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Höchststand bei Krankheitstagen wegen psychischer Leiden

27. Januar 2017

Noch nie gab es so viele Ausfalltage im Job wegen psychischer Erkrankungen. Das zeigen die Krankenstandsdaten der DAK-Gesundheit für das Jahr 2016.

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Hamburg (epd). Danach hat sich die Zahl der Fehltage wegen Seelenleiden in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Vor allem Frauen waren betroffen. Wegen keiner anderen Krankheitsgruppe fehlten sie im vergangenen Jahr so lange am Arbeitsplatz, wie die drittgrößte Krankenkasse in Hamburg mitteilte.

Mit rund 246 Fehltagen je 100 Versicherte erreichten den Angaben zufolge psychische Erkrankungen 2016 einen Höchststand. Vor 20 Jahren lag die Zahl der Fehltage bei 77 Tagen. Insgesamt meldeten sich Deutschlands Arbeitnehmer laut DAK allerdings seltener krank. Der Gesamtkrankenstand sank von 4,1 auf 3,9 Prozent.

Psychische Erkrankungen hatten 2016 einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtkrankenstand - ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ging die Zahl der Betroffenen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück. Das heißt: Es fehlten zwar weniger Menschen aufgrund von psychischen Erkrankungen im Job, die einzelnen Krankheitsfälle dauerten aber länger an, erklärte die Krankenkasse. Im Schnitt waren es 38 Tage (2015: 35 Tage).

Krankenstand im Osten höher

Die meisten Fehltage entfielen auf Depressionen mit 114,4 je 100 Versicherte. Burn-out stagnierte bei 4,3 Tagen. Die Diagnose hatte 2010 mit 10,2 Tagen je 100 Versicherte ihren Höchststand und wurde seither deutlich weniger festgestellt.

Beim Blick auf die Geschlechter wird deutlich: Bei Frauen wurden rund 60 Prozent mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen diagnostiziert als bei Männern (311 zu 191 Ausfalltage je 100 Versicherte). Damit kamen bei Frauen seelische Leiden erstmals auf Platz eins, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 308 Fehltagen. Bei Männern lagen weiter Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 329 Fehltagen je 100 Versicherte an der Spitze, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Bundesvergleich zeigt: Wie bereits 2015 war der Krankenstand in den östlichen Bundesländern höher als im Westen. Er lag bei 4,9 Prozent, im Westen lag er bei 3,8 Prozent.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 31. Januar 2017, 10:06 Uhr


Dass Frauen von psychischen Erkrankungen so augenscheinlich mehr betroffen sind, wie hier unterstellt wird, bezweifle ich aber.
In der Klinik, die eine der größten Anstalten in der Umgebung ist, und in der ich Patient war, waren mindestens so viele Männer wie Frauen, nach meiner Wahrnehmung sogar deutlich mehr. Bei den heranwachsenden Patienten war die Zahl junger Männer auf jeden Fall größer als die junger Frauen.
Ich weiß sehr wohl, dass Männer sich häufiger scheuen, psychische Probleme einzugestehen.
Eine derart einseitige Zuordnung psychischer Probleme auf Frauen allerdings halte ich für sehr tendenziell. Der Feminismus lässt grüßen.
Auf der einen Seite propagiert er ständig, Frauen seien ohnehin das stärkere Geschlecht, auf der anderen Seite werden Frauen dennoch gerne überwiegend als Opfer dargestellt. Da muss man sich langsam mal entscheiden.

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Atlantica, 31. Januar 2017, 15:13 Uhr


Belegungszahlen kann man ja nachprüfen. Darum hier einmal ein paar Gedanken zum Feminismus. Kern-Vorstellung des Feminismus ist die Abschaffung des Patriarchats:

Patriarchat


Der Begriff des Patriarchats bezeichnete zunächst ein Familiensystem, bei dem der älteste Mann das rechtliche und ökonomische Oberhaupt über die Frauen und anderen Männer darstellt. Dieses Konzept bezog sich vor allem auf die griechische und römische Antike. Heute wurde der Begriff nach einiger Kritik geöffnet und bezeichnet nun auch epochenübergreifende Gesellschaftssysteme und Beziehungen, bei denen einige Männer dominant und Frauen untergeordnet sind. Frauen werden dabei nicht nur dominiert, sondern auch unterdrückt und ausgebeutet. „Nach allen Definitionen verweist Patriarchat auf soziale Ungleichheiten, auf asymmetrische Machtbeziehungen und soziale Unterdrückung, und auf die Tatsache, dass es sich dabei nicht um ein natürliches oder selbstverständliches Phänomen handelt.“ Verknüpft wird das Patriarchat oft mit dem Kapitalismus und der Verdrängung der Frau in die reproduktive, häusliche bzw. schlechter bezahlte Arbeit. 1)

Das Patriarchat wird von mehreren Faktoren gestützt. Dazu gehören die Zwangsheterosexualität, also die Setzung von Heterosexualität als gesellschaftliche Norm, und Geschlechterbinarität.


>>Kommentar

Setze ich die Richtigkeit der These voraus, dass Frauen mehr leiden als Männer und häufiger psychisch krank werden, kann ich eine Verbindung zum Feminismus sowie zum Begriff des Patriarchats konstruieren. Ist die These richtig?

Selbst wenn Frauen häufiger in Behandlung sind, steht ja noch die Gegen-These im Raum, dass Männer aufgrund ihrer patriarchalen Einstellung weniger häufig in Behandlung sind bzw. psychisch-seelische Leiden eingestehen (sei es gegenüber Ärzten, Partenerin, Familie, Freunde, Arbeitskolleg/inn/en).

Grundsätzlich ist die Vorstellung des Patriarchats fragwürdig. "Männer führen Kriege" (Grönemeyer). Ja, es stimmt, dass Männer auf dieser Welt herrschen. Aber welche Männer? Alle Männer. Eben nicht! Es gibt Mechanismen, die eine Herrschaft von Männern aufrechterhalten und begünstigen. Man kann nicht "einfach so" die Vorherrschaft der Männer abschaffen. Nicht nur, dass sie in den Köpfen verankert ist, das ist das kleinere Problem, durch Erziehung zu meistern. Nein, eine Weltwirtschaft, die aus weiblichen Elementen wie Fairness ("fair trade") und Rücksichtnahme besteht, ist dem "harten" und "unnachgiebigen" männlichen Prinzip unterlegen, dass sich nicht von falschen Mitleidsgefühlen leiten lässt und auf Ausbeutung abhängiger Arbeitskräfte verzichtet. Im sozialen Konkurrenz-Kampf sind die Mitleidslosen überlegen. Und mir scheint es, dass dies (wie im Sport übrigens) keine Frage der Moral ist, auch wenn von Zeit zu Zeit ein schlechtes Gewissen aufscheinen mag, das man ja in religiöser Übung beruhigen kann, sondern eine des angeborenen Charakters. Donald Trump ist beispielsweise kein schlechter Mensch. Seine Mitleids-Losigkeit und soziale Kälte sind angeboren. Das prädestiniert ihn zum "leader". Was also ist zu tun, um diese Welt zu ändern und weiblich zu machen? Noch einmal, verwechseln wir nicht Sein und Sollen. Der Stärkere setzt sich durch (Donald Trump). Der Schwächere muss also aufholen. Er kann nur dann aufholen, wenn er nicht die Stärke des Starken beklagt, sondern seine eigene Schwäche in Energie umwandelt. Frei nach Che Guevara: verwandelt euren Hass in Energie! Unter christlichen Vorzeichen darf dies aber immer nur unter Verzicht auf Anwendung von Gewalt vonstatten gehen. Der Feminismus ist so unübersichtlich, komplex und in sich widersprüchlich, vielleicht auch zerstritten, aber er könnte ein Weg sein. Nämlich dann, wenn Frauen endlich erkennen, dass er keine Welt ohne Männer geben kann, ja, das sie nicht erstrebenswert wäre, selbst wenn sie möglich sein sollte.
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Atlantica, 31. Januar 2017, 19:34 Uhr


Da wieder niemand antwortet, schließe ich noch an: hier sieht man wieder, wie wahr der Ausspruch von Georg Wilhelm Friedrich Leibniz ist. Wie sehr haben wir uns heute von diesem Geiste entfernt!!

"Wir leben in der besten aller möglichen Welten."

Paperback, 1. Februar 2017, 8:10 Uhr


Lieber Atlantica,

ja, das ist symptomatisch, dass niemand antwortet. In dieser unserer Kirche gilt der jeweilige Mainstream, wie in der Gesellschaft auch.
Schwimmst Du mit, bist Du willkommen. Schwimmst Du aber gegen den Strom, wirst Du auf schleichende Weise mundtot gemacht.
Ich selbst sehe für mich in dieser Kirche kaum noch einen Platz und überlege mir deshalb schon länger den Cut.

Gruß

Paperback
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Schallblech, 1. Februar 2017, 10:47 Uhr


Ach Paperback, vielleicht ist das Thema nur nicht für jeden interessant. Das hat doch nichts mit Mainstream und mundtot machen zu tun!
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Atlantica, 1. Februar 2017, 10:48 Uhr


Lieber Paperback, es ist einfach schade, dass - wenn uns schon ständig neue Themen aufgetischt werden, die wir kommentieren sollen, anstatt einmal eine ernsthafte Diskussion zu führen, die diesen Namen auch verdient - die Last der Diskussion an einigen wenigen Einzelkämpfern wie Schallblech, dir und mir, hängenbleibt. Woran kann das liegen? Zum einen mag da die Angst bestehen, etwas Falsches zu schreiben. Aber jeder schreibt einmal etwas Falsches und diese Diskussion sollte doch gerade dazu da sein, Irrtümer und falsche Einstellungen aus dem Weg zu schaffen! Zweitens mögen manche sich überlegen fühlen, unsere Gedanken belächeln. Drittens ist da der Faktor Zeit. Wenn ich bedenke, welche Reaktion ich bekomme, wenn ich mal wertvolle Zeit opfere, na ja, herzlichen Dank. ;-)
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Paperback, 2. Februar 2017, 11:21 Uhr


Lieber Atlantica,

herzlichen Dank für Deine Reaktion.
Du hast etwas sehr Entscheidendes bemerkt. Wären wir beide Muslime und lebten in einer anderen Umgebung, müssten wir um unseren Kopf fürchten.
Nun sind wir aber hier, und wir sind ja kultiviert, pflegen unsere Auseinandersetzung auf gewissem Niveau. Da läuft das dann anders: Die Herrschaften, denen unsere Ansichten nicht gefallen, üben sich in vornehmen Schweigen.
Bildungsbürgerliche Christenmenschen gebrauchen nicht die Fäuste, auch nicht im übertragenen Sinne, sie grenzen aus und ignorieren schlicht.
In unserer Gemeinde ereignen sich gerade recht entscheidende Umbrüche. Da wird es wieder Sieger und Verlierer geben.
In diesem Zusammenhang wurde ich von einer sehr differenziert denkenden und sehr überlegt handelnden Mit-Christin angesprochen.
Sie vermute mal, so kam sie offensiv auf mich zu, ich habe zu diesen Dingen auch eine eigene Meinung.
Wir tauschten uns ausführlich aus. Da passte kaum ein Blatt zwischen uns, so nahe lagen unser beider Einschätzungen beieinander.
Ich schlug ihr vor, uns zu überlegen, was wir tun könnten und wie wir aktiv werden könnten.
Nach ein paar Tagen war sie wie umgewandelt, wollte sich kaum noch an ihren eigenen Vorstoß erinnern.
Ich habe mehr als eine Idee, warum das so ist.
Schwimmst Du nicht mit, ordnest Dich nicht in die Herde und folgst den Leithammeln, dann lassen sie Dich liegen.
Wir werden stillschweigend ausgegrenzt, übersehen, ja ignoriert.
Die Dame, von der ich schrieb, ist hochqualifiziert, früher saßen Menschen bei ihr auf der berühmten Couch, um sich seelisch zu entlasten.
Sie weiß, worauf sie sich einlässt, wenn sie unsere Gedanken mit anderen umsetzt. Ich weiß es auch, und Du, lb. Atlantica, hast es gerade trefflich formuliert.
Auf uns wartet der Bann, die stillschweigende Ausgrenzung, Ausgrenzung jener, die aktuell gerade die Allversöhner mit allen geben, die da zu uns kommen.
Mit uns aber nicht. Ich weiß warum, und Du lieber Atlantica, weißt es auch. Mainstream heißt die Devise. Ich gehöre nicht dazu.
Du scheinbar auch nicht. So bleiben wir wenigstens nicht ganz allein.

Paperback
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Atlantica, 2. Februar 2017, 14:08 Uhr


Lieber Paperback, danke dir! Das Thema hier sind psychische Leiden. Ich habe festgestellt, dass Frauen sich oft selbst nicht richtig einschätzen können, ich komme noch dazu, wenn sie auch emotional oft stärker sind als Männer. Das Ende individueller Leidenswege, so idealistisch bin ich durchaus noch, setzt eine Einigung der Geschlechter voraus. Es ist nun einmal so, dass es gewisse angeborene Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Es gibt kluge und dumme Frauen, kluge und dumme Männer - auch kluge Menschen tun und denken schon mal dummes. Das alles ist aber Kinderkram und kein Problem, wenn man sich dessen bewusst ist und darüber - gemeinsam - lachen kann. Wenn aber jemand psychischen Druck ausübt nach dem Motto "du darfst diese männliche Eigenschaft nicht leben", kann das zu seelischen Verletzungen und Einsamkeit führen. Der Sexismus-Vorwurf ist ja manchmal, nicht durchgängig natürlich, einfach ein Nicht-Wahrhaben-Wollen/Verdrängen von Sexualität, was mir ein Schwachpunkt des Feminismus zu sein scheint.

Frauen können sich auf dieser intellektuellen Ebene oft nicht richtig einschätzen und tappen gerne in die Falle des Subjektivismus: "ich fühle mich stark, also bin ich stark" oder "ich fühle mich schwach, also werde ich depressiv". Männer können Frauen hier helfen, indem sie ihnen auch in eigener emotionaler Arbeit/Beziehungs-Pflege zeigen, dass das nur Gefühle sind, die auch von äußeren Bedingungen geleitet werden.

Es scheint, ich würde einen Gegensatz der Geschlechter konstruieren. Aber ich möchte den Karriere-Frauen den Spiegel vorhalten und sie fragen, ob die Karriere alles ist. Das scheint mir eine weitere Fehl-Entwicklung des Feminismus zu sein.

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Paperback, 2. Februar 2017, 15:52 Uhr


Atlantica,

Du schreibst:

"Es scheint, ich würde einen Gegensatz der Geschlechter konstruieren. Aber ich möchte den Karriere-Frauen den Spiegel vorhalten und sie fragen, ob die Karriere alles ist. Das scheint mir eine weitere Fehl-Entwicklung des Feminismus zu sein."

Das wird mir auch oft vorgehalten, mein Lieber, und ich habe darunter auch mehr gelitten, als mir gut tat.
Ich will den Frauen ihr Frau-Sein auch nicht nehmen, was ja auch ein wahrhafter Unsinn wäre, würde ich mich als Mann doch des Reizes berauben, den Frauen auf uns Männer ausüben.
Gleichwohl aber, und das ist mir als Mann dann wichtig, möchte ich als Mann auch mein Mann-Sein dann leben dürfen, ohne als wandelte Entschuldigung durchs Leben laufen zu müssen, dass ich einer bin.

Als Pädagoge konnte ich über Jahrzehnte beobachten, wie junge Männer immer mehr verunsichert wurden durch diese irrsinnige Gender-Diskussion.

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