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Kruzifix in der Leipziger Thomaskirche.

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Parzany: EKD stellt Grundlagen des evangelischen Glaubens infrage

27. September 2017

"Führende Theologen und leitende Bischöfe zweifeln offen die Autorität der Bibel an", kritisiert der konservative Theologe Ulrich Parzany.

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Kruzifix in der Leipziger Thomaskirche.

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Hamburg (epd). Der konservative Theologe Ulrich Parzany hat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgeworfen, die Grundlagen des evangelischen Glaubens infrage zu stellen. "Führende Theologen und leitende Bischöfe zweifeln offen die Autorität der Bibel an", sagte der frühere Redner der Missionsbewegung "ProChrist" in einem Interview mit der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt": "Sie ist ihnen nur noch Literatur wie jede andere Literatur." Die Debatte um die Segnung und Trauung homosexueller Paare zeige, dass die Bibel für die EKD keine normative Bedeutung habe.

"Wir brauchen Alternativen für die Pfarrerausbildung"

Der langjährige Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) kritisierte außerdem die theologischen Fakultäten. "Man muss sich klarmachen, wie Lehrstühle besetzt werden. Pfarrer werden an Universitäten ausgebildet, doch die Kirche hat keinerlei Einfluss darauf, was dort gelehrt wird."

Der Pfarrer beklagte, wer den "methodischen Atheismus der historischen Bibelkritik nicht akzeptiert, kommt dort nicht rein". Es gebe viele qualifizierte, internationale Forscher, die an deutschen Fakultäten dennoch keine Chance hätten. Auch die kirchlichen Hochschulen unterschieden sich inzwischen nicht mehr von den staatlichen Fakultäten. "Wir brauchen Alternativen für die Pfarrerausbildung", forderte Parzany.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 27. September 2017, 17:58 Uhr


Und wieder denke ich bei diesem Artikel an Wilhelm Busch: "Aber hier, wie überhaupt,
kommt es anders als man glaubt."

Wenn die Kirche sich nicht mit dem Zeitgeist auseinandersetzt, werden Glaube und Bibel, wie Ulrich Parzany sie vermittelt und sehen möchte, als noch weltferner belächelt werden. Gerade in diesem Jahr überrascht und erstaunt, dass die Wahl, Luther ALLEN Menschen nahe zu bringen, in Veranstaltungen um den Glauben, viel mehr Menschen in die Kirchen zieht, als von Medien angezeigt.

Atlantica, 13. Oktober 2017, 12:41 Uhr


Alwite, der Bezug auf Willhelm Busch erscheint hoechst unpassend. Wie du wissen solltest, war Wilhelm Busch in all seiner Genialitaet Atheist: s. Bilder-Geschichten "Die fromme Helene" et al.
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Atlantica, 28. September 2017, 14:00 Uhr


Der christliche Glaube ist keine Buch-Religion! Im Zentrum des christlichen Glaubens steht Jesus Christus. Der Luther-Grundsatz sola scriptura darf nicht zu einem wörtlichen Verständnis der Bibel verleiten. Es steht zu viel auf dem Spiel, wenn Ulrich Parzany ein unreflektiertes "bedingungsloses" biblizistisches "Verständnis" zur entscheidenden Grundlage des christlichen Glaubens erklärt. Ich habe es mir abgewöhnt, anderen den richtigen Glauben abzusprechen. Um genau zu sein, das macht man gar nicht. Man darf glauben, was man will? Jedenfalls ist Glaube nicht nur Privatsache und wenn Ulrich Parzany die EKD auf sein zwanghaft biblizistisches Verständnis einschwört, so könnte ein Dialog enden.

Alwite, 13. Oktober 2017, 14:23 Uhr


"Man muss sich klarmachen, wie Lehrstühle besetzt werden. Pfarrer werden an Universitäten ausgebildet, doch die Kirche hat keinerlei Einfluss darauf, was dort gelehrt wird."

Und gerade das, glaube ich nun widerum nicht.
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Atlantica, 13. Oktober 2017, 19:53 Uhr


Die theologische Wissenschaft ist objektiv. Nimmt Kirche zu viel Einfluss, und sei es auch in allerbester Absicht, ist es mit der Objektivitaet, der sogenannten Wertfreiheit der Wissenschaft, vorbei. Dann koennen wir einpacken.
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ellybe, 20. Oktober 2017, 15:14 Uhr


"Sola sriptura" heißt für mich bis heute:
Die Kriterien für unsere christlichen Glaubens-Grundlagen und
-Grundwerte entnehmen wir „allein der Bibel“. Zu ihnen gehören Aussagen wie die, dass GOTT den Menschen "als Mann und Weib" schuf und zu ihnen sprach: "Seid fruchtbar und mehret euch". Auf diesem, laut Bibel, GÖTTLICHEN Tun und diesem WORT GOTTES, in Verbindung mit den zustimmenden Aussagen Jesu in Matthäus 19,4 und 5, fußt das bisherige evangelische Ehe- und Trauverständnis, demgemäß auch ich einmal kirchlich getraut worden bin.
Von daher liegt Ulrich Parzany mit seiner Kritik (allerdings nur im ersten Abschnitt des UK-Artikels!) in meinen Augen völlig richtig:
Hat Gott nun den Menschen so geschaffen oder nicht - und haben er und Jesus die zitierten bzw. angemerkten Worte gesprochen oder nicht?
Wenn ja, dann haben sie weiterhin zu gelten (es sei denn, sie können aus der Bibel widerlegt werden).
Wenn nicht - woher wissen das die hohen Theologen/Bischöfe der EKD und der protestantischen Landeskirchen bzw. deren Synoden?
Woher nehmen sie die Kriterien dafür, dass - sofern sie dabei bleiben, dass GOTT den/die Menschen geschaffen hat - Gott sie nicht nur als Heteros, sondern auch als Schwule und Lesben und Transgender geschaffen hat - mit der Konsequenz der "Ehe für alle"? Aus der Bibel ("sola scriptura") können sie die Kriterien dafür nicht entnehmen. Also woher - wenn nicht aus (nur zeitgebundenen) Erkenntnissen der Wissenschaft? Wenn aber aus ihnen, dann gilt nicht mehr das "sola scriptura", sondern ein neues "sola", nämlich "sola scientia" (bzw. "doctrina" oder "litterae")!
Aus den vier Grund-Säulen des protestantischen Glaubens - sola scriptura, solus christus, sola gratia, sola fide - wären damit die ersten beiden herausgebrochen und durch jene andere (als den beiden verbliebenen vorgeordnete) ersetzt - und das im 500. Jubiläumsjahr der Reformation!
Dass dies keine göttliche Entscheidung ist („und GOTT sprach“), sondern eine rein menschliche („die SYNODE hat entschieden“), ist wohl für jedermann/jedefrau ersichtlich. Was aber heißt das anderes, als dass menschliche Erkenntnis ÜBER dem steht, an was ich bisher – laut Bibel - als GÖTTLICHE Wahrheit(en) geglaubt habe?
Für mich wirft das die Frage auf, ob ich überhaupt noch irgendeiner biblischen Glaubens-Grund-Aussage voll vertrauen kann, wenn ich davon ausgehen muss, dass sie jederzeit durch ein rein menschliches „sola scientia“ ad acta gelegt werden kann?
Sollte es aber zutreffend sein, dass die Bibel „Literatur wie jede andere Literatur“ ist – warum haben jene „führende Theologen und leitenden Bischöfe“ bzw. Synoden dann nicht den Mut, dies auch offen einzugestehen, und allgemein-verständlich darzulegen, welche Rolle GOTT in dieser rein menschlichen Literatur spielt bzw. spielen darf, und worin dann die Bedeutung der Bibel für das liegt, was wir unseren christlichen Glauben nennen? Anders gefragt: Wäre ein Glaube an Jesus Christus denkbar ohne Glauben an Gott? Müsste dann nicht das „Christus“ daraus gestrichen werden? Was würde dann aus der Kirche? Fragen über Fragen.
Für mich hat Ulrich Parzany (zu dem ich sonst ein ausgesprochen distanziertes Verhältnis habe: Ich bin für eine freie theologische Forschung) zu Recht den Finger in eine offene Wunde gelegt! Und ich warte auf eine klare Antwort derer, gegenüber denen er seine Vorwürfe erhoben hat! Auch, damit die Reformation weiter geht!


Atlantica, 20. Oktober 2017, 19:12 Uhr


Ellybe, deinen Beitrag finde ich sehr lesenswert und schön geschrieben. Inhaltlich möchte ich nur unterstreichen, dass der Schöpfungs-Mythos das christliche Weltbild formt. Seit der Vertreibung aus dem Paradies leben wir in der Dialektik Paradies verloren - Paradies zurückgewonnen (Milton). Entsprechend verhält es sich mit der Erkenntnis. Zeitgebundene Wissenschaft kann genauso wenig allein gültige Erkenntnisquelle sein wie unreflektierter Glaube.

Was möchte Parzany? Wie verhielt sich Jesus ggü. Minderheiten, ja, Minderheiten, nicht Mehrheiten.

Sehr holzschnittartig möchte ich noch folgendes anmerken:

Luther ersetzte das Dogma der röm.-kath. Kirche durch das Priestertum der Gläubigen. Das war gut! - Die vier Grundsäulen haben den Charakter von etwas Absolutem und damit schaffen sie neue Probleme, zumal heute, nach Aufklärung und Relativitätstheorie. Aber dass die Bibel nur "ein Stück Literatur" sei, wird wohl kein Christ so billig vertreten.

In den USA glauben angeblich (?) über 40 Millionen Menschen an den Buchstaben der Bibel, dass Gott die Erde in sieben Tagen erschuf. Quelle: Richard Dawkins

Ich erinnere noch an Hebraeer 13, 8! Viele tun so, als ob sich das Wesen Gottes selbst verändern könne. Aber man darf die Fähigkeiten der Menschen nicht unterschätzen.
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