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Präses Annette Kurschus warnt vor den Folgen des Rechtspopulismus.
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Präses Kurschus: Rechtspopulismus spaltet und bedroht die Demokratie

2. Juni 2017

Annette Kurschus, die stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD, ist in Sorge über den wachsenden Rechtspopulismus im Land. Sie sieht die Demokratie in Gefahr und warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft.

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Präses Annette Kurschus warnt vor den Folgen des Rechtspopulismus.

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Dortmund (epd). Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, sieht durch wachsenden Rechtspopulismus die Demokratie gefährdet. Dem Rechtsstaat drohe Schaden, "wenn Verleumdungen, Lügen und Halbwahrheiten an die Stelle von Fakten treten", warnte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen am Donnerstagabend in Dortmund. "Wer Ängste schürt, um Wählerstimmen zu gewinnen, gräbt der Demokratie das Wasser ab", fügte sie mit Blick auf die AfD hinzu. "Wer den Angriff auf die etablierten Parteien zum Prinzip erhebt, fördert eine Spaltung der Gesellschaft."

Auch die tausendfache Verbreitung von Hassbotschaften trage zu einem Verfall der zivilen Kultur bei, kritisierte die leitende Theologin Kurschus. Sie mahnte eine faire Streitkultur in der Politik an. Es dürfe "zugespitzt, hart und leidenschaftlich" argumentiert werden, platte Parolen und Provokationen dürften aber den sachlichen Diskurs nicht verdrängen, und das ehrliche Ringen um konstruktive Lösungen dürfe nicht von Geschrei und Stimmungsmache übertönt werden.

"Klare Kante" bei den Positionen der AfD

"Klare Kante" der Kirchen forderte Kurschus gegen fremdenfeindliche Positionen der AfD und einen Missbrauch des Christentums zur Ausgrenzung anderer Menschen. "Wer Rassismus christlich verbrämt, pervertiert die Botschaft Jesu", betonte die 54-jährige Theologin beim Jahresmediengespräch der westfälischen Kirche. "Die Diffamierung von allem, was nicht deutsch ist, lässt sich mit unserem Verständnis des christlichen Glaubens nicht vereinbaren."

Trotz dieser klaren inhaltlichen Abgrenzung sollten aber die Anhänger und Sympathisanten der AfD nicht an den Pranger gestellt werden, betonte Kurschus: "Wenn jemand Christ ist und trotzdem die AfD wählt, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Ich möchte gerne wissen, was Menschen dazu treibt." Öffentliche Schaudebatten, die AfD-Funktionären eine Plattform für fremdenfeindliche Parolen bieten, lehne sie dagegen ab.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 6. Juni 2017, 17:14 Uhr


Alles richtig. Erstaunlich, dass Frau Kurschus nicht weiss, weswegen Menschen die AfD wählen: in erster Linie Protest gegen die etablierten Parteien und die Politik.

Man kann an Leute, die für die AfD votieren, keine normalen Maßstäbe anlegen. Das ist möglicherweise (?) ein Missverständnis seitens der Chefin: solche Leute sind meines Wissens kategorisch "gegen den Islam", "gegen Einwanderung" und gegen dies und jenes. Toleranz darf man bei AfD-Befürwortern nicht voraussetzen oder fordern. Das wäre unklug.
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Paperback, 6. Juni 2017, 22:45 Uhr


Ja, natürlich ist dieser Rechtspopulismus nicht ungefährlich. Aber, er wird nicht zuletzt gerade auch durch diejenigen begünstigt, die sich seit einiger Zeit in einem Maße und mit hohem Pathos für alle Menschen einsetzen, die da zu uns kamen, wie sie es in dieser Klarheit lange nicht für diejenigen getan haben, die auch bei uns der Solidarität und Empathie bedurft hätten und immer noch bedürfen.
Da haben nicht zuletzt die beiden großen Kirchen lange die Augen zugemacht und gaben sich damit zufrieden, dass man diese an den Rand geratenen Menschen schon irgendwie auffange.
Die Ängste vieler Menschen vor dem sozialen Abstieg haben doch reale Hintergründe.
Wenn die Präses den Angriff auf die etablierten Parteien als Gefährdung der Demokratie versteht, hat sie das Wesen der politischen Auseinandersetzung nicht verstanden.
Macht wird in unserer Demokratie nur auf Zeit verliehen und die etablierten Parteien müssen sich schon gefallen lassen, dass die Wähler ihnen davonlaufen, wenn sie ihre Interessen nicht mehr wahrgenommen wissen.
Ich bringe es auf den Punkt: Ja, es war richtig, den Migranten zu helfen. Ja, es ist weiterhin richtig, auch ihre Integration in unsere Gesellschaft zu fördern.
Genauso richtig aber und gleichermaßen christlich ist es auch, sich um diejenigen zu kümmern, die sich teilweise schon seit Generationen bei uns abstrampeln und dabei auf keinen grünen Zweig kommen.
Daran tragen nicht zuletzt die etablierten Parteien ein gerüttelt Maß an Schuld. Das zu sagen, gehört zum demokratischen Diskurs.
Ich wage mal die These, dass die Situation vieler Menschen in Deutschland anders aussähe, hätten sich die traditionellen Parteien einschließlich unserer Kirchen genau mit der gleichen Empathie und der theologischen Heftigkeit auch für sie eingesetzt, wie sie es jetzt für Migranten tun.
Es tut mir leid, Frau Präses, aber Ihr Schuss geht nach hinten los und Ihr Vorwurf fällt schnell auf Sie zurück.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin politisch eher auf der linken Seite unterwegs.

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Atlantica, 7. Juni 2017, 6:34 Uhr


Hallo Paperback, was du über das Wesen der politischen Auseinandersetzung schreibst, sehe ich ähnlich. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Dichotomie links/rechts so nicht mehr stimmt. Und wenn es Gruppierungen gibt, die sich gleichermaßen als Christen und AfD-nah oder -Mitglied definieren, dann wird es schwierig.

Im Stern war ein Zwischenruf von Hans-Ulrich Jörges, der bemängelte, die Parteien suchten, um Wähler zu gewinnen, Themen, die auf das INTERESSE der Wähler stoßen. Und er mahnte an, doch wieder den REALEN BEDARF an Hilfe und Zuwendung für die Armen (ein Thema) ins Auge zu nehmen. Bei Kirche ist es umgekehrt wie in der Politik: hier richtet man sich zu recht und guten Gewissens an das soziale Miteinander. Aber dabei wird oft übersehen, dass eine christliche Gesinnung allein keine politische General-Lösung darstellt. Stichwort: VERANTWORTUNGS-ETHIK.
Gesinnungs-Ethik: subjektiv; auch mit der allerbesten Gesinnung lassen sich nicht soziale (von politischen nicht zu sprechen) Probleme lösen.
Verantwortungs-Ethik: objektiv; das Mittel der Wahl, um Menschen zu helfen.
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Paperback, 7. Juni 2017, 8:02 Uhr


Atlantica,

Danke.

Es ist vor allem dieser Satz: "Wer den Angriff auf die etablierten Parteien zum Prinzip erhebt, fördert eine Spaltung der Gesellschaft", den ich als Angriff auf das demokratische System verstehe. Und nicht nur das: Im Grunde garantiert die Präses so den "etablierten Parteien" ihre Existenz und bestreitet sie zugleich deren Widersachern.
Was bitte sehr haben denn die sogenannten "etablierten Parteien" getan, um dieser Spaltung entgegenzuwirken?
Sie haben sie über Jahrzehnte hingenommen, ja tendenziell sogar gefördert. Ich weiß auch, warum. Damit lässt sich nämlich Geld machen und es flossen und fließen Unsummen in Bereiche, in denen unsere Kirchen fest engagiert sind.
Da tummeln sich Caritas und Diakonie und greifen die Mittel ab. Intern werden dann Einzelbereiche ausgegliedert und den dort Beschäftigungen Haustarife angeboten. Sprich doch nur mal mit dort beschäftigten Menschen, die erzählen Dir, wieweit es da mit dem von Caritas und Diakonie salbungsvoll hochgehaltenen Geist bestellt ist.
Übrigens, und auch das hat einen seltsamen Geruch, wenn man bei den Kirchen darauf bedacht ist, die traditionellen Parteien zu sichern, um keine Konkurrenten zuzulassen, hätte es die Grünen nie gegeben.
Wie seiner Zeit das Aufkommen der Grünen, so belegt doch heute das Aufwachsen der AFD das Versagen der etablierten Parteien.
Das ist die Folge deren eigenen Versagens, nicht die Schuld der Wähler.
Ich bedaure das.

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Atlantica, 18. Juni 2017, 21:04 Uhr


Sollte sich Kirche nicht statt politischer Fragen Themen annehmen wie:

-ist die Bibel das Wort Gottes?

-hat Gott den Menschen erschaffen oder

-ist die sogenannte Schoepfung nur ein Mythos, der Mensch Ergebnis jahrhundert Millionen langer Evolution?
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Paperback, 21. Juni 2017, 12:00 Uhr


Lieber Atlantica,

die Frage nach dem politischen Engagement der Kirche ergibt sich für mich aus der Bergpredigt. Nimmt man die darin enthaltene Botschaft ernst, kann man sich mit bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten nicht zufrieden geben. Ich hörte hierzu in den letzten Tagen Heiner Geißler, der den sozialen Aspekt trefflich auf den Punkt brachte.
Ich sehe die Bibel nicht als etwa von Gott diktiert, sondern als Glaubenszeugnis.
Die Frage nach der Evolution hat mich auch lange beschäftigt, aber schon während meines Theologiestudiums lernte ich, dass es zwei sehr unterschiedliche Schöpfungsberichte in der Bibel gibt.
Die erste ist die priesterschriftliche Fassung, mit der die Bibel beginnt und die die Schöpfung in Tage gliederte. Hier geschieht die Schöpfung durch den Befehl Gottes: "Gott sprach -und es geschah also".
Die Fassung des Jahwisten (J) ist die sehr plastische, die Erschaffung des Menschen aus dem Erdenkloß.
Dass beide nebeneinander stehen, sagt mir, dass es dabei nicht auf die Details ankommt, sondern darauf, dass Gott am Anfang steht und die Schöpfung in Gang setzt.
Ich persönlich habe mit diesen unterschiedlichen Fassungen keine persönlichen Probleme. Mich allerdings würde es mehr als irritieren, fänden sich im weiten Universum erdenähnliche Planeten mit menschenähnlichen Geschöpfen, die vielleicht eine ganz andere Entstehungstheorie, eine andere Schöpfungstheologie verträten.

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Atlantica, 22. Juni 2017, 13:19 Uhr


Guten Tag, Paperback, heute ist für mich ein besonderer Tag. Unsere Diskussion von gestern hat mich heute morgen noch beschäftigt. Die Schöpfung war immer mein Lieblingsthema und ich hatte eine sehr gute & sympathische Religionslehrerin, bei der ich mit elf oder zwölf Jahren zum ersten Mal vom "Jahwisten" sowie von der "Priesterschrift" hörte.
Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich habe soeben einen Artikel gelesen, in dem die Existenz Gottes logisch stringent widerlegt wird. Ich spare mir, diesen hier einzustellen. Nur soviel, bestimmte Ereignisse sind meinem Empfinden nach so wenig zufällig, dass es für mich einen hinreichenden Grund für einen Schöpfergrund darstellt.
Unverzeihlich finde ich die oberflächliche Annahme, der Buchstabe der Bibel sei die Grundlage des christlichen Glaubens. Seit der Aufklärung unverzeihlich und eine Schande!
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Atlantica, 21. Juni 2017, 12:23 Uhr


Die Bergpredigt ist ein guter Hinweis. Mich irritiert die starke Gewichtung der Oeffentlichkeitsarbeit hin auf Politik. Mir kommt es immer so vor, als ob niemand ausser mir Fragen wie Auferstehung, biblisches geozentrisches Weltbild fuer wichtig haelt. Dass die Bibel das Wort Gottes sei, Gott der Schoepfer, das ist selbstverstaendlich so. Es soll nicht infrage gestellt werden. Wichtig dagegen sei die Haltung im Sinn eines guten Christen. Da bin ich ratlos.
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Paperback, 21. Juni 2017, 13:16 Uhr


Da bin ich auf Deiner Seite, und ich habe ganz offen gesagt, den Eindruck, dass wir da gerade in sehr einseitige Richtung gedrängt werden. Ein "guter Christ" scheint nach Auffassung unserer Kirchenoberen nur noch der zu sein, der die Haltung der Kirchen zur Migrantenfrage teilt.
Ich teile sie nicht (mehr). Nie zuvor konnte ich eine so entschiedene Haltung meiner Kirche etwa in der Frage der sozialen Ungleichheit in unserem Land erkennen, wie zur Zeit in der Flüchtlingsfrage.
Es gibt auch in Deutschland und unter Einheimischen himmelschreiende soziale Ungleichheiten, die des kirchlichen Protestes bedürften. Geschieht aber nicht. Im Gegenteil: Auch die kirchlichen Arbeitgeber machen sie solche Ungleichheiten zu eigen, in dem sie als Tendenz-Betriebe das Tarifrecht aushebeln.
LG

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Atlantica, 21. Juni 2017, 19:18 Uhr


Ich weiß nicht, ob das, was ich jetzt schreibe, vielleicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Aber ich schreibe es trotzdem, weil ich derzeit mit meinem Latein am Ende bin:

Präses Annette Kurschus schreibt in ihrem Rundbrief zum Reformations-Jubiläum:

"Diese [Glaubens-]Gewissheit haben wir durch Jesus Christus. Über den hatte nicht einmal der Tod das letzte Wort. Er schenkt uns Gemeinschaft mit Gott, die durch nichts und niemanden infrage gestellt werden kann. Das macht wirklich frei zu einem aufrechten Leben."

Haben die Rechtspopulisten vielleicht diese Zuversicht ganz einfach nicht? Kann man es so sehen? - Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so sehen kann: für mich sind Populisten noch keine Terroristen. Es sind fanatische Menschen, denen geholfen werden kann und die teils berechtigten Protest formulieren. Die Reformation war - so gesehen - eine populistische Bewegung.
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