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Studie: Kinder bleiben in Armut gefangen

23. Oktober 2017

Armut von Kindern droht laut einer Studie zu einem Dauerzustand zu werden. Auch auf ihrem späteren Weg bleiben ärmeren Kindern viele Chancen verbaut. Sozialverbände fordern von der künftigen Bundesregierung Reformen.

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Gütersloh, Berlin (epd). Leben Kinder in Armut, bleiben sie über Jahre benachteiligt. Zwei Drittel der von Armut betroffenen Kinder leben dauerhaft oder wiederkehrend in solchen Bedingungen, wie die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh bei der Vorstellung einer neuen Studie mitteilte. Demnach lebt jedes fünfte Kind in Armut. Besonders armutsgefährdet seien Kinder alleinerziehender Eltern, mit mindestens zwei Geschwistern oder mit geringqualifizierten Eltern. Sozialverbände forderten, in den anstehenden Koalitionsverhandlungen konkrete Maßnahmen gegen Kinderarmut zu beschließen.

Armut bedeute in Deutschland zwar nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben, erklärten die Autoren der Studie. Kinder in armen Verhältnissen müssten jedoch auf vieles verzichten, was für andere ganz normal zum Aufwachsen und Leben dazu gehöre. Wer schon als Kind arm sei und nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könne, habe auch in der Schule schlechtere Chancen. Als arm gelten Familien, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens haben oder staatliche Grundsicherung erhalten.

Caritas: Studienergebnis beschämend

Die künftige Familien- und Sozialpolitik müsse die Vererbung von Armut durchbrechen, forderte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Die Bedürfnisse von Kindern müssten systematisch erfasst werden. Zudem müsse eine neue finanzielle Leistung geschaffen werden, die bisherige familienpolitische Leistungen bündele.

Die Caritas bezeichnete die Ergebnisse der Studie als beschämend. Der katholische Wohlfahrtsverband und die evangelische Diakonie forderten am Montag in Berlin, in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen konkrete Maßnahmen gegen Kinderarmut zu beschließen. Caritas-Präsident Peter Neher plädierte dafür, "in den Geburtsklinken flächendeckend präventive Lotsendienste einzuführen, damit alle Eltern Zugang zu frühen Hilfen erhalten".

Diakonie fordert gezielte Hilfen

Laut Diakonie sind gezielte Hilfen insbesondere für Alleinerziehende, Familien von Langzeit-Erwerbslosen und für kinderreiche Familien nötig. "Dazu brauchen wir eine einheitliche Sockelförderung als Kindergrundsicherung sowie kostenlose Verpflegung in Kita und Schule, Bildungsförderung, Beratungs- und Freizeitangebote", sagte Vorstandsmitglied Maria Loheide.

Aktuell wachsen 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut auf, wie der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, erklärte. Nötig sei eine Familienförderung mit einer Kindergrundsicherung. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk mahnte eine Anhebung der Kinderregelsätze und eine Reform des Kinderzuschlags bis hin zu einer Kindergrundsicherung an. Zudem müsse ein besonderer Schwerpunkt auf die Bildung gelegt werden.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte die künftige Bundesregierung auf, einen "Masterplan zur Armutsbekämpfung" auf den Weg zu bringen. Kinder könnten nur dann aus armen Verhältnissen herauskommen, wenn die finanzielle Situation der gesamten Familien verbessert werde, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Ähnlich äußerte sich auch der Sozialverband VdK, der armutsfeste Arbeit, Ganztagsbetreuung sowie familienfreundlich gestaltete Arbeitsplätze forderte.

Mehr arme Alleinerziehende

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden hat sich auch nach Daten der Bundesregierung in den vergangenen Jahren spürbar erhöht: Im Jahr 2005 lag der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe mit entsprechend geringen Einkünften noch bei 39,3 Prozent, wie die "Saarbrücker Zeitung" (Montag) unter Berufung auf aktuelle Daten der Bundesregierung berichtet, die die Linksfraktion im Bundestag abgefragt hatte. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil bereits bei 43,6 Prozent.

Für die Bertelsmann Studie untersuchten die Forscher über einen Zeitraum von fünf Jahren die Einkommenssituation von Familien. Zu fast 3.200 Kindern wurden Informationen ausgewertet.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 23. Oktober 2017, 11:05 Uhr


Mich wundert das nicht, konnte ich doch in meinen Jahren als Pädagoge in einem sozialen Brennpunkt beobachten, wie sich die Armut gewissermaßen von Generation auf Generation vererbte.
Sicher hatte das auch damit zu tun, dass sich Menschen in diesem Status eingerichtet hatten. Solange dann die Mittel noch flossen, ging es ihnen damit einigermaßen gut.
Manche Zeitgenossen zeigten sich (Not macht erfinderisch) dann auch durchaus kreativ, um an Mittel zu kommen, die ihnen das Überleben ermöglichten.
Neben den materiellen Aspekten aber fiel mir schon früh auf, dass vielen Eltern ein Motiv abhanden gekommen war, das die Generation meiner Eltern damals bestimmte. Meine Eltern setzten alles daran, dass es uns einmal besser gehen sollte als ihnen.
Bei vielen meiner Schülerfamilien vermisste ich diesen Impuls. Heute noch frage ich mich, ob es den Eltern nicht zu leicht gemacht wurde.
Man hatte sich gewissermaßen auf niedrigem Niveau zwar, aber dennoch halbwegs zufrieden eingerichtet. Und immer wieder wunderte ich mich, dass meine Schüler/innen gar nicht auf die Idee kamen, diesem Gefüge zu entkommen.
Sehe ich mich heute um, dann hat sich in dieser Gruppe kaum etwas an dieser Grundhaltung geändert. Ich vermisse bei ihr etwa einen lauten Aufschrei, konkrete Forderungen an die Politik. Wenn sie sich dann allerdings ihrer Lage bewusst werden, neigen sie dazu, wie die BT-Wahl zeigte, den Falschen zu folgen.
Aus Ohnmacht wird Wut. Aus Wut wächst Hass. So verfestigt sich die Spaltung unserer Gesellschaft.
Ich habe auch kein Rezept, wie man dem entgegenwirken könnte, sehe nur Ansätze im Kleinen: Kinder müssten wenigstens außerhalb des familiären Umfelds die Erfahrung zuteil werden, dass sie Anteil haben an dem, was ihren Eltern fehlt. Deshalb bin ich beispielsweise für eine durchgängig kostenlose Schulverpflegen, vom kostenlosen Frühstück, bis zum Mittagessen.
Auch eine Schulkleidung halte ich für sinnvoll. Alles nur Details, ich weiß.
Längst haben Gesellschaft und Politik ihr Repertoire noch nicht ausgeschöpft, und wie kreativ sie sein können, zeigt sich ja in der Migrantenfrage. Hier und dabei bleibe ich, hat man und zeigt man immer noch, was möglich ist. Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen darf kein Tabu mehr sein.
In der Gesellschaft - und darauf führe ich zum großen Teil den AFD-Erfolg zurück ist der Eindruck entstanden, dass man Mittel zur Verfügung stellt, wenn man denn will.
Und Mittel sind ja auch in Hülle und Fülle vorhanden. Bei dem hier in Rede stehenden Teil der Bevölkerung kommt wenig davon an.
Da kann man fast von Glück reden, dass das politische Bewusstsein in dieser Bevölkerungsschicht nicht so ausgeprägt ist, denn sonst hätte die AFD noch weitaus mehr Zustimmung erhalten.

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