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Historischer Friedensschluss in Kolumbien

24. August 2016

Nach dreieinhalb Jahren Verhandlungen liegt in Kolumbien ein Friedensabkommen vor. Eine Epoche des Krieges soll zu Ende gehen. Doch zuvor hat die Bevölkerung das Wort.

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Rio de Janeiro (epd). Historischer Moment in Kolumbien: Nach mehr als 50 Jahren Gewalt haben die Regierung und die Farc-Guerilla ein Ende des Bürgerkriegs vereinbart. Das berichteten kolumbianische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Verhandlungskreise. Dreieinhalb Jahre hatten sich die Gespräche in der kubanischen Hauptstadt Havanna hingezogen, oft von neuen Gefechten begleitet. In der Nacht zum Donnerstag MESZ sollte Präsident Juan Manuel Santos die Einigung offiziell bekanntgeben.

Erschöpfte Verhandler

Medien veröffentlichten Fotos von erschöpften, aber zufriedenen Verhandlern beider Seiten. Seit vergangener Woche berieten die Delegationen beschleunigt und ohne Pausen, um die letzten Streitpunkte auszuräumen. Auch die endgültige Textversion des Friedensvertrags wurde binnen Stunden erwartet, wie der Hörfunksender "Caracol" berichtete. Zuletzt wurde noch an Details bei der Amnestieregelung und der politischen Teilhabe der ehemaligen Guerilleros gefeilt.

Der Krieg zwischen Guerillagruppen, Armee und rechtsextremen Paramilitärs hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Rund 340.000 Menschen wurden getötet, davon 80 Prozent Zivilisten. Mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Mit der zweiten Guerilla, der ELN, laufen Sondierungsgespräche.

Friedensvertrag für 23. September geplant

Der bislang wichtigste Durchbruch im Friedensprozess mit der Farc ("Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens") war die Unterzeichnung eines umfassenden Waffenstillstands vor zwei Monaten. Im September vergangenen Jahres war mit einer Einigung über die juristische Aufarbeitung des Jahrzehnte währenden Konflikts das schwierigste Kapitel abgeschlossen worden. Zudem gab es Konsens über erste Schritte einer Agrarreform, den Umgang mit Drogenhandel und die Eingliederung der bewaffneten Kämpfer ins zivile und politischen Leben. Die feierliche Unterzeichnung des Friedensvertrages ist Medienberichten zufolge für den 23. September geplant.

Sobald der Text des Friedensvertrags veröffentlicht ist, sollen die Kolumbianer zu einem Referendum über die Ergebnisse der Verhandlungen aufgerufen werden. Auch die Farc will noch eine Befragung ihrer Mitglieder über den Vertragstext organisieren. Positive Voten bei diesen Abstimmungen sind Voraussetzung dafür, dass der Friedensvertrag in Kraft tritt.

Die starke konservative Opposition um Ex-Präsident Álvaro Uribe kündigte jedoch bereits an, gegen den Friedensschluss zu stimmen, da dies ein "Entgegenkommen an Terroristen" sei. Umfragen zufolge liegt die Zustimmung derzeit bei über 60 Prozent, obwohl es viel Kritik am Verhandlungsprozess gab. Nach Jahrzehnten heftiger Gewalt haben die Kolumbianer wenig Vertrauen in die Politik.

Hoffnung auf positives Referendum

Der Grünen-Politiker Tom Koenigs, Beauftragter des Auswärtigen Amtes für den Friedensprozess in Kolumbien, beglückwünsche beide Seiten zu dem Durchbruch in den Verhandlungen. "Jetzt kommt es darauf an, alle politischen Kräfte auf ein positives Referendum zu richten. Die Gewalt in Kolumbien muss ein Ende haben", erklärte Koenigs am Mittwoch in Berlin.

Indianische Organisationen in Kolumbien kritisierten, dass der Friedensschluss offenbar kein Kapitel über Gewalt gegen ethnische Minderheiten enthält. Protestaktionen seien in Vorbereitung, erklärte der Dachverband ONIC per Twitter.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 25. August 2016, 11:02 Uhr


Ein Konflikt, der in den letzten Jahren selten in den Schlagzeilen war, obwohl er ebenso furchtbares Leid über die Menschen gebracht hat wie anderswo. Wie gut, daß sich da etwas bewegt hat! Jetzt kann man nur hoffen, daß die Vereinbarungen mehrheitlich anerkannt und dann auch eingehalten werden.
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