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Koch-Show unterm Mangobaum

21. Juni 2017

Zwei von fünf Kindern in Malawi haben nicht genug zu essen. Sie wachsen nicht, sind anfällig für tödliche Krankheiten. Die deutsche Entwicklungshilfe hat sich neue Rezepte gegen Hunger zur Aufgabe gemacht - und sie fordert Unterstützung der G20.

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Kinder in Malawi essen in der Schule

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Lilongwe (epd). Eine Kartoffelblätter-Erdnuss-Suppe zur Vorspeise, gefolgt von gebratenem Soja an einer Komposition aus Süßkartoffeln, Bohnen und Tomaten, gekrönt von einem Bananen-Dessert und serviert mit einem Saft aus Hibiskusblüten: Alice Ngilatenga und ihre Freundinnen haben sich ins Zeug gelegt. Aus dem, was sich derzeit um ihr Dorf Gunda in Malawi auf dem Feld und im Wald findet, haben sie ein einfaches, aber vollwertiges Menü gezaubert. Sie sind Vorreiter bei der Suche nach einem Ausweg aus der drückenden Ernährungskrise in ihrer südostafrikanischen Heimat.

In Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt, leiden viele der rund 17 Millionen Einwohner an Mangelernährung. Besonders schlimm ist es für die Kinder, fast 40 Prozent der Kleinen sind so schlecht versorgt, dass sie nicht richtig wachsen und stark anfällig sind für Krankheiten. Unterernährung gilt als Ursache für nahezu ein Viertel aller Fälle von Kindersterblichkeit in Malawi. Trotz enormer Fortschritte in den vergangenen Jahren sterben der offiziellen Statistik zufolge immer noch 64 von 1.000 Kindern vor ihrem fünften Geburtstag. Auch deshalb steht Afrika beim G20-Gipfel erneut im Brennpunkt.

Widerstand gegen das Ungewohnte

Dass neue Wege eingeschlagen werden müssen, haben Alice Ngilatenga und ihre Nachbarn erkannt. In Dedza-Distrikt südlich der malawischen Hauptstadt Lilongwe haben sie mit Unterstützung der Deutschen Welthungerhilfe einen Dorfclub gegründet, der bessere Hygiene, Krankheitsvorsorge sowie gesunde Ernährung vorlebt und in der Gemeinschaft durchsetzen will. Der Bedarf an dem Projekt, das über die Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" des Bundesentwicklungsministeriums finanziert wird, ist offensichtlich. Aber der Widerstand gegen das Ungewohnte ist groß.

"Die Menschen verlassen sich viel zu sehr auf ihren Mais", sagt Mbumba Jana, Ernährungsexpertin der Welthungerhilfe in Malawi. "Aber selbst in guten Jahren sind die Vorräte oft schon vor der Regenzeit aufgebraucht. Außerdem fehlen andere Nährstoffe. Die Leute müssen sich vielfältiger ernähren. Zu jeder Jahreszeit gibt es etwas, das sie nutzen können." Doch dazu gehört viel Überzeugungsarbeit. Die großen Knollen der wild wachsenden lokalen Süßkartoffelart etwa haben kein hohes Ansehen. "Auch wir haben erst gelernt, dass aus ihnen eine vollwertige Mahlzeit gekocht werden kann", räumt Agnes Kwachelanje aus dem Dorfclub ein.

Klimawandel bringt Dürren

Die wichtigsten Maßnahmen für die Entwicklung Malis sind die Ernährung sichern, die Schulbildung fördern, das Gesundheitswesen verbessern - damit das Land den Anschluss nicht verliert. Und damit es auf absehbare Zeit auch wie Nachbarn auf dem Kontinent in der Liga spielen kann, in der private Investitionen die Wirtschaft ankurbeln, wie dies auf der G20-Agenda angestrebt wird. Noch hinkt Malawi hinterher, obwohl es nicht wie etwa Somalia oder der Südsudan von Krieg und Gewalt erschüttert wird.

Rückschläge versetzt jedoch der Klimawandel. Immer wieder leidet Malawi unter Dürre oder Überschwemmungen. In Gwengwe am Malawi-See steht Dorfvorsteher Millias Robert hilflos auf verödeten Feldern. Der Fluss Lifidzi hat die Maisfelder überflutet und den Boden mit einer dicken Sandschicht bedeckt. Zudem hat er sich einen neuen Lauf gesucht, und damit den auf ihn angewiesenen Reis zum Austrocknen verurteilt. "In diesem Jahr haben wir alle Hoffnung auf eine Ernte verloren", sagt Robert und zeigt auf die ausgedörrten Halme. "So schlimm war es seit 30 Jahren nicht mehr."

Mais ist anfällig für Wetterextreme

Die vorherrschende Abhängigkeit von Mais muss nach Ansicht von Ernährungsfachleuten endlich gebrochen werden. Die Pflanzen sind anfällig für Wetterextreme und Schädlinge, sie brauchen viel Wasser, viele Nährstoffe. Auf den ausgelaugten Böden gehen die Erträge immer mehr zurück. Deshalb müssten Alternativen angeboten und gefördert werden, betont Renata Krzywon-Schramm von der Welthungerhilfe. "Wir versuchen etwa, lokale vergessene Sorten wieder in Trend zu bringen." Dazu gehören Hirse oder Amaranth, das Power-Korn der Fuchsschwanz-Pflanze.

Krzywon-Schramm und ihr Team setzen auf Unterstützung von Dorfoberen und von Dorfclubs wie dem von Alice Ngilatenga. Und auf Anreize: Ein Kochwettbewerb muss her. In den kommenden Monaten sollen die besten Ideen angerichtet und schmackhaft gemacht werden. Dazu treten die Köchinnen und auch ein paar männliche Mitstreiter der Clubs vor Publikum gegeneinander an. Das Ziel: Rezepte gegen den Hunger, für die Entwicklung.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 22. Juni 2017, 10:36 Uhr


Eine sehr gute Idee! Eigentlich müßte man hier sowas auch machen. Es gibt Menschen, die sich ausschließlich von Fertigmahlzeiten ernähren und garnicht wissen, was man mit einem Kohlkopf oder einer Tüte Erbsen machen kann.

"Eine Kartoffelblätter-Erdnuss-Suppe zur Vorspeise..." Ich hoffe doch sehr, daß es sich dabei um die Blätter der Süßkartoffel handelt! Die sind eßbar und werden in Afrika wie Spinat verwendet. Die Blätter der "richtigen" Kartoffel sind wie alle anderen oberirdischen Teile giftig.

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