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Patientenschützer kritisieren mutmaßliche Verstöße bei Organvergabe

19. Juni 2017

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat sich empört über einen mutmaßlichen Organspende-Skandal am Universitätsklinikum Essen geäußert.

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Organspendeausweis

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Dortmund (epd). Private Akteure trieben "ihr eigenwilliges Spiel auf Kosten der Transparenz und der Patienten", erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Montag in Dortmund. Für das Vertrauen der Bevölkerung in eine gerechte Organverteilung sei es aber wichtig, dass die Regeln für alle 46 Transplantationszentren gleich seien und eingehalten würden. Die "Süddeutsche Zeitung" und die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe hatten am Freitag unter Berufung auf eine Prüfkommission über Manipulationen bei der Organvergabe am Uniklinikum Essen berichtet. Die Klinik wies die Vorwürfe zurück.

"Gröhe darf nicht länger zuschauen"

Brysch erklärte, der Fall mache deutlich, dass es mit dem bestehenden Transplantationssystem so nicht weitergehen dürfe. "Es ist Zeit, dass dafür die alleinige Verantwortung in staatliche Hände übergeht", sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sei aufgefordert, "seine Zuschauerrolle zu verlassen". Deutschland brauche jetzt ein neues Organspendesystem, "damit mehr Menschen auf der Warteliste die Chance zum Überleben haben".

In einem vorläufigen Prüfbericht ist den Zeitungen zufolge von "schwerwiegenden Rechtsverstößen" beim Lebertransplantationsprogramm der Uniklinik Essen in den Jahren 2012 bis 2015 die Rede. In mindestens 25 Fällen seien Spenderlebern regelwidrig vergeben worden. Es sei "willentlich und systematisch gegen geltendes Recht verstoßen" worden, heiße es in dem Papier der Prüf- und Überwachungskommission, die im Auftrag von Verbänden und Kammern an den deutschen Transplantationszentren die Einhaltung des Transplantationsgesetzes und die entsprechenden Richtlinien kontrolliert.

Das Klinikum widersprach den Anschuldigungen und erklärte, die Kommission habe in keinem Fall nachweisen können, dass ein Empfänger ein Organ zu Unrecht erhalten habe. In einer Stellungnahme wies die Klinik am Freitag auf "vielfältige Mängel und Fehler" in der Arbeit der Kommission und in dem vorläufigen Bericht hin. Festgestellte Mängel bei der Dokumentation von Organvergaben seien inzwischen vollständig behoben.

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