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Schulterschluss vor dem Reformationsjubiläum

18. September 2016

Mit Blick auf die Feiern zum 500. Jahrestag des Lutherschen Thesenanschlags stellen evangelische und katholische Kirche in Deutschland ihre Gemeinsamkeiten heraus. "Ein fast revolutionäres Ereignis", nennt das Kardinal Marx.

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Kardinal Marx (links) und EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm stellen das Gemeinsame Wort zum Jahr 2017 vor.

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München (epd). Katholiken und Protestanten demonstrieren vor den Feiern zum 500. Reformationsjubiläum ihre Verbundenheit. In den vergangenen Jahrhunderten seien zu Reformationsjubiläen stets die konfessionellen Gegensätze betont worden. "Die bevorstehende 500-Jahr-Feier soll ausdrücklich ein anderes Zeichen setzen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Freitag in München vorstellten. Als Ziel ökumenischer Bemühungen wird explizit das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten genannt.

Reformationsjubiläum in ökumenischer Gemeinschaft

Der Münchner Kardinal Marx und der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm unterstrichen im evangelischen Landeskirchenamt nach Kräften ihre ökumenische Verbundenheit. Vor mehr als einem Jahr hatten sie in einem später veröffentlichten Briefwechsel der Definition des Jubiläumsjahres als Christusfest den Weg bereitet und damit eine wesentliche Hürde für eine katholische Beteiligung aus dem Weg geräumt.

Vor 50 Jahren sei solch ein gemeinsamer Start in ein Lutherjubiläum undenkbar gewesen, sagte Marx und nannte die Präsentation des Textes "ein fast revolutionäres Ereignis". Erstmals werde ein Reformationsjubiläum in ökumenischer Gemeinschaft begangen.

Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm sagte angesichts der katholischen Klage über das Zerbrechen der kirchlichen Einheit: "Natürlich feiern wir dieses Jubiläum mit einem unterschiedlichen Begeisterungslevel." Doch könne man heute mit den bleibenden Unterschieden besser umgehen als frühere Generationen.

"Auf dem ökumenischen Weg geduldig weitergehen"

In dem sogenannten Gemeinsamen Wort mit dem Titel "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen" heißt es unter anderem: "Um das rechte Verständnis der Wahrheit des Evangeliums muss weiter gerungen werden." Dabei sollten sich aber die einen nicht auf Kosten der anderen profilieren.

Die evangelische Kirche feiert im kommenden Jahr 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

In dem aktuellen Ökumenetext heißt es, grundlegende Fragen des Kirchen- und des Amtsverständnisses seien bei aller Annäherung bis heute nicht gemeinsam beantwortet worden. Doch sei es Ziel, "auf dem ökumenischen Weg geduldig und zielstrebig weiterzugehen, damit die Einheit unter uns weiter wächst und Abendmahls- und Eucharistiegemeinschaft möglich wird". Eine schnelle Lösung werde es aber "aller Voraussicht nach nicht geben".

"Versöhnte Verschiedenheit" als Maßstab

Die Verbundenheit der Christen allein an der Frage des gemeinsamen Abendmahls festzumachen, lehnen Marx wie auch Bedford-Strohm indes ab. Gleichwohl hätten beide die Hoffnung, "dass wir auch hier vorankommen", sagte der Münchner Erzbischof Marx.

Ein falsche Erwartung an die Ökumene wäre aus Sicht Bedford-Strohms auch, eine "einheitliche Organisation" anzustreben. Maßstab sei "versöhnte Verschiedenheit". "Einheit bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sind", pflichtete Kardinal Marx bei. "Bitte keine Uniformität der Christen", rief er geradezu warnend aus.

Das am Freitag präsentierte Gemeinsame Wort ist Teil eines Versöhnungsprozesses zum Reformationsjubiläum, der unter der Überschrift "Healing of Memories" (Heilung der Erinnerungen) steht. Zur Heilung der Erinnerungen soll auch eine gemeinsame Pilgerreise von Spitzenvertretern beider Kirchen ins Heilige Land im Oktober beitragen. Für den 11. März nächsten Jahres ist ein zentraler ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim geplant.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 16. September 2016, 18:33 Uhr


Zitat:

"In dem aktuellen Ökumenetext heißt es, grundlegende Fragen des Kirchen- und des Amtsverständnisses seien bei aller Annäherung bis heute nicht gemeinsam beantwortet worden. Doch sei es Ziel, "auf dem ökumenischen Weg geduldig und zielstrebig weiterzugehen, damit die Einheit unter uns weiter wächst und Abendmahls- und Eucharistiegemeinschaft möglich wird". Eine schnelle Lösung werde es aber "aller Voraussicht nach nicht geben"."

Warum dann dieses Getöse? Hier werden Erwartungen geweckt, die die Akteure im Grunde gar nicht erfüllen können, und was die katholische Seite angeht, gar nicht erfüllen wollen.
In unserer evangelischen Kirche dagegen scheint sich ein fast suchtähnliches Bestreben breitzumachen, endlich, endlich auch den Segen Roms zu erhalten.
Ich warte ja nur noch darauf, dass man islamische Würdenträger mit einbezieht und Rom endlich seinen Anspruch, die Mutter aller Kirchen zu sein, dann sichtbar durchsetzen kann.
Mir fehlt vor allem aber in unserer evangelischen Kirche ein ähnliches Mühen im Verhältnis zum Judentum und der jüdischen Gemeinde Deutschlands.
Schließlich war Jesus weder Protestant und auch kein Katholik. Er war Jude und er blieb es bis zum Schluss. Ich selbst fühle mich der jüdischen Tradition sehr viel näher als der Kirche Roms.

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