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Bischof Ulrich: Protestanten sollten ihr Jammern beenden

10. November 2017

Verzagtheit ablegen, Profil schärfen und sich dem Dialog auch mit Kritikern stellen - so wünscht sich der oberste Repräsentant der deutschen Lutheraner die evangelische Kirche der Zukunft.

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Erzbischof Musa Panti Filibus (links) von der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria und Präsident des Lutherischen Weltbundes sowie Pfarrer Christian Samraj

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Bonn (epd). Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich, wünscht sich als Folge des 500. Reformationsjubiläums ein selbstbewussteres Auftreten evangelischer Christen. Es gehe darum, "das Jammern auf hohem Niveau" zu beenden, um zu zeigen, dass Kirche eine kreative Kraft für die gesamte Gesellschaft sein kann, sagte Ulrich am Freitag am Rande der Jahrestagung der VELKD-Generalsynode in Bonn.

Nur wenn die evangelische Kirche Verzagtheit ablege und sich mit Menschen anderer Meinung ernsthaft auseinandersetze, sei wirklicher Dialog möglich. "Aus dieser Spannung heraus wächst Identität", sagte der Landesbischof der Nordkirche mit Verweis auf Veranstaltungen im zurückliegenden Festjahr. Als Beispiel nannte er, dass die Nordkirche den streitbaren Autor Feridun Zaimoglu für ein Theaterstück über Martin Luther gewonnen habe, das eine neue Sicht auf den Reformator eröffnete habe.

In der Generalsynode der VELKD hatten Vertreter der lutherischen Kirchen zuvor von vielfältigen Kooperationen mit Vereinen und Kultureinrichtungen im zurückliegenden Festjahr berichtet. "In vielerlei Hinsicht sind wir in See gestochen", sagte Jacqueline Barraud-Volk, Vizepräsidentin der Generalsynode. Nun müssten die Erfahrungen mit neuen Formen kirchlicher Angebote an ungewöhnlichen Orten ausgewertet werden. Dann müsse entschieden werden, wie die Reise weitergeht.

Offen und einladend

Der Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der VELKD, Alexander Deeg, sagte, es brauche "neben den mit Liebe gefeierten Gottesdiensten intermediäre Veranstaltungen, die offen sind und einladend, aber nichts mit Kirchenwerbung zu tun haben". Der bayerische Synodale Jonas Straßer wies jedoch zugleich darauf hin, dass die Erkenntnis nicht ausreiche, dass Kirche auf Menschen zugehen müsse.

Bischof Ulrich äußerte sich vor Journalisten irritiert über einen "Papst-Hype" in einigen lutherischen Kirchen, der dazu führe, dass die Idee des katholischen Kirchenoberhauptes als Sprecher der gesamten Christen neu befeuert werde. "Der Mensch Franziskus kann das, aber der Papst nicht", betonte der oberste Repräsentant der deutschen Lutheraner.

Die am Donnerstag aufgenommenen Beratungen der sieben in der VELKD zusammengeschlossenen lutherischen Landeskirchen bilden den Auftakt der Jahrestagung evangelischer Kirchenparlamente in Bonn. Am Freitagnachmittag begann zudem die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Sie ist die Gemeinschaft von zwölf protestantischen Kirchen unierten, reformierten und lutherischen Bekenntnisses in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Bilanz der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum

Der Vollkonferenz-Vorsitzende Christian Schad sagte, das Jahr des Reformationsjubiläums sei ein "Motor für eine neu aufbrechende Ökumene". Ausdrücklich bezog der pfälzische Kirchenpräsident das nicht allein auf die Annäherungen mit der katholischen Kirche, sondern auch die Verbundenheit evangelischer Christen unterschiedlichen Bekenntnisses.

Am Sonntag wird in Bonn die viertägige EKD-Synodentagung eröffnet. Im Mittelpunkt der Beratungen der Kirchenparlamente stehen eine Bilanz der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum und der Blick auf Zukunftsperspektiven für die evangelische Kirche in einer säkularen Gesellschaft.

Die evangelische Kirche hatte bis Ende Oktober 500 Jahre Reformation gefeiert. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 10. November 2017, 11:27 Uhr


Das Gefühl habe ich auch. Ich denke, gerade das ökumeische Feiern hat viele Vorurteile über die Kirche an sich, die Evangelische und die Katholische Kirche entschärft.
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