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Luther-Biograf Kaufmann gegen Reformationstagsfeier mit Katholiken

26. Januar 2017

Der evangelische Theologieprofessor Thomas Kaufmann spricht sich gegen die Feier des Reformationstages am 31. Oktober gemeinsam mit der katholischen Kirche aus.

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Thomas Kaufmann

Hamburg (epd). In einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" äußert sich Thomas Kaufmann skeptisch zu den ökumenischen Planungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum 500. Jahrestag der Reformation. Wenn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm "kraft welcher autoritativen Eingebung auch immer, ankündigt, dass der Reformationstag fortan nur noch mit den Katholiken gemeinsam gefeiert werden könne, heißt das nichts anderes, als ihn aufzugeben", schreibt der Luther-Biograf, der an der Universität Göttingen lehrt.

Der EKD-Ratschef Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und ebenfalls Theologieprofessor, hat vielfach den ökumenischen Charakter des diesjährigen Reformationsjubiläums hervorgehoben. Am 11. März ist in Hildesheim ein Gottesdienst mit ihm und dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geplant, bei dem der gegenseitigen Verletzungen durch die Spaltung der Kirchen gedacht werden soll. Am 6. Februar will eine Delegation des Rates der EKD in Begleitung von Kardinal Marx in Rom Papst Franziskus besuchen. Bereits im Oktober hatte es eine ökumenische Pilgerreise vom Rat der EKD und katholischen Bischöfen ins Heilige Land gegeben.

"Der Reformationstag ist ein politisches Datum"

In seiner Kritik äußert Kaufmann die Auffassung, dass der Reformationstag ein staatlich verordneter Feiertag wie der Tag der Arbeit am 1. Mai oder der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober sei. "Der Reformationstag ist nämlich ein politisches Datum", erklärt der Kirchenhistoriker. "Es gibt ihn auf Weisung der weltlichen Obrigkeit, damals wie heute." Die politische Entscheidung, den 31. Oktober 2017 zum einmaligen gesetzlichen Feiertag zu machen, stehe "in einer bemerkenswert langen, erstaunlich ungebrochenen Tradition", die die frühabsolutistischen Fürstenstaaten, das Kaiserreich, die DDR und die deutschen Demokratien verbinde. "Keinem anderen Helden als Luther ist das gelungen. Chapeau!", schreibt Kaufmann.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal der Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche in Wittenberg. Das Datum ist der Abschluss eines Festjahres, mit dem die Protestanten das Reformationsjubiläum feiern. In allen deutschen Bundesländern wird dieser Tag einmalig ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag. In anderen Jahren ist der Reformationstag nur in den ostdeutschen Bundesländern außer Berlin gesetzlicher Feiertag.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 26. Januar 2017, 11:46 Uhr


Ich finde schon, daß es gute Gründe gibt, gemeinsam mit unseren katholischen Mitchristen zu feiern. Wir haben TROTZ der Reformation SEIT der Reformation immer noch eine gemeinsame Geschichte.
1. Luther wollte die Abspaltung nicht. Nicht er hat gespalten, sondern die kath. Kirche.
2. Der Papst und Luther haben sich gegenseitig üble Dinge angetan (Kirchenbann - "Antichrist")
3. Bei den Auseinandersetzungen, die folgten, vor allem Gegenreformation und 30jähriger Krieg, haben katholische und evangelische Menschen gleichviel erlitten.
4. Insgesamt denke ich, daß beide Kirchen und ihre Vertreter wahrscheinlich ähnlich viel Schuld auf sich geladen haben.
5. In jüngster Zeit entdecken wir die Gemeinsamkeiten wieder: Es gibt davon viel mehr als Gegensätze!

Wir geben uns ja nicht auf, wenn wir mehr Gewicht auf die Gemeinsamkeiten legen. Natürlich ist uns bewußt, daß unser Ökumeneverständnis unterschiedlich ist, und daß es einige Dinge gibt, die zumindest in der nächsten Zeit nicht verhandelbar sind. Trotzdem sollten wir eng zusammenarbeiten, schon, weil wir Christen in Europa immer weniger und in vielen Ländern der übrigen Welt schwer verfolgt werden.
Warum also nicht auch zusammen feiern?

Was die Einwände des Professors mit dem einmaligen gesetzlichen Feiertag zu tun haben sollen, erschließt sich mir nicht.

Alwite, 7. Februar 2017, 19:00 Uhr


Lieber Schallblech, danke, da gehe ich in allen Punkten mit Dir einig. Die Thesen Luthers wurden von einem großen Teil der Christen als Änderung angenommen. Spaltung war nie seine Absicht. Heldentum jedoch eben so wenig.
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Paperback, 7. Februar 2017, 13:15 Uhr


Professor Kaufmann hat Recht. Ohne die Reformation, die sich gegen die Irrwege und Irrlehren der römischen Kirche richtete, gäbe es unsere Kirche nicht.
Auch heute noch trennen uns essentielle theologische Differenzen und ich sehe keine Rechtfertigung dafür, diese einfach zu leugnen und damit die Reformation schlicht zu verraten.
In Rom dürfte man sich die Hände reiben angesichts solcher protestantischer Naivität.

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Ruckzuck, 7. Februar 2017, 13:48 Uhr


Ich stimme Schallblech vollumfänglich zu.
Gemeinsam feiern und Gemeinsamkeiten bedenken heißt nicht notwendigerweise, essentielle Differenzen zu leugnen. Im Gegenteil. Das Rezept für ein gelingendes Miteinander der Menschen ist genau das: In der Sache klar, vom Ton her auf Versöhnung setzen. Anerkennen und Aushalten der Verschiedenheit - das ist das Ziel. Rechthaberei ohne Herz führt zu Konflikt und Trennung.

Atlantica, 7. Februar 2017, 15:38 Uhr


Inhaltlich stimme ich zu. Schallblechs erster Punkt "Martin Luther wollte die Kirchenspaltung nicht" ist allerdings eine weitverbreitete Floskel, der ich mich nicht anschließen kann: rechthaberisch ist es, den schwarzen Peter hin- und herzuschieben. Die katholische Kirche hat nicht mehr oder weniger als Luther die Kirchenspaltung "verschuldet" (was ist Schuld in diesem Zusammenhang?). Sie ist lediglich ein historischer Effekt.
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