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Bundeswehr in Camp Castor in Gao, Mali
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Motivation und Mängel im Angesicht ständiger Gefahr

21. April 2017

Europäische Militärs sollen Malis Armee schlagkräftiger machen im Kampf gegen Terroristen. Doch es fehlt an allem. Und die Angriffe von Dschihadisten nehmen wieder zu. Erst kürzlich wurden fünf Soldaten bei Timbuktu getötet.

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Bundeswehr in Camp Castor in Gao, Mali

Bamako (epd). Die Soldaten knien im Staub zwischen verlassenen Häuserruinen, Gewehre im Anschlag. Unter den Augen eines deutschen Ausbilders üben die Malier den Ernstfall in "Ghost City", einem verlassenen Viertel der Stadt Koulikoro in Malis Westen. Der Ausbilder, ein Hauptmann, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen will, gehört zur Europäischen Ausbildungs- und Trainingsmission EUTM, an der sich die Bundeswehr mit bis zu 300 Soldaten beteiligt. Ziel ist es, die Armee des westafrikanischen Staates in die Lage zu versetzen, das Land eines Tages selbst verteidigen zu können, vor allem gegen islamistische Terrorgruppen.

Im Häuserkampf mit Terroristen

Mali steckt in einer schweren Krise seit dem Aufstand bewaffneter Tuareg-Gruppen und islamistischer Milizen 2012, die den Norden des Landes besetzten. Ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako stoppten französische Truppen 2013. Einige Monate später folgten die UN mit einer Friedensmission, die derzeit rund 12.000 Soldaten umfasst, darunter bis zu 1.000 Deutsche. Auch die EUTM wurde 2013 eingerichtet, zu der die Bundeswehr bis zu 350 Männer und Frauen entsenden kann.

Doch trotz der internationalen Anstrengungen hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten in Mali weiter verschlechtert. Die Zahl der Anschläge und der zivilen Opfer nimmt weiter zu. Erst kürzlich wurden fünf malische Soldaten in der Region Timbuktu getötet, von mutmaßlichen Dschihadisten. Und ein Konvoi der UN-Friedensmission Minusma wurde im Gebiet um Kidal angegriffen, wobei drei Menschen schwer verletzt wurden.

Weiter im Süden, in "Ghost City", 60 Kilometer der Hauptstadt Bamako entfernt, sollen die malischen Soldaten an diesem Morgen lernen, wie sie einander beim Häuserkampf decken können, wenn sie unter Beschuss geraten. Das ist keine untypische Situation in einem Krieg, in dem reguläre Armee-Einheiten gegen Terrorgruppen kämpfen.

Vor Ort sein

Der deutsche Hauptmann beobachtet den Ablauf der Übung. "Hier sieht man wieder sehr schön, dass die malische Armee selbst nicht genug Geld hat, um ihre Soldaten vernünftig auszubilden", kommentiert er nüchtern. Die "Azubis" rufen pausenlos "bam bam bam", um das Geräusch ihrer Schüsse zu simulieren. "Manöverpatronen sind hier sehr, sehr selten", sagt der Hauptmann. "Deshalb behilft man sich halt mit bam bam bam."

Der deutsche Hauptmann tut schon seit neun Monaten in Koulikoro Dienst. Und das mit großer Freude an seiner Arbeit und aus Überzeugung, wie er sagt. Es reiche nicht, immer nur Geld zu überweisen. "Man muss auch mal vor Ort gehen und selbst versuchen, die Welt zum besseren zu verändern."

Dabei sind die Grenzen der Ausbildungsmission überall spürbar. Selbst malischen Spezialeinheiten fehle es an einfachsten Kenntnissen. Kein Wunder, wo es an allem mangele, sagt er. Es gibt nicht genug Waffen, nicht genug Munition, zu wenige Fahrzeuge, nicht ausreichend Sprit - es fehlt an allem, was eine Armee im Einsatz braucht.

Korruption und Vetternwirtschaft

An der Schlagkraft der Truppe habe die EUTM bisher nicht viel geändert, sagt Denis Tull vom Pariser Institut für Strategische Forschung. "Das sind in weiten Teilen Trainingsmaßnahmen, die noch weit unter dem stehen, was zum Beispiel in der Bundeswehr als Grundausbildung verabreicht wird". Marko Schwarzbach, bis Ende November Einsatzführer des deutschen EUTM-Kontingents, sieht das anders. "Da ich 2013 schon mal hier im Einsatz war, erkenne ich definitiv Fortschritte."

Anfangs habe der Umgang mit der Waffe im Mittelpunkt gestanden, jetzt gehe es vor allem um die Weiterbildung der militärischen Führung. Auch da scheint es derzeit noch um die absoluten Grundbegriffe zu gehen. "Es ist schon öfter vorgekommen, dass ein Kommandeur in einer brenzligen Situation sein Auto wendet, seine Männer zurücklässt und wegfährt", berichtet Schwarzbach. Von da bis zu einem verantwortlichen Führungsverhalten scheint es ein langer Weg.

Konfliktforscher Tull hält aber selbst das beste Training für unzureichend, um die Schlagkraft der malischen Armee nachhaltig zu verbessern. "Dafür sind weitreichende Reformen nötig." Vor allem müssten Korruption und Vetternwirtschaft bei der Rekrutierung ausgemerzt werden. An diesen politischen Fragen könne die EUTM natürlich nicht rühren, sagt Tull. "Das muss auf politischer Ebene angesprochen werden."

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