökodesignrichtlinie der EU Vorgaben machen. Vorreiter sei hier das Umweltzeichen Blauer Engel, bei welchem Anforderungen zu Reparierbarkeit und Lebensdauer vor allem bei Elektro- und Elektronikprodukten bereits umgesetzt werde.

Der Verband Kommunaler Unternehmen fordert die Einführung eines Labels für die Reparaturfreundlichkeit von Produkten ähnlich der Energie-Ampel. "Hier muss sich was ändern", sagte Vizepräsident Patrick Hasenkamp. Notfalls müssten die Hersteller auf europäischer Ebene dazu gesetzlich verpflichtet werden. Abfallvermeidung sei ein Aspekt der ökologischen Daseinsvorsorge, betonte Hasenkamp. Allein in Deutschland fielen pro Kopf und Jahr rund 618 Kilogramm Abfall an. Das sei gut doppelt so viel wie in Polen, Estland oder der Slowakei.

epd lob rks

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