hg

Islamwissenschaftlerin Kaddor lässt sich von Schuldienst beurlauben

29. September 2016

Die Autorin und Religionspädagogin Lamya Kaddor hat sich nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen vom Schuldienst beurlauben lassen. Seit dem Erscheinen ihres Buches über die Integration von Flüchtlingen vor zwei Wochen habe sie Morddrohungen erhalten, sagte die 38-Jährige am Donnerstag dem Deutschlandfunk.

Bild vergrößern
Lamya Kaddor

Anzeige

Köln (epd). Kaddor kritisierte die Sicherheitsbehörden. Drohungen von Rechten würden oft mit dem Verweis auf Meinungsfreiheit heruntergespielt, sagte sie dem Kölner Sender. Auf ihrer Facebook-Seite erklärte Kaddor: "Ich musste mich aus Sicherheitserwägungen vom Schuldienst beurlauben lassen, da das, was da grad gegen meine Person lanciert wird, nicht mehr berechenbar ist - und das nur, weil ich es gewagt habe, einen Blick in Sachen Integration auf die Mehrheitsbevölkerung zu richten."

Nicht mehr diskutieren mit Radikalen

Sie wolle sich aber nicht aus der Diskussion herausziehen und "auch nicht die Klappe halten", fügte Kaddor in dem sozialen Netzwerk hinzu: "Aber es ist an der Zeit, gegen diese Stimmung im Land den Mund aufzumachen! Und auch die geistigen Brandstifter unter unseren 'Intellektuellen' in die Verantwortung für solche Entwicklungen zu nehmen!"

In ihrem neuen Buch ruft Kaddor die gesellschaftliche Mitte dazu auf, mit "überzeugten Radikalen" nicht zu mehr diskutieren. "Die Zerreißprobe. Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht" der Islamwissenschaftlerin, Mitbegründerin des Liberal-Islamischen Bunds und Lehrerin an einer Hauptschule in Dinslaken ist seit Mitte September auf dem Markt. "Manche tun so, als wollten sie diskutieren, Fragen stellen, aber eigentlich wollen nur ihren Hass oder ihre Unzufriedenheit auf mich projizieren. Das gilt für Rechtsradikale ebenso wie für Salafisten", sagte Kaddor jüngst dem Evangelischen Pressedienst (epd).

7

Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 29. September 2016, 13:00 Uhr


Es ist bekannt, daß unsere Behörden auf dem rechten Auge blind und auf dem rechten Ohr taub sind, immer noch, trotz NSU und Nazirandale. Da sie jetzt auch von (bisher) demokratischen Parteien wie der CSU unterstützt werden, wird das auch nicht besser werden.

Atlantica, 29. September 2016, 13:30 Uhr


Schallblech, was gibt dir die Sicherheit, die Sache so zu sehen? ACAB? Wohl kaum! Auch ich changiere zuweilen zwischen Law & Order Denken und kritischem Bewusstsein. Aber dass die Behörden und Justiz auf dem rechten Auge blind sind, da bin ich eher der Meinung, man hat gegen Rechtsextreme solange keine rechtliche Handhabe, wie sie nicht gewalttätig auftreten. Deswegen ist auch die Entscheidung der Maryam Kaddor richtig, nicht mit Radikalen zu diskutieren. Das sind traurige Zeiten.

Atlantica, 29. September 2016, 13:30 Uhr


Schallblech, was gibt dir die Sicherheit, die Sache so zu sehen? ACAB? Wohl kaum! Auch ich changiere zuweilen zwischen Law & Order Denken und kritischem Bewusstsein. Aber dass die Behörden und Justiz auf dem rechten Auge blind sind, da bin ich eher der Meinung, man hat gegen Rechtsextreme solange keine rechtliche Handhabe, wie sie nicht gewalttätig auftreten. Deswegen ist auch die Entscheidung der Maryam Kaddor richtig, nicht mit Radikalen zu diskutieren. Das sind traurige Zeiten.

Schallblech, 29. September 2016, 14:23 Uhr


Und was ist mit der NSU? war das nicht genug Gewalt? Man hat einfach in die andere Richtung geguckt! Ich habe bisher nicht bemerkt, daß das besser geworden ist.
Einer der schlimmsten Hetzer war bis vor kurzem Seehofer - im Moment ist er ja endlich etwas ruhiger, aber wer weiß, was er noch alles plant, um die Regierung zu torpedieren.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Atlantica, 29. September 2016, 13:03 Uhr


Ach du sch...

Warum sind die Menschen so böse?

Matthäus53, 30. September 2016, 17:39 Uhr


Oh welch düstere braun - national verseuchte Zeit. Wenn ich den Bericht lese oder die Nachrichten höre, wie z. B. Bürgermeister niedergeschlagen, Brandanschlag, Haßparolen, Gruppe hetzt gegen Flüchtlinge, Lesung oder Buchvorstellung , Ausstellung wegen Hass und Brandanschläen abgesagt oder nur unter Polizeischutz usw. , kann uns nachdenklich stimmen , ob wir einen zeitlichen Rückwärtssprung in die 30er Jahre gemacht haben ? Aber nein, ich bin hellwach und es ist blanke hässliche Realität , daß allein durch die Flüchtlingskrise die freie deutsche demokratisch und christlich geprägte Gesellschaft, so in Richtung bösem verändert hat. ich gehe davon aus daß in den Mt.- Versen (24/ 6-14 ) doch viel Wahrheit steckt !
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Paperback, 3. Oktober 2016, 14:58 Uhr


Diese Vorgänge machen betroffen. Gleichzeitig aber belegen sie auch eine Erfahrung, die auch wohlmeinende Menschen bei so heftig diskutierten Themen immer wieder in sich selbst erleben.
Irgendwann ist es einfach zu viel. Man kann es im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr hören und auch nicht mehr lesen.
Ich wies schon vor einiger Zeit darauf hin, dass ich mir gewünscht hätte, wären auch andere Probleme, gesellschaftliche Missstände in ähnlicher Heftigkeit diskutiert worden wie zur Zeit die Migranten-Thematik.
Dabei ist mir nicht entgangen, dass die Reaktionen überwiegend aus Schweigen bestanden. Da bin ich sicher auch Opfer der Parole "D`ont feed the trolls" geworden.
Auch auf meine wiederholten Hinweise auf Reaktionen der polnischen Regierung und ihrem Verhalten besonders auch auf dem Hintergrund der so hochgepriesenen Ökumene herrschte hier in unser aller Forum Schweigen.
Ich habe mich Jahrzehnte lang für junge Migranten engagiert, mit vielen von ihnen bin ich heute noch freundschaftlich verbunden.
Sie nahmen es mir übrigens auch nicht übel, als in meinem damaligen beruflichen Umfeld bekannt wurde, dass ich mich den Männern zugewandt hatte.
In der hiesigen Unterstützer-Gruppe für Migranten war das mein Knock-Out und sie ließen mich wissen, "manchmal passten Dinge eben nicht zusammen:"
Man hält die Fahne der Integration hoch, und man grenzt selbst aus.
Ich habe mich gegenüber jungen Menschen immer taktvoll und mit Respekt verhalten.
Die besagte Kollegin postete vor einiger Zeit auf Facebook, worauf ich ihr als Kollege zu Kollegin ein langes und von Empathie getragenes Posting zukommen ließ.
Ich erhielt keine Reaktion. Aber wir begegneten uns ja auch nicht in einem Fernseh-Studio.
Vielleicht versteht jemand, was ich meine. Ja, es ist überaus bedauerlich, was da um Frau Kaddor geschieht. Sie ist dennoch nicht alleine Opfer. Da gibt es viele.
Und wieder: Die Einen finden Gehör und geraten damit in die Schlagzeilen, und die Anderen werden überhört und untergepflügt, weil es dann eben nicht mehr passt.

Paperback
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Buchtipp
Buchtipp

Matthias Hoof
Mose lebt in Bielefeld
Bibelgeschichten heute

zur Detailseite
Buchtipp

Matthias Hoof
Mose lebt in Bielefeld
Bibelgeschichten heute

zur Detailseite
Per E-Mail empfehlen