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Jugend ohne Zeit

1. Februar 2017

Die Bundesregierung fordert mehr Freiräume und Bildung für Jugendliche. Der Kinder- und Jugendbericht zieht eine nachdenkliche Bilanz der Bildungsreformen der vergangenen Jahre.

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Berlin (epd). Abi mit 18, Bachelor drei Jahre später: Der Übergang zum Berufs- und Erwachsenenleben ist für viele Jugendliche heute eng getaktet. Jede Entscheidung könnte eine wichtige Weiche sein. Was fehlt, ist Freiraum zum Ausprobieren - offenbar auch zum Mitmischen: Immer weniger junge Menschen engagieren sich in Parteien und gehen überhaupt wählen. Dies geht aus dem am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedeten 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung hervor. Das 570 Seiten starke Dokument, erstellt vom Deutschen Jugendinstitut, zieht eine nachdenkliche Bilanz der Bildungsreformen der vergangenen Jahre. Die Autoren fordern mehr Gelegenheit zur Orientierung für Jugendliche.

Drei Punkte hob der Direktor des Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach, hervor. Erstens forderte er mehr Ganztagsschulangebote für ältere Schüler. Derzeit sei die Ganztagsschule vor allem ein "Betreuungsprojekt für Kinder", sagte er. Es müssten attraktive Angebote für Jugendliche entwickelt werden. Zweitens plädierte er für mehr politische Bildung und Teilhabe von Jugendlichen. Gerade angesichts des erstarkenden Populismus brauche man eine Stärkung der politischen Bildung. Es sei versäumt worden, demokratische Bildung in den Mittelpunkt zu rücken und nicht nur zum Thema "für ein paar Stunden Schulunterricht" zu machen.

Mehr Zeit und Freiräume nötig

Zur Diskussion zum Wahlrecht mit 16 Jahren sagte Rauschenberg, der Bericht sage "in der Tendenz ja" dazu. Es gehe aber nicht nur ums Kreuzchen beim Wählen, sondern um die Entwicklung eines politischen Interesses und das Erleben von Demokratie. Drittens forderte Rauschenberg, Unterstützungsleistungen für Jugendliche nicht abrupt mit dem 18. Geburtstag enden zu lassen. Die Jugend sei mit diesem Alter heute nicht abgeschlossen, sie ziehe sich immer stärker ins dritte Lebensjahrzehnt. Als Beispiel nannte er Jugendliche, die in Heimen aufwachsen. Eltern schickten ihre Kinder dann auch nicht einfach vor die Tür, sagte Rauschenbach.

Der Kinder- und Jugendbericht wird einmal pro Legislaturperiode erstellt und soll der Bundesregierung Ansätze für politische Maßnahmen liefern. Der diesjährige Bericht rückt die jungen Leute zwischen 12 und 27 Jahren in den Mittelpunkt. Rauschenberg sagte, insbesondere die Jugend sei seit den 80er Jahren vernachlässigt worden. Lange sei es vor allem um Kinder und deren Betreuung gegangen. Der Blick müsse sich wieder weiten.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Caren Marks (SPD), sagte, sie teile die Einschätzung der Verfasser des Berichts, dass die Jugend mehr Zeit und Freiräume benötige. Sie dürften nicht den Eindruck einer "Verzweckung ihres Lebens" bekommen, sagte sie mit Blick auf die beschleunigten Bildungswege. Es gehe im Leben nicht nur darum, in der Arbeits- und Berufswelt zu funktionieren, sondern darum, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 1. Februar 2017, 14:42 Uhr


Die Kinder und Jugendlichen haben heute einen anstrengenden Beruf, genannt "Schüler", bei dem von 35-Stunden-Woche keine Rede sein kann. Ja, manche machen schon mit 17 Abitur - aber dann? für viele Ausbildungen muß man volljährig sein. Sie müssen also die Zeit, die ihrer Kindheit abgeschnitten wurde, jetzt irgendwie möglichst sinnvoll ausfüllen.
Sport? Musik? Hobby? Nein, wenn die gegen 17.00 Uhr nach Hause kommen und dann oft genug noch für Klausuren lernen oder Hausaufgaben machen müssen, bleibt für solche "Nebensächlichkeiten" weder Zeit noch Kraft.
Sportvereine, Musikgruppen, alle, die sich um Jugendarbeit kümmern (wollen), spüren die Auswirkungen. Nachwuchsarbeit wird immer schwieriger. Auf der Strecke bleiben unbeschwerte Kindheit und Jugend.
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