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Käßmann: Reformationsjubiläum wird in Geschichte eingehen

6. September 2017

Die Kritik am Reformationsjubiläum reißt nicht ab: zu wenig Besucher, Überangebot an Veranstaltungen und falsche Ortswahl. Prominente Protestanten wie Margot Käßmann und Wolfgang Huber halten dagegen: Selten sei Kirche so präsent gewesen.

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Frankfurt a.M. (epd). Die früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann und Wolfgang Huber, weisen Kritik an den Feiern zum 500. Reformationsjubiläum zurück. "Dieses Jubiläum wird in die Geschichte eingehen, als wirklich ökumenisch und weltoffen", sagte die EKD-Reformationsbotschafterin Käßmann der Zeit-Beilage "Christ und Welt". Es sei ein "echtes Beteiligungsjubiläum" mit vielen tausend Veranstaltungen in ganz Deutschland und weltweit. Huber bezeichnete den vor zehn Jahren begonnenen Veranstaltungsmarathon zum Reformationsjubiläum trotz einiger Schwächen als gelungen.

"Fanal einer grandiosen Selbsttäuschung"

Zuletzt hatten die prominenten Theologen Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff eine kritische Vorabbilanz des Gedenkjahres gezogen. Auf dem Weg zum 31. Oktober 2017 sei es versäumt worden, die "Krise der Kirche in der säkularen Gesellschaft offen anzusprechen" und neue Visionen zu entwickeln, heißt es in ihrem Memorandum "Reformation in der Krise - Wider die Selbsttäuschung". Vor allem die schlecht besuchten "Kirchentage auf dem Weg" Ende Mai seien "zum Fanal einer grandiosen Selbsttäuschung" geworden, kritisierten der langjährige Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Wolff und Schorlemmer, der als ehemaliger Leiter der Evangelischen Akademie in Wittenberg und Ex-DDR-Bürgerrechtler in das Jubiläumsprogramm in der Lutherstadt eingebunden war.

Huber erklärte, "gewiss wäre es erfreulich gewesen, es wären noch mehr gekommen". Die Erwartungen an das Jubiläumsjahr 2017 seien unnötig hochgeschraubt worden. Die Entscheidung, das eigentliche Jubiläum in zehn, noch während seiner Amtszeit eingeleiteten Themenjahren vorzubereiten, verteidigte der Altbischof. "Zum ersten Mal hat die evangelische Kirche sich selbst und anderen gezeigt, dass sie überhaupt dazu imstande ist, Themen zu setzen und über lange Zeit durchzuhalten", sagte er am Dienstagabend bei den "Ebernburger Tischgesprächen" auf der Ebernburg im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach.

Käßmann hält speziell die Kritik an der Weltausstellung zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg für ungerechtfertigt. "Klar: Am Anfang war es nicht so gut besucht, wie wir es uns erhofft hatten", sagte sie "Christ und Welt" laut Vorabbericht vom Mittwoch. Ende August sei in der Stadt jedoch kein Hotelzimmer mehr zu bekommen gewesen. "Und wer die Weltausstellung erlebt hat, ist begeistert", fügte die Theologin hinzu. Es sei zum Beispiel "wunderbar", dass 300.000 Menschen das 360-Grad-Panorama "Luther 1517" des Künstlers Yadegar Asisi gesehen hätten, das seit dem Oktober 2016 geöffnet ist.

Ausgangspunkt der Reformation

Falls der Reformationssommer mit einem finanziellen Defizit enden sollte, kündigte Käßmann an, werde das mit den Landeskirchen besprochen. "Eine genaue Auswertung habe ich noch nicht", sagte sie. "Aber wenn die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum nicht genutzt hätte, wäre ihr das als ein Riesenfehler vorgeworden worden", betonte die Theologin.

Die evangelische Kirche feiert noch bis Ende Oktober 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 7. September 2017, 12:13 Uhr


Fast täglich ist die 500 Jahrfeier Luthers im Alltag allgemein Thema. Kann man mehr erreichen? Da ich mehrere male (meine Tochter wohnt nicht weit davon in Hessen) an den Stätten der Einnerung um Luther, deren Kultur mich jedes mal anders überraschte und tief berührte, verweilte, kann ich nur bestätigen, dort immer internationales Puplikum, dass sich intensiv mit der Geschichte Luthers beschäftigte, anzutreffen war.
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Atlantica, 7. September 2017, 13:58 Uhr


Die Kritik der Theologen Wolff und Schorlemmer bezieht sich womöglich gar nicht auf die sehr gelungene Ausstellung in Wittenberg. Wenn ein paar Leute den Ort kritisieren, so wird das ein sehr unwichtiger Grund sein.

Der Aspekt der Selbsttäuschung bestätigt meine Kritik. Die Dinge liegen denkbar einfach.


Wir brauchen eine Art neue Reformation, die den Leuten die Aktualität des christlichen Glaubens vor Augen führt.

Der Prozess des Erinnerns ist nun bald abgeschlossen. Die Menschen werden dieses Jubiläum dann nicht vergessen, wenn es, wie Schorlemmer und Wolff fordern, eine Vision für die Menschen in der säkularen Gesellschaft liefert. Ansonsten müsste es rein dokumentarischen, letztlich museal-konservierenden, Charakter haben. Ich warte auf eine Vision.
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ellybe, 10. September 2017, 17:25 Uhr


Ich stimme unserer Reformations-Expertin voll zu, vor allem, weil sie nicht den schrecklichen, rein rückwärts gewandten Fehler begangen hat, die vier Säulen der Reformation nach Martin Luther - sola scriptura - solus christus - sola gratia - sola fide - den Menschen von heute allgemein-verständlich zu erklären, und zwar in Abgrenzung zu den (immer noch gültigen) Lehren der römisch-katholischen Kirche. So hoch muss man die Erwartungen an ein solches Jubiläum wirklich nicht schrauben. Wieviel besser ist es doch, eine provokant-kritische Herausforderung und Diskussion über die reformatorischen Erkenntnisse und ihre Bedeutung für uns zu vermeiden und sich statt dessen, mit Healing Memories, einfach ökumenisch in die Arme zu fallen! Nur weiter so, EKD!

Atlantica, 10. September 2017, 20:35 Uhr


Das war eine Satire. Ich habe Margot Käßmann kurz im Interview im Radio gehört und hatte den Eindruck, dass sie unsere Diskussion hier gar nicht zur Kenntnis genommen hat.
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Atlantica, 11. September 2017, 9:35 Uhr


Wenn man durch die Ausstellung in Wittenberg geht, trifft man auch auf die Bilder vom 400-Jahr-Jubiläum 1917. Mit welchem Pathos hat man damals unseren Reformator Martin Luther geehrt! Kaiser Wilhelm mit Reiterscharen, grandiose Umzüge!
Die heutige Zeit ist daran gemessen nüchterner. Und doch: was heute fehlt, ist die Begeisterung! Dass Martin Luther am Ende seines Lebens erkrankte und ungeheure Fehlleistungen vollbrachte - Stichwort Juden - darf nicht hinwegtäuschen darüber, dass er die Freiheit des Gewissens, die Person erfunden hat. Das gab es so vorher nicht.
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Atlantica, 11. September 2017, 9:35 Uhr


Wenn man durch die Ausstellung in Wittenberg geht, trifft man auch auf die Bilder vom 400-Jahr-Jubiläum 1917. Mit welchem Pathos hat man damals unseren Reformator Martin Luther geehrt! Kaiser Wilhelm mit Reiterscharen, grandiose Umzüge!
Die heutige Zeit ist daran gemessen nüchterner. Und doch: was heute fehlt, ist die Begeisterung! Dass Martin Luther am Ende seines Lebens erkrankte und ungeheure Fehlleistungen vollbrachte - Stichwort Juden - darf nicht hinwegtäuschen darüber, dass er die Freiheit des Gewissens, die Person erfunden hat. Das gab es so vorher nicht.
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