hg
Bild vergrößern
Päsidentin Christina aus der Au (links) und Generalsekretärin Ellen Ueberschär
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite

Anzeige

Lust an Dialog und Debatte

19. Mai 2017

Christina aus der Au als Präsidentin und Ellen Ueberschär als Generalsekretärin leiten den evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg. Die Theologinnen eint die Freude an der Auseinandersetzung - mit Andersdenkenden und den Fragen der Zeit.

Bild vergrößern
Päsidentin Christina aus der Au (links) und Generalsekretärin Ellen Ueberschär

Anzeige

Berlin (epd). Eine Professorin aus der Schweiz als Präsidentin und eine aus Ost-Berlin stammende Pfarrerin als Generalsekretärin stehen an der Spitze des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin und Wittenberg. Das Theologinnen-Duo Christina aus der Au und Ellen Ueberschär eint die Lust an Dialog und Debatte - gerade auch mit Andersdenkenden.

Die 51 Jahre alte Aus der Au stieß 2007 über eine Moderation beim Christentreffen in Köln zur Kirchentagsbewegung. 2013 wurde die verheiratete Mutter einer Tochter zur Präsidentin des Protestantentreffens im Jahr des 500. Reformationsjubiläums bestimmt. Die reformierte Theologin aus der Schweiz steht als Person dafür, den Blick zu weiten: Kein nationales Lutherjahr, sondern ein internationales Reformationsjubiläum soll 2017 gefeiert werden. Zwar schätze sie Martin Luther (1483-1546) sehr, aber die Reformation sei weit vielfältiger als das Werk des Mönchs aus Wittenberg, sagt Aus der Au, deren Schweizer Akzent Wärme ausstrahlt, wenn sie bedächtig, bestimmt und präzise fomuliert.

21 Kilometer auf Inline-Skates

Vielfalt zeichnet auch Aus der Aus wissenschaftliche Karriere aus: Sie studierte Theologie, Philosophie und Rhetorik, 2010 wurde sie Theologische Geschäftsführerin am Zentrum für Kirchenentwicklung an der Universität Zürich. Zudem lehrt sie als Privatdozentin an der theologischen Fakultät Basel.

Derzeit gilt jedoch ihr voller Einsatz dem Kirchentag, und so stellte sich die sportliche Präsidentin Anfang April auch mal auf Inline-Skates, um beim Berliner Halbmarathon 21 km durch die Hauptstadt zu rollen und auf diesem Weg Aufmerksamkeit auf das Christentreffen zu lenken. Im Gespräch blickt die Professorin mit dunkler Kurzhaarfrisur und Nasenpiercing durch eine schwarze Brille ihr Gegenüber konzentriert und neugierig an. Sie freue sich "auf die Veranstaltungen, in denen der Dialog am stärksten zum Ausdruck kommt", sagt sie im Vorausblick auf den Kirchentag Ende Mai. Aus der Au hat dabei nicht die Moderation des Gesprächs von Barack Obama mit Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor im Blick, sondern ein Podium, bei dem sie auf Konfessionslose treffen und mit ihnen über Grenzen der Toleranz sprechen wird.

Höhepunkt und Abschied gleichermaßen ist der Kirchentag im Jahr des Reformationsjubiläums für Ellen Ueberschär, die seit 2006 als Generalsekretärin bei den Christentreffen Regie führt. Ende Mai verantwortet die 49-Jährige den siebten Kirchentag in dieser Funktion, bevor sie zum 1. Juli in den Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung wechselt. Damit neigt sich die Waage bei der erfahrenen Netzwerkerin an der Nahtstelle zwischen Kirche und Politik in Richtung der Politik. Nachdem sie vor vier Jahren noch erfolglos für das Amt als Präses in der Evangelischen Kirche im Rheinland kandidiert hatte, wie nun die Parteistiftung der Grünen ihr neuer Arbeitgeber.

Positive Nachrichten

Die scheidende Kirchentags-Generalsekretärin ist in einer evangelischen Familie in Ost-Berlin aufgewachsen. Da DDR-Behörden ihr das Medizinstudium verwehrten, machte sie zunächst eine Ausbildung in der Datenverarbeitung. Ab 1988 studierte sie Theologie in Berlin und Heidelberg, anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg. Die Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz promovierte 2002 in kirchlicher Zeitgeschichte über Jugendarbeit in der DDR und war danach Studienleiterin für Theologie, Ethik und Recht an der Evangelischen Akademie Loccum.

"Positive Nachrichten über die Wirkung des christlichen Glaubens in der Gesellschaft zu verbreiten", sieht die verheiratete Mutter einer Tochter als Aufgabe des Kirchentags. Mit Verve hat sich die groß gewachsene, schwarzhaarige Theologin dafür in den vergangenen elf Jahren als Generalsekretärin eingesetzt - und dabei die Themen- und Angebotsvielfalt der Christentreffen gegen den Vorwurf der Beliebigkeit eines Massenevents stets verteidigt. Ihrem Amt entsprechend trat sie dafür selten in die erste Reihe, auch wenn Ueberschär, die ebenso schnell zu sprechen wie zu denken vermag, ihre Positionen gestenreich zu behaupten vermag.

0

Leser-Kommentare öffnen

Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Buchtipp

Hans Möhler (Hg.)
Wie jeder die Welt verbessern kann
Mit kleinen Schritten für die Zukunft

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen