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Pro und Kontra: Braucht Deutschland eine Zuckersteuer?

14. November 2016

Heute ist Weltdiabetestag. Der Verbrauch von Zuckerarten wie Glukose steigt in Deutschland kontinuierlich. Würde eine Zuckersteuer helfen? Argumente im Überblick.

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Frankfurt a.M. (epd). Zuckerkrank und übergewichtig - die Deutschen leben immer üppiger: Rund 35 Kilogramm Haushaltszucker pro Kopf isst jeder im Jahr, der Wert ist seit langem konstant. Der Verbrauch von Zuckerarten wie Glukose - Bestandteil vieler Lebensmittel - steigt jedoch kontinuierlich an und liegt mittlerweile bei 10 Kilo pro Kopf und Jahr.

Verbraucherschützer und Ärzteorganisationen plädieren für eine Steuer auf Gezuckertes - um den Konsum von Süßem zu lenken und vor allem zu senken. Abwegig findet das so mancher Ernährungswissenschaftler und auch der Bundesverbraucherminister Christian Schmidt (CSU).

Pro:

Nur eine Sondersteuer kann Hersteller dazu bringen, ihre Produkte weniger stark zu zuckern - davon ist Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch überzeugt: "Der Staat hat hier eine Für- und Vorsorgepflicht." Insbesondere Limos, Eistee und Cola seien "völlig überzuckert". Schon der Inhalt einer Dose enthalte die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Tagesdosis an Zucker. So bestehe ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken und starkes Übergewicht zu entwickeln. "Bei flüssigem Zucker ist das sogar noch besonders ausgeprägt, denn das sind zusätzliche Kalorien, die nicht satt machen", sagt Huizinga. Zu den flüssigen Kalorien kämen weitere hinzu, die mit dem Essen aufgenommen würden.

Vor den Folgen von zu viel Zucker warnen seit Jahren auch Medizinerverbände wie die Deutsche Diabetesgesellschaft (DGG) und der Verband der Kinder- und Jugendärzte, die sich wie Foodwatch vehement für eine Zuckersteuer einsetzen. Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt. Laut DGG kommen jedes Jahr rund 300.000 hinzu. Als adipös - stark übergewichtig - gilt fast ein Viertel der Erwachsenen, ebenfalls mit steigender Tendenz.

Der Zucker stecke "überall, auch in herzhaften Fertiggerichten oder Soßen, wo Konsumenten ihn nicht vermuten", sagt Huizinga. "Zucker regt den Appetit an und zudem ist er ein billiger Rohstoff, das macht ihn für die Industrie natürlich attraktiv", sagt der Verbraucherschützer. Die Nährwerttabellen auf der Rückseite der Verpackung informierten die Konsumenten nicht ausreichend. Außerdem richte sich die Werbung für stark Gezuckertes gezielt an Kinder und Jugendliche, die eben noch nicht selbst richtig beurteilen könnten, wie schädlich zu viel Zucker sei.

Empfohlen hat die Steuer aktuell auch die WHO - und zwar in spürbarer Höhe, so dass ein überzuckertes Produkt um 20 Prozent teurer werden soll. Mit der Abgabe will die WHO den Konsum der Bevölkerung lenken - über höhere Preise. Vor allem aber will man die Hersteller zwingen, die Rezepte der Produkte zu verändern. Dass das mit Hilfe einer Sondersteuer möglich ist, bestätigen laut einer aktuellen Analyse auch die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Kontra:

Der Frankfurter Ernährungswissenschaftler und Buchautor Uwe Knop hält nichts von einer Zuckersteuer: "Es gibt gar keinen gesicherten Beweis dafür, dass Zucker und zuckerhaltige Produkte krank und dick machen." Die Studienlage sei nicht eindeutig, sagt Knop: "Das ist auch kein Wunder: Über den Gesundheitszustand eines Menschen entscheiden sehr viel mehr Faktoren als ein einzelner Inhaltsstoff im Essen." Es gebe auch Studien, die zeigten, dass Jugendliche, die viele Süßigkeiten essen, selten Übergewicht hätten.

Generell zu viel zu essen - "was auch immer" - sei selbstverständlich ungesund. "Zucker zu dämonisieren, macht aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive keinen Sinn." Und damit auch keine Steuer, um den Konsum zu lenken, findet Knop. "Das gängelt die Menschen." Jeder könne sich über den Zuckergehalt in den Nährwerttabellen auf der Packung informieren - der Konsument habe die Freiheit, zu wählen.

Auch Bundesernährungsminister Schmidt ist gegen "Strafsteuern". Sie hätten "in der Regel keinen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Menschen", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb sei die Fettsteuer in Dänemark auch wieder abgeschafft worden. Stattdessen wolle er von einem gesunden Lebensstil überzeugen. Schmidt setzt darauf, Kinder und Jugendliche zu informieren und ihre Kompetenz zum guten Essen zu fördern - "am besten als eigenes Schulfach".

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 14. November 2016, 8:37 Uhr


Ich bin dafür. Es gibt kaum noch Lebensmittel, denen kein Zucker beigefügt ist. Selbst Naturjoghurt, bei dem man doch erwartet, daß man alles richtig macht, enthält oft Zucker! Fertiggerichte sowieso. In vielen Familien hat man keine andere Wahl, als zur Pizza oder der fertigen Nudelsoße zu greifen, wenn beide Eltern arbeiten.
Süßkram und süße Getränke zu kaufen oder nicht zu kaufen, das kann jeder selber steuern. Gegen den versteckten Zucker, den die Industrie beifügt, weil er zu billig ist, sollte etwas unternommen werden.
Und wenn das Süßzeug teurer wird, dann überlegt sich aber mancher vielleicht doch, lieber Mineralwasser und Obst zu nehmen....
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Alwite, 14. November 2016, 9:34 Uhr


Auch Bundesernährungsminister Schmidt ist gegen "Strafsteuern". Sie hätten "in der Regel keinen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Menschen", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deshalb sei die Fettsteuer in Dänemark auch wieder abgeschafft worden.

Genau diese Gedanken verfestigten sich bei mir, als ich den Artikel las.
Die Zuckersteuer ist sicher eine von vielen Varianten - doch nur ganz am Rande - unser Essverhalten zu überdenken. Als altgediente Hausfrau, Mutter und Großmutter entdecke ich, dass in vielen vorgefertigten Produkten, der Zucker bereits erheblich reduziert wurde.

Diese Steuer tragen die Verbraucher zu denen vorrangig Familien mir Kindern gehören, sie benötigen und verbrennen die größte Menge Zucker unter uns. Wenn Eltern nur darauf achten, ihren Kindern den natürlichen Bewegungsdrang zu lassen und sie nicht gut gemeint mit "Süßem" beruhigen, ist schon eine Hürde genommen. Kinder verlangen und regulieren ihre Kost nach Bedarf, der unterschiedlicher nicht sein kann. Sie zum "Essen" zu drängen ist verantwortungslos. Ihnen die bestmögliche Ernährung bewusst zu machen, ist außer dem Elternhaus, sicher auch die Schule. Zuckersteuer? Bitte nein.
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