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Politikwissenschaftler: Politik muss Einsatz von Social Bots regeln

24. November 2016

In der Diskussion um politische Manipulation durch sogenannte Social Bots hat der Politikwissenschaftler Simon Hegelich die Politik aufgefordert, ethische Regeln zu formulieren. Facebook verfüge über keinen Medien-Kodex wie die deutsche Presse, weil es kein Medienkonzern sei, sagte der Professor für Political Data Science von der Hochschule für Politik an der TU München. am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin".

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Berlin (epd). Doch nutzten immer mehr Menschen Facebook, um sich auch politisch zu informieren. "Da muss man schon jetzt aktiv werden."

Immer wieder verbreiten sich Falschmeldungen über Facebook und Twitter. Vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten kursierte zum Beispiel die Nachricht, dass Papst Franziskus den republikanischen Kandidaten Trump unterstütze. Oft stecken hinter solchen Falschmeldungen Social Bots. "Social Bots sind Fake-Accounts, die von einer Software gesteuert werden und ihre Identität verschleiern", sagte Hegelich dem Evangelischen Pressedienst (epd). Social Bots versuchten gezielt, politische Diskussionen im Internet anzuheizen oder in eine Richtung zu drängen.

Politiker schauten auf Trends

Die Auswirkungen von Social Bots auf die politische Meinungsbildung und die demokratische Öffentlichkeit ließen sich noch nicht genau abschätzen, sagte Hegelich im ZDF. Man wisse jedoch, dass Social Bots sehr aggressiv in Sozialen Netzwerken aufträten. Andere radikale Positionen fühlten sich dann aufgerufen, dagegen zu halten. Deshalb zögen sich gemäßigte Stimmen mehr und mehr zurück. "Plötzlich ist das gesamte Meinungsbild verfälscht und die Gesellschaft erscheint total polarisiert", sagte Hegelich, der in seiner Forschung Politikwissenschaften und Digitalisierung verbindet. Mit das Gefährlichste sei, dass Politiker und Journalisten auf Meinungstrends im Internet schauten und sich danach richteten. "In Wirklichkeit war das bloß ein Computerprogramm, dass dieses Thema nach oben gepusht hat."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch im Bundestag die Politik zu einer intensiveren Debatte über Regeln für den Meinungsaustausch im Internet aufgefordert. Es gebe Regelungen für alles, was Pressefreiheit ausmacht, beispielsweise die Sorgfaltspflicht der Journalisten, sagte Merkel. Viele nähmen heute aber Medien wahr, die auf ganz anderen Grundlagen basierten und weniger kontrolliert seien. Um Menschen zu erreichen und zu begeistern, müsse man mit diesen Phänomenen umgehen und "wo notwendig sie auch regeln".

Bots klar erkennbar

Hegelich sagte, 90 Prozent der Bots seien sehr primitiv. Man könne ihnen anmerken, dass keine reale Person dahinter stehe. Die Accounts hätten Profilbilder von attraktiven jungen Männern oder Frauen und likten sehr viele Beiträge auf Facebook-Seiten. Außerdem könnten die Fake Accounts nicht kommunizieren. "Wenn man versucht, die in ein Gespräch zu verwickeln, bekommt man entweder keine Antwort oder eine Unsinnsantwort." Es gebe aber bereits heute einen kleinen Prozentsatz von Bots, die so gut programmiert seien, dass man sie als normaler Internetnutzer nicht erkennen könne.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 24. November 2016, 11:05 Uhr


Beim Lesen dieses Artikels muss ich, um zu verstehen, wovon die Rede ist, ein Lexikon verwenden. Das liegt allerdings weniger an der Redaktion von UK, sondern viel mehr an dem "Professor für Political Data Science" von der TU München (!), der offensichtlich zu jenen Akademikern gehört, die glauben, wenn sie sich so ausdrücken, dass es kaum einer verstehen kann, seien sie besonders gebildet. Aber wahrscheinlich sind, wenn das "Morgenmagzin" gesendet wird, sowieso nur hochgebildete Fachleute schon wach, die sich dann gegenseitig zuhören.
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Atlantica, 24. November 2016, 19:33 Uhr


Mich erinnert die ganze Entwicklung, die wir jetzt im Bereich der Kommunikation im und Politik des Internets haben immer mehr an den Begriff newspeak, den George Orwell 1948 so prophetisch verwendet.

Ein soziales Netzwerk. Ist es wirklich sozial? Es generiert doch in erster Linie wirtschaftliche Ressourcen, es will als System überleben. Doch es eröffnen sich scheinbar neue Möglichkeiten der Kommunikation.

Die niedrigste Stufe der Kommunikation ist mit "sozialen Robotern" erreicht, Maschinen, die den Menschen das Denken und letztendlich die Existenz abnehmen. Bei allen erfreulichen Möglichkeiten, etwa YouTube, bleibt zu hoffen, dass Donald Trump nicht mithilfe von "social bots" zum mächtigsten Menschen der Welt wurde. Wobei mir das keine Angst macht; hat doch die Technik immer auch verheerende gesellschaftliche Folgen gehabt. Auch dies gilt es, in den Griff zu bekommen, oder zurück zur Natur zu gehen und darauf schlicht zu verzichten.
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