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Kirchentag im Dialog mit Obama, Atheisten und der AfD

21. April 2017

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au verteidigt den geplanten Auftritt des früheren US-Präsidenten Obama mit Bundeskanzlerin Merkel gegen die Kritik, damit Wahlkampfhilfe für die CDU-Vorsitzende zu leisten.

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Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au

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Frankfurt a. M. (epd). Der evangelische Kirchentag diskutiert in diesem Jahr nicht nur mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kirche, sondern sucht auch mit Rechtspopulisten und Atheisten das Gespräch. "Ich persönlich freue mich auf die Veranstaltungen, in denen der Dialog am stärksten zum Ausdruck kommt", sagte Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au dem Evangelischen Pressedienst (epd). "So wollen wir mit Atheisten über die Grenzen der offenen Gesellschaft reden und über die Grenzen der Toleranz", sagte die 51 Jahre alte Schweizer Theologin.

Aus der Au verteidigte den geplanten Auftritt des früheren US-Präsidenten Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin gegen die Kritik, damit Wahlkampfhilfe für die CDU-Vorsitzende zu leisten. "Es geht nicht um parteipolitische Etikettierungen", sagte Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. Beabsichtigt sei eine Debatte "mit meinungsbildenden Persönlichkeiten" über die Verantwortung von Christen für die Welt.

Mit den Menschen reden

Bei der Veranstaltung am Himmelfahrtstag würden Obama und Merkel auch kritische Fragen gestellt, sagte Aus der Au, die das Gespräch vor dem Brandenburger Tor gemeinsam mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, moderiert. "Wir engagieren uns, und wir wollen zum Besseren verändern", sagte die Schweizer Theologin. Das gründe in christlicher Glaubensüberzeugung und sei kein Wahlkampf.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet ab dem 24. Mai in Berlin statt. Er steht in diesem Jahr im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Der Überlieferung nach hatte Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt. Die Thesenveröffentlichung gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Grundsätzlich sollen keine Parteien beim Kirchentag ausgeschlossen werden, unterstrich Aus der Au mit Blick auf die Einladung einer Vertreterin der "Christen in der AfD". "Wir wollen nicht über, sondern mit den Menschen reden", sagte die Hochschullehrerin. Sie selbst trete menschenverachtenden Aussagen der AfD klar entgegen. "Aber es ist ja auch so, dass mitten in unseren Gemeinden Christinnen und Christen rechtspopulistischen Überzeugungen zuneigen", gab die Theologin zu bedenken. Ängste um Besitz und um die bisherigen Zustände müssten ernst genommen werden. Das sei "etwas anderes als die Angst zu instrumentalisieren und Hass und Ressentiments zu schüren, so wie es die AfD tut. Das ist mit christlichen Werten nicht vereinbar."

Gepäckkontrollen am Eingang

Für den 28. Mai rechnet die Kirchentagspräsidentin mit rund 200.000 Teilnehmern beim abschließenden Festgottesdienst in Wittenberg. "Es ist der Schlussgottesdienst des Kirchentages, aber zugleich der Festgottesdienst des Reformationssommers im 500. Jubiläumsjahr", sagte Christina Aus der Au. In der Lutherstadt werden sowohl die Teilnehmer des Berliner Kirchentags als auch die Besucher von sechs regionalen "Kirchentagen auf dem Weg" in Mitteldeutschland erwartet.

Nach dem Terroranschlag im Dezember in Berlin wird das Thema Sicherheit eine stärkere Rolle spielen als noch zwei Jahre zuvor beim Kirchentag in Stuttgart. Es werde zum Beispiel Gepäckkontrollen geben, sagte Aus der Au: "Aber auf der anderen Seite wollen wir Kirchentag bleiben mit der Offenheit, Spontaneität und Fröhlichkeit, die uns auszeichnet."

Ein großes Thema wird für den Kirchentag die Aufnahme und Integration der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge sein, aber auch das Gedenken an die auf der Flucht umgekommenen Menschen. "Am Freitag des Kirchentags um zwölf Uhr machen wir eine Schweigeminute", kündigte die Kirchentagspräsidentin an: "Wir wollen in dieser Minute nicht wohlfeile Lösungen anbieten oder Parolen vortragen, sondern einmal alles Reden unterbrechen. Und dieser Toten gedenken und trauern."

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 24. April 2017, 10:05 Uhr


Ich lese:

"Grundsätzlich sollen keine Parteien beim Kirchentag ausgeschlossen werden, unterstrich Aus der Au mit Blick auf die Einladung einer Vertreterin der "Christen in der AfD". "Wir wollen nicht über, sondern mit den Menschen reden", sagte die Hochschullehrerin. Sie selbst trete menschenverachtenden Aussagen der AfD klar entgegen. "Aber es ist ja auch so, dass mitten in unseren Gemeinden Christinnen und Christen rechtspopulistischen Überzeugungen zuneigen", gab die Theologin zu bedenken. Ängste um Besitz und um die bisherigen Zustände müssten ernst genommen werden. Das sei "etwas anderes als die Angst zu instrumentalisieren und Hass und Ressentiments zu schüren, so wie es die AfD tut. Das ist mit christlichen Werten nicht vereinbar."

Es gibt dazu inzwischen deutliche Hinweise, dass viele AFD-Anhänger enttäuschte Kirchenmitglieder sind. Somit richtet sich das Votum für diese neue Partei nicht zuletzt auch gegen die Kirchen, von denen sich viele Menschen in ihren Anliegen nicht mehr wahrgenommen fühlen.

Das sollte man in unserer Kirche endlich mal wahrnehmen, anstatt mit theologischem Hochmut, mangelnder sozialer Empathie auf Menschen einzudreschen, die nach dem Gehör suchen, das sie in unseren Kirchen offenbar nicht mehr finden.

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Atlantica, 24. April 2017, 11:05 Uhr


Vielleicht bewahrheitet sich auf dem Kirchentag doch das, was der Sozialphilosoph Jürgen Habermas Ende der 60er als Konsens-Suche im Rahmen einer "idealen Sprechsituation" bezeichnete. Die große Zeit der Kirchentage muss nicht vorbei sein, auch wenn Theologie heute immer ein bisschen anachronistisch erscheint.

Dialog, ja. Offenbar gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen darüber, was christlich sei. Was die einen als unbedingt nötig empfinden, die Selbst-Behauptung einer allumfassenden christlichen Identität, erscheint den anderen als mangelnde Toleranz und Respekt gegenüber anderen Auffassungen. Und sicher gibt es noch andere Trennungs-Merkmale von rechts und links, die man mühsam herausarbeiten könnte. Aber mir scheint die Trennung in "links" und "rechts" ihrerseits anachronistische Züge aufzuweisen: wer sich auf die Bibel beruft, muss zwangsläufig "Rechts" sein. Wer "fortschrittlich" und "bibelkritisch" daherkommt, gilt nicht mehr als "auf dem Boden des christlichen Abendlandes" (im Sinne einer sogenannten Leitkultur?) stehend.

Fragen über Fragen - Dialog tut not!
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Paperback, 24. April 2017, 11:24 Uhr


In der Tat, Atlantica. Und, ich scheue mich nicht, einzugestehen, dass ich die in letzter Zeit so beklagte "Elitenschelte" teile.
Ja, unsere Eliten, die allzu eng miteinander kungeln, sich gegenseitig die Bälle zuwerfen und sich offenbar einig scheinen, sich das Heft des Handelns nicht aus den Händen nehmen zu lassen, sollten endlich wahrnehmen, dass sich Menschen nicht mehr alles gefallen lassen.
Die gestanzten Parolen von Industrie-Bossen, von Gewerkschafts- und Politikfunktionären ebenso wie viele salbungsvoll bedienten -Worthülsen der Bischöfe und Kirchenpräsidenten werden der Wirklichkeit der Menschen nicht mehr gerecht.
Das muss mal oben ankommen.
Damit niemand ins Grübeln kommt: Ich wähle links.

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Atlantica, 24. April 2017, 11:57 Uhr


"Ich wähle links". Überlege es dir bitte noch einmal, Paperback. Die linken Populisten sind nicht ungefährlich.
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Atlantica, 26. April 2017, 8:51 Uhr


Paperback, ich finde, dass sich Teile der AfD auf den christlichen Glauben berufen, macht sie nicht zu guten Christen. Und reiner Protest verheißt ebenso nichts Gutes. Dass allerdings die Menschen Sehnsucht nach Geborgenheit und Gemeinschaft haben, stimmt. Und das muss man ernst nehmen.

Worüber wollen wir diskutieren? Politik oder Glaube? Für mich ist die Frage nach der Bibel noch unbeantwortet. Denn viele evangelikale Gruppen berufen sich auf die Bibel. An evangelikalen Schulen wird gelehrt, dass eine Evolution nicht stattgefunden hat. Vor ein paar Jahren wurde viel über den Kreationismus gesprochen. Ich kann der Idee einiges abgewinnen, dass Gott eine höhere Intelligenz ist, die Galaxien, Planeten-Syteme, DNA und Meere geschaffen hat. Die Ordnung und Schönheit der Natur sind in zufälliger und doch gesteuerter Selektion entstanden und werden fortwährend erschaffen: Gott in der Schöpfung.

Es ist nicht so, dass der moderne Mensch nicht nach Gott fragte. Aber die Medien stellen Gerechtigkeits- und Emanzipationsfragen in den Vordergrund. Die Schöpfungsordnung Mann - Frau - Kinder wird vernachlässigt. Der Blick für\'s Ganze sollte nicht verloren gehen!
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