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Glaubensstärke oder Weizenstärke?

21. August 2017

Brot ist wesentlicher Bestandteil der christlichen Feier des Abendmahls. Die Schlagzeile "Vatikan verbietet glutenfreie Hostien" hat viele irritiert. Vor allem Menschen mit Zöliakie sind verunsichert.

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Karlsruhe (epd). Immer mehr Lebensmittel werden als "glutenfrei" beworben. Für manchen gilt glutenfreie Ernährung inzwischen sogar als Lifestyle, obwohl die Produkte grundsätzlich Kranken helfen sollen. In Deutschland leidet etwa einer von 200 Menschen an einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten, wie es in Getreiden wie Weizen, Roggen oder Gerste vorkommt. Wer an Zöliakie erkrankt ist, muss Getreideeiweiß in Lebensmitteln konsequent meiden, sonst drohen Folgeerkrankungen.

Inzwischen gibt es auch glutenfreie Hostien für Abendmahlsfeiern. Allerdings hat vor wenigen Wochen die Schlagzeile "Vatikan verbietet glutenfreie Hostien" viele Christen mit Zöliakie verunsichert. Schließlich ist das Brot neben Wein wesentlicher Bestandteil der christlichen Feier.

Ungesäuert und aus reinem Weizenmehl

Während es bei den Protestanten keine detaillierten Regelungen gibt, ist dies in der katholischen Kirche genau festgelegt: Das Brot, das für die Eucharistie-Feier verwendet wird, muss ungesäuert und aus reinem Weizenmehl sein. So wie es vermutlich zu Zeiten Jesus in Israel gebacken wurde.

Daher seien Hostien, die überhaupt kein Gluten enthalten, für die Eucharistie "ungültige Materie", heißt es in einem vom Vatikan kürzlich veröffentlichten "Rundbrief an die Bischöfe über das Brot und den Wein für die Eucharistie". Neu ist die Regelung aber nicht, sie gilt schon seit 2003.

Erlaubt sind demnach "Hostien, die wenig Gluten enthalten, jedoch so viel, dass die Zubereitung des Brotes möglich ist ohne fremdartige Zusätze". Wer an Zöliakie erkrankt ist, soll Kontakt mit dem zuständigen Pfarrer aufnehmen, empfiehlt das Deutsche Liturgische Institut der katholischen Kirche. Dann könnten glutenreduzierte Hostien bestellt und separat ausgeteilt werden. Werde auch diese Hostie nicht vertragen, sei die Kommunion mit Wein möglich.

Die meisten Menschen mit Zöliakie könnten mit glutenarmen Hostien am katholischen Abendmahl teilnehmen, sagt die Pressesprecherin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft, Bianca Maurer. Da die Hostie sehr klein sei, enthalte sie nur eine ganz geringe Menge Gluten. Zudem werde die Eucharistie meist nur einmal in der Woche gefeiert.

Keine theologische Grundsatzfrage

In der evangelischen Kirche sei im Gegensatz zur römisch-katholische die "Gültigkeit der Materie" keine entscheidende Kategorie, sagt Kirchenrat Frank Zeeb, Referatsleiter Theologie, Kirche und Gesellschaft von der württembergischen Landeskirche. Eine evangelische Abendmahlsfeier könne nicht "ungültig" sein. Zumindest könne eine solche Ungültigkeit nicht von Menschen festgestellt werden.

In der württembergischen Landeskirche etwa wird das Abendmahl meist mit Oblaten und Wein im Gemeinschaftskelch gefeiert. Andere Formen, wie gesäuertes Brot, Einzelkelche oder Traubensaft sind ebenfalls zugelassen. In Baden heißt es schlicht: "Das Brot soll keine harte Kruste haben und nicht bröseln, der rote oder weiße Wein von guter Qualität sein." Weitere Angaben gebe es nicht, sagt Daniel Maier, Pressesprecher der badischen evangelischen Landeskirche.

Ähnlich hat es auch die EKD in ihrer "Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Abendmahls in der evangelischen Kirche" veröffentlicht. Darin heißt es: "Die Frage, ob für diese Zwecke Weißbrot oder Oblaten und roter oder weißer Wein verwendet wird, sollte nicht zu einer theologischen Grundsatzfrage hochstilisiert werden."

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Leser-Kommentare öffnen

Alwite, 21. August 2017, 16:33 Uhr


Ich will keinen Gott, der sich den Maßen meines Denkens fügt und nach meinem Bilde gebildet ist. Ich will den wirklichen, und weiß, daß er meine Gedanken sprengen muß. So glaube ich denn, lebendiger Gott, an dein Geheimnis und Christus, der nicht lügen kann, ist sein Bürge. (Quelle unbekannt)

Atlantica, 21. August 2017, 18:11 Uhr


Ein im Blick auf das Thema Abendmahl sehr gut passender Text! Wo findest du solche Texte, Alwite?

Gruss
Atlantica

Alwite, 22. August 2017, 11:40 Uhr


Lieber Atlantica, körperliche Einschränkungen erlauben mir viel zu lesen, haften bleibt, was interessiert. Nichts auf der Welt ist exklusiv, alles ist schon gedacht bzw. gesagt. Menschen bilden ameisengleich Gemeinschaften in der jeder einzelne anders ok, Du bist ok, ich bin ok, ist:-)
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Atlantica, 23. August 2017, 20:42 Uhr


Der Mensch strebt nach dem Neuen. Deswegen reisen wir. Deswegen lesen wir. Doch wir erkennen uns selbst - neu - in dem bereisten Land, dem gelesenen Buch. Was immer wir vermeintlich Neues sehen duerfen, letzten Endes sind wir doch auf uns selbst zurueckgeworfen.

.....
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Atlantica, 23. August 2017, 20:42 Uhr


Der Mensch strebt nach dem Neuen. Deswegen reisen wir. Deswegen lesen wir. Doch wir erkennen uns selbst - neu - in dem bereisten Land, dem gelesenen Buch. Was immer wir vermeintlich Neues sehen duerfen, letzten Endes sind wir doch auf uns selbst zurueckgeworfen.

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Pirol, 24. August 2017, 12:09 Uhr


Sehr schön gesagt, Atlantica!
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