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Sozialkaufhäuser nehmen längst nicht alles

9. Mai 2016

Mit Ausrangiertem noch Gutes tun - das ist für viele Menschen Triebfeder, beim Sozialkaufhaus anzurufen. Doch hier müssen sie manchmal lernen: Was für den einen noch "tadellos" ist, hat für den anderen möglicherweise nur noch Schrottwert.

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Christian Winter, Leiter des Caritas-Sozialkaufhauses in Stuttgart-Feuerbach.

Szenen wie diese sorgen immer mal wieder für Verärgerung bei Fairkauf-Spendern. Deshalb will Christian Winter, Leiter des Caritas-Sozialkaufhauses im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach, jetzt besser aufklären. "Am Telefon weisen wir die Menschen mehrfach darauf hin, dass die Waren nicht beschädigt sein dürfen. Aber wenn Anfragen per Mail kommen, ist das natürlich schwer", macht er deutlich. Ein großer, farbiger Hinweis soll hier künftig besser warnen, kündigt er an.

Der Platz im Kaufhaus ist eng begrenzt

Denn die Ablehnung hat durchaus praktische Gründe. Diese sind auf den 2.000 Quadratmetern Feuerbacher Verkaufsfläche schnell erblickt. Hier stehen bereits etliche Couchgarnituren, darunter auch welche aus Leder. Und der Platz ist begrenzt. "Nach zwei Wochen sollte ein Artikel verkauft sein, spätestens nach vier Wochen", sagt Winter. Das sei wichtig, weil nur so genügend Kunden kämen. Und die brauche es für den Umsatz, da sich der Fairkauf selbst tragen müsse.

Zu häufig komme es vor, dass Leute den Fairkauf nutzten, um klapprige, alte Möbel kostengünstig entrümpeln zu lassen, beklagt Winter. Ihre Mitarbeiter würden manchmal bis in den fünften Stock steigen, um dort nur Sperrmüllware vorzufinden. Wenn ein Möbelstück, Haushaltsgegenstand, sogar ein Kleidungsstück beschädigt sei, dann lasse es sich schlecht verkaufen. Es blockiere nicht nur Platz, sondern müsse nachher vom Fairkauf unter Umständen selbst teuer entsorgt werden. Bei ihnen würden die gleichen Entsorgungskosten anfallen wie bei Privatleuten.

Dass ihre Mitarbeiter Geld fordern, sei also keine Abzocke, macht Winter deutlich. Es gibt sogar eine Gebührenordnung, die das Sozialkaufhaus jetzt besser bekanntmachen möchte. Weist ein Zweier-Sofa geringe Mängel auf, fallen beim Abholen 18 Euro an, wenn es entsorgt werden muss sogar 37 Euro. Beim Doppelbett mit Matratze sind es 34 beziehungsweise 68 Euro, bei einem kompletten Schlafzimmer 80 oder 163 Euro. Winters Tipp: "Wer uns Waren per Mail anbietet, sollte gleich Fotos von möglichen Schäden und Flecken mitschicken. Dann können wir die Sachen richtig einschätzen." So lasse sich bösen Überraschungen vorbeugen.

Alle Artikel sollen möglichst schnell verkauft werden

Die Feuerbacher sind übrigens nicht allein. Michael Wartmann, Leiter des Karlsruher Diakonie-Kaufhauses Kashka, kennt die Probleme ebenfalls. Sie hätten rund 600 Quadratmeter Verkaufsfläche, insgesamt seien es in den vier Karlsruher Häusern rund 2.000. "Im Durchschnitt ist ein Artikel nicht länger als anderthalb Tage bei uns", sagt er.

Auch sie würden bei Anfragen übers Telefon offen erklären, dass alles wiederverwertbar sein müsse. "Wir sind ein offenes Haus, und wollen einen gewissen Niveauwert darstellen. Es ist ein schmaler Grat", sagt er. Persönliche Wahrnehmung eines Artikels und dessen tatsächlicher Wert würden einfach häufig divergieren. Was den Eltern vielleicht lange ein Heiligtum war, kann unter Umständen trotzdem schwer zu verkaufen sein.

Der badische Diakonie-Sprecher Christian Könemann erklärt, dass das Karlsruher Diakonie-Kaufhaus pro Tonne Müll Entsorgungskosten in Höhe von 210 Euro berechnet. Das sei im Vergleich wenig. Ist ein Möbelstück oder Elektrogerät nicht zu verkaufen, könne der Kunde dies auch gegen eine entsprechende Gebühr entsorgen lassen. Allerdings gebe es einen gewissen Ermessensspielraum, der es ermögliche, in besonders schwierigen Situationen bei den Kosten schon mal ein Auge zuzudrücken.

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Leser-Kommentare öffnen

mystery, 19. Februar 2017, 12:30 Uhr


Also ich weiss gar nicht, was die immer rumzujammern haben.

Fairkauf Mitarbeiter haben mir mal gesagt, dass alles irgendwann mal verkauft würde, egal wie teuer es ausgezeichnet wäre (Stuttgart Feuerbach)

Schweineteuer ist es eh, und leider seit nunmehr einem Jahr auch praktisch nur noch Schrottware vorhanden.

Auch ich würde (ehrlich gesagt) da nichts hinbringen, was ich wüsste, dass es dann zu horrendem Preis weiterverkauft würde.

Da verschenke ich es lieber via Kleinanzeigen und weiss, dass sich auch Leute darüber freuen
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