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Versunkene Schätze im LVR-Landesmuseum Bonn
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Schätze aus dem Mittelmeer

11. Oktober 2017

Sizilien war in der Antike das Zentrum des Handels im Mittelmeer. Das dokumentieren zahlreiche Unterwasserfunde rund um die italienische Insel, die bis März im LVR-Landesmuseum Bonn zu sehen sind.

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Versunkene Schätze im LVR-Landesmuseum Bonn

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Bonn (epd). Die Gischt sprüht meterhoch, man hört förmlich das Holz unter der Wucht des Aufpralls splittern. Was so ein bronzener Rammsporn an der Spitze eines römischen Kriegsschiffs anrichten konnte, zeigt eindrucksvoll eine Animation im LVR-Landesmuseum Bonn. Die Ausstellung "Im Meer versunken. Sizilien und die Unterwasserarchäologie" präsentiert das Sizilien der Antike als Handelszentrum und Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.

Im Zentrum des Mittelmeers gelegen, war die italienische Insel strategisch und handelspolitisch von großer Bedeutung für die Völker des Mittelmeers. Am 10. März 241 v. Chr. stießen dort die Kriegsflotten des römischen Reiches und der Karthager aufeinander. Die Römer, die mit der Schlacht den ersten Punischen Krieg siegreich beenden konnten, versenkten oder erbeuteten 120 feindliche Schiffe. Sie selbst verloren 30 Galeeren.

Bronzene Rammsporne

Faszinierende Zeugnisse dieser Schlacht sind nun bis zum 11. März in Bonn zu sehen. Während die hölzernen Schiffswracks über die Jahrtausende auf dem Meeresboden verrotteten, konnten seit 2004 drei der bronzenen Rammsporne geborgen werden. Zwischen den Zacken einer dieser gefährlichen Schiffsspitzen sind sogar noch Holzsplitter des Schiffs zu erkennen, das die dazu gehörige Galeere rammte, bevor sie dann selber unterging.

Dank antiker Hochtechnologie und einer durchorganisierten Schiffsproduktion - fast wie am Fließband - gelang den Römern die Vorherrschaft über das Mittelmeer und das Handelszentrum Sizilien. Die rund 150 archäologischen Funde aus den Gewässern rund um die Insel zeichnen das Bild eines pulsierenden Umschlagplatzes. Phönizier, Griechen, Römer, Araber und Normannen brachten mit ihren Schiffen Kunst- und Gebrauchsgegenstände wie etwa feines Essgeschirr aus fernen Ländern.

Sogar Feinkost aus der Ferne wurde auf der Insel gehandelt. Davon zeugen zum Beispiel Amphoren mit Resten von Fischsauce aus Afrika oder eine Lieferung kampanischen Weins, der mitsamt einem Handelsschiff nur 300 Meter vor der sizilianischen Küste unterging.

1.000 Wracks

Die Seefahrt zur Zeit der Antike war trotz der Kunstfertigkeit der römischen Schiffsbauer ein gefährliches Unterfangen. Nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen und Piraten, sondern auch Unwetter, ungünstige Winde oder gefährliche Strömungen machten den Seeleuten zu schaffen. Rund 1.000 Schiffswracks rund ums Mittelmeer sind inzwischen von Archäologen identifiziert worden, wie eine Karte eindrucksvoll belegt. Nur die wenigsten wurden bislang erforscht.

Eines der am besten untersuchten Wracks ist ein Transport von Kunstgegenständen, der um 80 v. Chr. an der Straße von Sizilien, der Meerenge zwischen Afrika und der Insel, sank. Ein großer Teil der Schiffsladung war in den 90er Jahren im Bonner Landesmuseum restauriert und anschließend ausgestellt worden. Zu der der nun nach Bonn zurückgekehrten Ladung gehörten Skulpturen, Statuetten und auch aus griechischen Heiligtümern gestohlene Götterbildnisse.

So etwa eine Aphrodite-Skulptur aus weißem Marmor, von der nur noch ein Teil ihres Torsos zu sehen ist. Was in den 90er Jahren noch nicht möglich war: Mit Hilfe einer Computeranimation wird die Statue nun rekonstruiert. Und die Besucher können sogar sehen, wie die Skulptur in Stroh gebettet und sorgsam mit Seilen gesichert auf dem Schiff transportiert wurde.

Elefantenfuß

Über die hohe handwerkliche Kunstfertigkeit der Mittelmeeranrainer der Antike gibt ein besonderer Fund Auskunft: Ein lebensgroßer bronzener Elefantenfuß, der ebenfalls in der Straße von Sizilien aus dem Wasser gefischt wurde. Haut und sogar einzelne Haare sind lebensecht nachgebildet. Vermutlich sei er Teil einer kompletten Elefantenskulptur, sagt Kuratorin Claudia Klages. An Abnutzungsspuren sehe man, dass der Fuß häufig angefasst wurde. Möglicherweise handele es sich um ein Heiligtum, das geraubt wurde.

Die Ausstellung zeigt, wie sich Einflüsse aus dem ganzen Mittelmeerraum auf Sizilien niederschlugen. Von den Phöniziern über die Griechen, die Römer und schließlich ab dem neunten Jahrhundert nach Christus die Araber. Ebenso multikulturell ist das Ausstellungsprojekt, das das archäologische Forschungsinstitut Soprintendenza Del Mare in Palermo neben dem Landesmuseum auch in Zusammenarbeit mit Museen in Kopenhagen, Oxford und Amsterdam umsetzte. "Ein bestes Beispiel europäischer Kooperation", wie Sebastiano Tusa von der Soprintendenza Del Mare sagt: Kulturelle Zusammenarbeit statt Rammsporn-Angriffe.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 12. Oktober 2017, 11:39 Uhr


"Es steht manches Schöne isoliert in der Welt, doch der Geist ist es, der Verknüpfungen zu entdecken und dadurch Kunstwerke hervorzubringen hat. Die Blume gewinnt erst ihren Reiz durch das Insekt, das ihr anhängt, durch den Tautropfen, der sie befeuchtet, durch das Gefäß, woraus sie allenfalls ihre letzte Nahrung zieht. Kein Busch, kein Baum, dem man nicht durch die Nachbarschaft eines Felsens, einer Quelle Bedeutung geben, durch eine mäßige einfache Ferne größern Reiz verleihen könnte."
Johann Wolfgang von Goethe

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-144021697.html
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