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SPD-Politikerin Hinz legt Parteiämter nieder

4. August 2016

Die wegen ihres gefälschten Lebenslaufs in die Kritik geratene SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat ihre Aufgaben in der Partei abgegeben.

Essen, Düsseldorf (epd). Die Politikerin habe im Laufe des Tages alle Funktionen innerhalb der SPD Essen niedergelegt, teilte die Partei am Donnerstag in Essen über Twitter mit. Sie bleibe aber noch Bundestagsabgeordnete.

Politikerin behält Bundestagsmandat

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD), der auch Vorsitzender der Essener SPD ist, hatte Hinz auch zur Aufgabe ihres Bundestagsmandats aufgefordert und ein Ultimatum bis Donnerstag gestellt. Die 54-Jährige soll die Partei in einer E-Mail informiert und zugleich angekündigt haben, sich später auch öffentlich zu äußern.

Die Essener Politikerin hatte Ende Juli zugegeben, wesentliche Teile ihres Lebenslaufs erfunden zu haben, und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) um einen "schnellstmöglichen persönlichen Termin" zum Amtsverzicht gebeten. Für August soll sie noch die Abgeordneten-Diät in Höhe von 9.327,21 Euro erhalten haben.

Hinz hatte sich in ihrem Lebenslauf als Juristin ausgegeben. Im Juli räumte sie über ihre Anwälte ein, dass sie nicht die allgemeine Hochschulreife, sondern die Fachhochschulreife erworben und zudem keine juristische Ausbildung habe.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 4. August 2016, 20:25 Uhr


Na, die wird die Septemberdiät auch noch mitnehmen, wenns irgend machbar ist.

"Etwas Anständiges hab‘ ich Gott sei Dank nicht gelernt,
Hielt mich stets vom rechten Pfad der Tugend entfernt,
Und so steht, wenn ich mir meine Fähigkeiten überleg‘,
Einer Laufbahn als Politiker schon gar nichts mehr im Weg."
Reinhard Mey, aus: "Was kann schöner sein auf Erden
Als Politiker zu werden."
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Atlantica, 4. August 2016, 21:01 Uhr


Ich kenne ja Frau Hinz nicht. Nur wundere ich mich, was es für Leute in der SPD gibt. Das ist ja kein typisches Politiker-Verhalten. Das ist "krass", wie junge Leute sagen!
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Paperback, 7. August 2016, 10:07 Uhr


Atlantica,

ich fürchte, wir wissen gar nicht, was alles möglich ist oder unterschätzen da den Einfluss der Interessengruppen.
Und genau diese spielen eine Rolle bei der Besetzung auch öffentlicher Ämter. Um Qualifikation geht es oft nur nach außen, steht doch längst intern fest, wer auf welchen Stuhl gesetzt wird.
Ich war kaum im Dienst, als ich einen politisch gut verdrahteten Schulaufsichtsbeamten sagen hörte, wenn er eine Stelle mit einem Kandidaten besetzen wolle, dann lande der Kandidat, die Kandidatin ganz oben und sie müssten sich schon grobe Schnitzer leisten, um nicht auf den Stuhl zu kommen, den sie anstrebten.
Und das gilt noch heute, egal auf welcher Ebene. In unserer Nähe gab es vor einigen Jahren einen riesigen Wirbel um einen "Doppeldoktor", der als Dezernent in eine Stadtverwaltung aufgerückt war.
Keiner der beiden Titel war echt und selbst erworben.
Da muss ich dann mal unser aller Kirche in Schutz nehmen: Von einem falschen Pfarrer, einer getürkten Pfarrerin habe ich noch nie gehört.
Aber, wer weiß:-)

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Alwite, 7. August 2016, 11:39 Uhr


Wenn ich dieser Information trauen darf, hat diese "Politikerin" ausser sich selbst, niemandem geschadet. Bitte was haben falsche Angaben mit Vetternwirtschaft oder Ähnlichem zu tun? Verallgemeinerung ist IMMER fehl am Platz.
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Paperback, 7. August 2016, 13:08 Uhr


Etwas seltsam finde ich Deine Frage schon, Alwite. Ich bin eigentlich sicher, dass eine Umgebung, hier Parteifreunde, den Weg eines Menschen schon verfolgen können.
Mir scheint, und daran halte ich fest, man hat nicht sehen wollen, was man hätte sehen und auch wissen können.
Wenn sich ein Mensch um eine wesentlich unbedeutendere Position in einer Verwaltung bewirbt, die Stelle bekommt, wird man ihn wegen Betrugs und Vortäuschung falscher Tatsachen belangen, wenn sich herausstellt, dass sein Lebenslauf getürkt war.

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Alwite, 7. August 2016, 15:54 Uhr


Wir haben lediglich eine Information, bitte wie wollen auf Grund dieser, andere, außer den Beteiligten wissen, was hätte sein können:-)))
Daher reden ist Verallgemeinung, oder?
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Paperback, 8. August 2016, 9:44 Uhr


Alwite,

Du schreibst:
"Wir haben lediglich eine Information, bitte wie wollen auf Grund dieser, andere, außer den Beteiligten wissen, was hätte sein können:-)))
Daher reden ist Verallgemeinung, oder?"

Also, das sehe ich ganz entschieden anders. Die Dame hat nicht nur geschummelt, sondern die eigenen politischen Freunde belogen wie die Öffentlichkeit auch. Sie täuschte eine Qualifikation vor, die sie gar nicht besaß. Wissen wir denn, wie viele potentielle Mitbewerber sie damit in den eigenen Reihen bereits im Vorfeld weggeräumt hat?

Sind Lügen und Betrügen wirklich Voraussetzungen für ein Bundestagsmandat?

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Alwite, 8. August 2016, 11:04 Uhr


Paperback, DANKE, Thema, genau das meinte ich.

Paperback, 8. August 2016, 23:34 Uhr


Danke, Alwite.
Ja, ich war ja in jungen Jahren im Grunde ein lebender Beweis dafür, dass der Aufstieg durch Bildung möglich war. Mein Vater, ein Arbeiter, meine Mutter, eine Verkäuferin, waren stolz darauf, dass ihr Sohn Abitur machen konnten und studieren.
In meiner Partei jedoch, der ich als 18Jähriger beigetreten war, obwohl meine Eltern bis dahin brav christdemokratisch gewählt hatten, begegnete man mir mit Misstrauen.
Nachdem ich meine beiden Lehrerexamen absolviert hatte, zog ich ins Ruhrgebiet.
Nein, dort freuten sie sich nicht über den neuen Genossen. Mir fehle der proletarische Stallgeruch, musste ich mir in einer Mitgliederversammlung vorhalten lassen, als ich für ein bescheidenes Parteiamt kandidierte und einem Gewerkschaftsfunktionär unterlag.
Einer meiner schärfsten Kontrahenten war ein ebenfalls recht junger Mann, der später in einer bundesweit bekanntgewordenen Rotlicht-Affäre traurige Berühmtheit erlangte.
Er aber war gewerkschaftlich und parteipolitisch in verschiedenen Seilschaften bestens verzahnt.
Da konnte ich nicht mithalten. Mein gesellschaftlicher Aufstieg geriet mir zum Nachteil.
Die SPD, so sehe ich das heute noch, verwarf die Früchte ihrer eigenen Arbeit.
Als Lehrer in einem sozialen Brennpunkt sah ich dann vor Ort, wie die Genossen das Vertrauen einer immer größer werdenden Gruppe von Menschen in prekären sozialen Verhältnissen verspielte.
Anfangs schmerzte es mich noch, später dann musste ich mir gelegentlich die Hände reiben.
Das Dilemma war absehbar gewesen.

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Atlantica, 8. August 2016, 11:54 Uhr


Man wird wohl fragen dürfen, ob es Zufall ist, dass der SPD dies passiert. Die CDU hatte Guttenberg, doch scheint mir der Fall Hinz nicht ganz zufällig zu sein. Die SPD hat schlechte Umfragewerte und beharrt immer auf ihrem sauberen Image. Wird diese Strategie aufgehen? Was ist mit der SPD los?
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Alwite, 8. August 2016, 13:00 Uhr


Wie viel Doktorarbeiten der Welt zurückgegeben werden sollten, möchte ich lieber nicht wissen. Falsche Angaben einzelner Personen geschieht ganz bestimmt nicht nur Parteien, sie ihnen auch noch anzulasten, ist gewagt oder bestenfalls Wahlkampfthema:-)))
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Paperback, 9. August 2016, 16:34 Uhr


Alwite, Du schreibst:

"Wie viel Doktorarbeiten der Welt zurückgegeben werden sollten, möchte ich lieber nicht wissen. Falsche Angaben einzelner Personen geschieht ganz bestimmt nicht nur Parteien, sie ihnen auch noch anzulasten, ist gewagt oder bestenfalls Wahlkampfthema:-))) "

Ich laste das auch nicht der SPD an, sondern ihrer Abgeordneten Frau Hinz. Was sie getan hat, ist schlicht eine Frechheit gegenüber allen Menschen ihres Wahlkreises, die sie gewählt und ihr vertraut haben.

Dass sie damit auch dem politischen Gegner noch Munition liefert, liegt in der Natur der Sache. Junge Menschen, die in der Schule bei wichtigen Arbeiten betrügen, riskieren Abschlüsse. Solche, zum Teil strengen Regelungen, wurden nicht zuletzt von politischen Gremien beschlossen.

Was man dem Wahlvolk zumutet, von ihm erwartet, muss dann auch Maßstab für das persönliche Verhalten der Politiker sein.

Es gibt nicht zweierlei Gesetz und auch nicht zweierlei Moral.

Gruß

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Alwite, 9. August 2016, 18:25 Uhr


Paperback, reichlich verspätet äußerst Du Dich endlich zur Information dieses Artikels. Deine Belehrung an mich erstaunt.
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