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Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrat der Ex-Muslime
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Gegen Kopftücher und Islamverbände

16. November 2017

Sie flüchtete aus dem Iran und war verblüfft über den politischen Einfluss der Islamverbände in Deutschland: Vor zehn Jahren gründete Mina Ahadi den Zentralrat der Ex-Muslime, eine säkulare Organisation von Menschen, die dem Islam abgeschworen haben.

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Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrat der Ex-Muslime

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Köln (epd). Sie sind gegen den Einfluss von Islamverbänden, gegen Kopftücher am Arbeitsplatz und für ein Burka-Verbot: Die Mitglieder des Zentralrats der Ex-Muslime positionieren sich seit zehn Jahren gegen den politischen Islam. Zum Teil haben sie schon vor Jahrzehnten in ihren Heimatländern für eine klare Trennung von Religion und Staat gekämpft.

So wie die Vorsitzende Mina Ahadi, die als Studentin im Iran gegen den Schah protestierte und nach Deutschland floh. Ihr Mann wurde später vom islamischen Regime in ihrem Heimatland hingerichtet. "Wir haben im Iran eine islamische Regierung gesehen, die sehr brutal war. Wir haben dort auch Kopftuchzwang erlebt, und jetzt sehen wir, dass in Deutschland Islamverbände politisch eine Rolle spielen." Dem wollte sie gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas entgegensetzen und gründete den "Zentralrat der Ex-Muslime".

Mit einer Kampagne unter dem Titel "Wir haben abgeschworen" outeten sich vor zehn Jahren über 30 Mitglieder mit Namen und Foto als Ex-Muslime. "Das Wort Ex-Muslim war vorher überhaupt nicht bekannt", sagt Ahadi. "Aber wenn Sie es jetzt bei Google eingeben, kommen Millionen Treffer. Das ist ein Erfolg von uns." Das Wort "Ex-Muslim" verkörpert zugleich das Hauptanliegen des Verbandes: Menschen, die in eine muslimische Familie geboren werden, müssten sagen dürfen: Ich bin nicht mehr Muslim, sagt Ahadi. "Das sollte nicht mit der Todesstrafe bestraft werden."

Angst vor der eigenen Familie

Gerade das drohe aber ehemaligen Muslimen in einigen islamischen Ländern, bestätigt Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. "In der gesamten Tradition der islamischen Theologie ist der Abfall vom islamischen Glauben überhaupt nicht möglich", sagt der wissenschaftliche Referent.

Obwohl ehemalige Muslime in Deutschland keine Strafe fürchten müssen, werden viele der Mitglieder des Zentralrats bedroht. "Einige Mitglieder haben Angst vor der eigenen Familie oder vor Islamisten", sagt Ahadi. 70 bis 80 Prozent blieben deshalb anonym. Ahadi selbst erhält Hassmails und Morddrohungen. "Ich bin eine Frau, die offen über alles redet, und das sehr laut. Das ist schon gefährlich." Die Feier zum zehnjährigen Bestehen des Zentralrats am Freitag in Köln findet deshalb unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

In Deutschland zählt der Zentralrat der Ex-Muslime etwa 800 Mitglieder. Nach Einschätzung von Friedmann Eißler ist sein Einfluss damit begrenzt. Gleichzeitig erfülle die säkulare Organisation aber eine gesellschaftliche Funktion: "Es ist wichtig, dass als Ausdruck der Religionsfreiheit in Deutschland auch die negative Religionsfreiheit zum Ausdruck kommen kann. Religionsfreiheit heißt auch die Möglichkeit, von Religion frei zu sein."

Zur Trennung von Religion und Staat gehören für den Zentralrat der Ex-Muslime auch ein Burka-Verbot und das Verbot, ein Kopftuch, Kreuz oder sonstige religiöse Symbole am Arbeitsplatz zu tragen. Mit Islamophobie habe das nichts zu tun, sagt Ahadi. "Wir sind per se gegen eine Einmischung von allen Religionen, aber besonders der Islam ist problematisch, weil es eine politische Bewegung ist."

Kein Dialogangebot

Im Fokus ihrer Kritik stehen deshalb die deutschen Islamverbände: "Wenn die deutsche Regierung mit Vertretern von islamischen Verbänden spricht und diese Organisationen als Vertretung von Millionen Menschen anerkennt, dann ist das undemokratisch, reaktionär und falsch."

Der Koordinationsrat der Muslime, der Dachverband von vier deutschen Islamverbänden, wollte sich zu diesen Vorwürfen auf Anfrage nicht äußern. Auch zum Zentralrat der Ex-Muslime selbst wolle man keine Stellung nehmen.

Dabei wäre ein Dialog zwischen den beiden Organisationen nach Ansicht von Friedmann Eißler wünschenswert. "Die Anliegen des Zentralrats der Ex-Muslime sind wichtig. Man muss aufrütteln und die problematischen Aspekte des politischen Islam thematisieren." Gleichzeitig hält der Experte die grundsätzliche Religionskritik des Zentralrats für problematisch. "Er macht kein Dialogangebot. Das ist nicht wirklich konstruktiv, sondern bewusst gesetzte Provokation", sagt Eißler.

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Leser-Kommentare öffnen

ellybe, 16. November 2017, 17:47 Uhr


Danke für diesen sachlichen und sachlich-notwenigen Artikel.
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Schallblech, 16. November 2017, 18:34 Uhr


Mir war auch nicht bekannt, daß es diese mutige Organisation gibt.
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EckhardtKiwitt, 17. November 2017, 10:54 Uhr


Die Gegebenheiten dort, wo islamische Gesetze gelten, dort, wo Islam Staatsreligion ist, sagen mehr über diese "Religion" als all die Beschönigungen und Beschwichtigungen, die allenthalben zu hören und zu lesen sind -- und auch mehr als das, was in einem "heiligen" Buch geschrieben steht.

Islam ist, wie manch andere Religion auch, eine totalitäre Ideologie und ein despotisches System -- eine Orgie der Menschenrechtsverletzungen.
Für (den) Islam Partei zu ergreifen bedeutet, für Diktatur und Despotismus -- und auch für die (islamrechtliche) Todesstrafe -- Partei zu ergreifen. Siehe GG Artikel 102.

Ich meine, dass man dies den Beschwichtigern und den Beschönigern durchaus sagen darf -- und ihnen die Frage stellen darf, wie sie mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen wollen.

Eine solche Kritik als Phobie oder als Rassismus zu diffamieren, wie es bisweilen noch immer geschieht, hilft jedenfalls nicht weiter.
Kritik am Islam ist schließlich keine Hetze gegen Muslime -- auch wenn beides oft gleichgesetzt oder (absichtsvoll ?) verwechselt wird.
Muslime sind ja mit der Androhung der Todesstrafe bei Apostasie zu Geiseln ihrer Religion genommen !

Buchtip:
"Brief an die Heuchler -- und wie sie den Rassisten in die Hände spielen"
von CHARB.
______

Eckhardt Kiwitt, Freising
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Atlantica, 17. November 2017, 15:07 Uhr


Das Grundrecht aus Art. 4 darf nicht für die vielen, vielen Muslime gelten - die an den Dschihad glauben.

EckhardtKiwitt, 17. November 2017, 20:28 Uhr


Glauben darf jeder, was er oder sie will, da macht der Artikel 4 des GG keinen Unterschied. Auch an den Dschihad darf man glauben, z.B., wenn man daheim auf dem Sofa sitzt. Das GG macht diesbezüglich keine Vorschriften, sondern gewährleistet Rechte und Freiheiten der Bürger gegen die Macht (und mögliche Willkür) des Staates.

Es gilt allerdings zu unterscheiden zwischen:

- dem Glauben;
- dem öffentlichen Bekenntnis zu diesem Glauben;
- dem Zurschaustellen des Bekenntnisses durch Zeigen von Symbolen;
- dem Ausführen von Handlungen im Rahmen der Religionsausübung.

Bereits das Bekenntnis zu einem bestimmten Glaubensinhalt kann eingeschränkt sein. Wenn z.B. ein Richter glaubt, dass es den Holocaust nicht gegeben hätte, dann darf er das zwar glauben (das garantiert der Art. 4 GG in Satz 1), nur öffentlich dazu bekennen sollte er sich nicht, weil er damit die weltanschauliche Neutralität und das Vertrauen in die Justiz untergräbt.

Das Zurschaustellen von Symbolen, mit denen eine Weltanschauung oder das Bekenntnis zu dieser untermauert werden soll, ist eingeschränkt. Einige Symbole des Nationalsozialismus als Ausdruck der Weltanschauung öffentlich zu zeigen, steht u.a. in Deutschland unter Strafe.

Das Begehen von Straftaten im Rahmen der Religionsausübung kann unter Strafe gestellt sein -- ist es allerdings nicht in jedem Fall, siehe Knabenbeschneidung / Körperverletzung, die es bei Juden, Christen und Muslimen gibt.

In all diesen Diskussionen wird übrigens der Art. 140 GG nach meiner Beobachtung oft zu wenig beachtet.

Eckhardt Kiwitt, Freising

Atlantica, 17. November 2017, 21:49 Uhr


Hallo Herr Kiwitt, wenn dies juristisch´richtig ist, dann muss ich es so hinnehmen. Dann bin ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Sicherheitshalber führe ich noch einmal meine bisherige Rechts-Auffassung an.

1. Alle Grundrechte haben einen Schutzbereich, außerhalb dessen sie keine Geltung beanspruchen dürfen. Glauben in diesem Sinn soll nicht heißen "für richtig halten", sondern in einem ethisch vertretbaren Ausmaß sich eine Meinung bilden zu dürfen. Die Meinung, der Dschihad sei ein "heiliger Krieg", ist verwerflich und unterliegt NICHT dem Grundrechtsschutz des Art. 4 GG.

2. Glauben im Sinne einer Meinung und Glaubensausübung müssen kongruent zueinander sein, ansonsten wäre das Recht wertlos!

3. Der Staat hat >Schutzpflichten gegenüber seinen Bürgern und MUSS gegen verfassungsrechtlich bedenkliche Meinungen vorgehen (z. B. Ausweisung aus dem Bundesgebiet).

EckhardtKiwitt, 18. November 2017, 15:58 Uhr


Hallo "Atlantica",

das, was Sie als "Schutzbereich der Grundrechte" ansehen, ist der Geltungsbereich unserer Verfassung, des GG -- also die Bundesrepublik Deutschland.
Darüberhinaus gibt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Empfehlungen, die aber leider nicht überall rechtsverbindlich sind.

Wer will darüber entscheiden, welche Meinungen, die man bilden darf, sich innerhalb eines "ethisch vertretbaren Ausmaßes" befinden und welche nicht?

Selbst in rechtsreaktionären Diktaturen wie der Gröfaz-Tyrannei (Hitler-Diktatur), in der DDR, im Spanien unter General Franco, in Nord-Korea, Saudi-Arabien, China, in der Türkei unter R.T.Erdogan usw. durften und dürfen Menschen jede beliebige Meinung haben. Sogar zur jeweiligen Staatsideologie durfte und darf man dort eine Meinung haben, auch eine kritisch-ablehnende. Erst, wenn sie diese Meinung öffentlich äußern, kann dies zu einigen Unannehmlichkeiten bis hin zur Ermordung durch den Staat (Todes"strafe") führen. Dies, und eine dysfunktionale Gewaltenteilung, ist ein Markenzeichen aller rechtsreaktionären Diktaturen.
Wer z.B., wie manche "Pegidisten", von "Lügenpresse" redet, bringt damit zum Ausdruck, dass er womöglich nur das in den Medien veröffentlicht wissen will, was er selber für "die Wahrheit" hält. Meinungen, die jenseits seiner eigenen liegen, will er mglw. unterdrückt sehen.

Der Begriff "Dschihad" (Anstrengung auf dem Weg Allahs) ist nicht eindeutig definiert, ist juristisch nicht fassbar.
Einen Angriffskrieg zu führen, ist m.W. laut Völkerrecht jedoch verboten.

Wenn Sie, liebe(r) "Atlantica", hier in Ihrem Kommentar vom 17. November 2017, 21:49 Uhr schreiben
Zitat: "Der Staat hat >Schutzpflichten gegenüber seinen Bürgern und MUSS gegen verfassungsrechtlich bedenkliche Meinungen vorgehen"
dann halte ich dies verfassungsrechtlich für mehr als bedenklich, weil Sie damit das Recht auf freie Meinungsäußerung zur Disposition stellen.
Erst, wenn eine Meinungsäußerung eindeutig gegen geltendes Recht verstößt, hat "der Staat" / die Justiz überhaupt eine Handhabe und KANN dagegen vorgehen.

Grundsätzlich sind in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat alle Meinungen erlaubt, und auch Meinungsäußerungen (die von bloßen Meinungen zu unterscheiden sind), sind in einem Umfang zulässig, der manch einem unerträglich erscheinen mag. Schauen Sie sich mal an, was z.B. in so manchen Blogs sowohl in den Beiträgen / Gastbeiträgen als auch in den Kommentarbereichen -- oft anonym -- geäußert wird ...

Eckhardt Kiwitt, Freising

Atlantica, 18. November 2017, 17:59 Uhr


Das ist eine schlüssige Argumentation. Herzlichen Dank dafür. - Abgesehen vom rechtlichen Gesichtspunkt bleibt mir in ethischer Hinsicht unklar, wohin eine Meinungsfreiheit führen soll, die auf das eigene Bewusstsein beschränkt bleibt; rein menschlich gesehen sind Meinungen nicht dazu da, nicht auch kommuniziert zu werden. Hier sehe ich auch eine ethische Blindheit im Rechtsdenken. Ich bin männlichen Geschlechts und - wie Sie sich denken werden - kein Jurist. Schöne Grüße nach Freising!

EckhardtKiwitt, 18. November 2017, 20:47 Uhr


Die Meinungsfreiheit in einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat soll keineswegs auf das eigene Bewusstsein beschränkt bleiben, auch nicht in ethischer Hinsicht.
Im Gegenteil !
Allerdings beinhaltet das Recht auf freie Meinungsäußerung auch hier NICHT das Recht, sich z.B. in volksverhetzender Weise zu äußern, oder, speziell in Deutschland und in Österreich, die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu billigen, zu leugnen oder zu verharmlosen (siehe § 130 StGB).

Der demokratische Rechtsstaat lebt ja gerade davon, dass ein freier Meinungsaustausch möglich ist -- und damit eine öffentliche Meinungsbildung -- auch in ethischen Fragen, und auch im Widerspruch zu "denen da oben" (Regierung ...) !

Dass Ethik und Recht manchmal Hand in Hand gehen, zeigt sich m.E. z.B. darin, dass die Todesstrafe in Deutschland gemäß Artikel 102 GG abgeschafft, also verfassungswidrig ist, und es sie auch in allen anderen europäischen Staaten (mit Ausnahme von Belarus / Weißrussland, einer Diktatur) nicht mehr gibt. Grundlage für ihre Abschaffung sind nicht nur die Verbrechen der Diktaturen des 20. Jahrhunderts, sondern vielleicht auch das alttestamentarische "Auge FÜR Auge" (siehe Wikipedia zu genau diesem Stichwort), mit dem die Rache verhindert werden sollte. Leider wird das "Auge für Auge" von einigen Befürwortern der Todesstrafe / der Rache noch immer als "Auge UM Auge" missdeutet und umgedeutet.

In Diktaturen (die meiner Meinung nach immer rechtsreaktionär waren und sind, egal wie sie sich selbst nennen) ist der freie Meinungsaustausch nicht oder nur eingeschränkt möglich. Daran (unter anderem daran) scheitern diese regelmäßig.
Die Unschuldsvermutung, ein Pfeiler der Juristerei im demokratischen Rechtsstaat, zählt dort ohnehin nicht viel. Stattdessen können Angehörige eines Dissidenten / Kritikers dort in Sippenhaftung genommen werden, ohne selbst Dissidenten oder Kritiker zu sein. Das ist Justizwillkür.

Freiheit ist eben ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt, ohne Menschen einzuschüchtern.

By the way, auch ich bin kein Jurist, ((sondern nur ein kleiner "Verlagsarbeiter aus Freising" -- Zitat Süddeutsche Zeitung vom 11. März 2010)), aber vielleicht denke und argumentiere ich manchmal ein wenig so, als wäre ich Jurist.
Mehr zu meiner Kritik an Diktatur, Despotismus etc. auf meiner Website "Islamprinzip".

Mit besten Grüßen nach ???

Eckhardt Kiwitt, Freising

EckhardtKiwitt, 18. November 2017, 21:01 Uhr


Übrigens, von der in dem SZ-Beitrag (siehe meinen vorherigen Kommentar hier) erwähnten Gruppierung und der entsprechenden Website (PI) sowie dem gesamten Umfeld habe ich mich bereits 2012 für immer getrennt. Dort wird jede sachliche Kritik m.E. diskreditiert.

Eckhardt Kiwitt, Freising
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Atlantica, 19. November 2017, 14:57 Uhr


Unbeantwortet/unklar blieb bisher in unserer Diskussion die Frage, wie der Schutzbereich des Grundrechts der Glaubensfreiheit aus Art. 4 GG zu begrenzen ist. Eckhardt Kiwitt ist der Ansicht, dass die Glaubensfreiheit "Im stillen Kämmerlein" grenzenlos sei, wohingegen die Ausübungs-Freiheit und weitere Elemente im einzelnen zu begrenzen seien. An dieser Logik hatte ich von Anfang an Zweifel, macht doch ein Glaube, der sich nicht auch im sozialen Miteinander auswirken kann, keinen Sinn. Das heißt aber nicht, dass mir der Unterschied von einem Für-Wahrhalten, Bekennen und Ausüben im Rechtssinn mittlerweile nicht geläufig ist. Insofern danke nochmal Herrn Kiwitt für die Erklärung.

Nun fand ich zur Religions-Freiheit aber dies:

3. Beschränkungen
      Vorbehaltlos gewährtes Grundrecht!
      - verfassungsimmanente Schranken durch kollidierendes Verfassungsrecht.
      - Schrankenregelung in Art. 136 I, III, 137 III 1 WRV, Art. 140 GG.
      - gegenseitige Begrenzung der Religionsfreiheit anderer Grundrechtsträger (Grundrechte
        anderer)
        Bsp.: Schulgebet; Tragen religiöser Kleidung durch Lehrer.
----------

"VERFASSUNGS-IMMANENTE Schranken durch kollidierendes Verfassungsrecht"

Damit, lieber Herr Kiwitt, ist kristallklar, dass man nicht im stillen Kämmerlein "glauben darf, was man will". Das würde auch keinen SInn machen!

EckhardtKiwitt, 19. November 2017, 18:36 Uhr


Hallo Atlantica,

Sie verknüpfen "glauben" mglw. grundsätzlich mit Religion, mit Moral und Ethik, damit "Glaube" einen Sinn macht.
Für mich ist das jedoch nur ein Aspekt von "glauben", weshalb man m.E. durchaus "im stillen Kämmerlein" glauben darf, was man will -- und sei es noch so absurd oder sinnlos.
Wer will schon verbindlich -- oder gar rechtsverbindlich -- über die Sinnhaftigkeit befinden, darüber urteilen ?

Es gibt z.B. Menschen, die glauben, dass vor ca. 1400 Jahren der Erzengel Gabriel angeflogen kam und einem Mann in der Wüste ein Buch diktiert hat. In anderen Religionen gibt es ähnliche Geschichten. Man kann diese glauben -- oder auch etwas anderes oder sogar das Gegenteil glauben.

Man kann z.B. glauben, dass besagter Mann in der Wüste das Buch, um das es geht, zusammenhalluziniert und zusammenphantasiert hat -- was angesichts der Unausgegorenheit des gesamten Textes, der vielen Widersprüche und der mangelnden Logik darin aus meiner Sicht wahrscheinlicher ist, als zu glauben, dass der Erzengel Gabriel das Ding überbracht hat.

Dann steht das eine Geglaube gegen ein anderes Geglaube. Und dann ?

Oder nehmen wir an, dass zwei Leute nebeneinander z.B. in einem Tempel stehen und nix sagen; der eine glaubt, dass es einen / seinen Gott gibt, während der andere gleichzeitig glaubt, dass es gar keine Götter gibt (was mir wahrscheinlicher erscheint, da für Götter keine Wechselwirkungen nachgewiesen werden, aus denen man auf ihre Existenz schließen könnte, sondern es sich bei all den Göttinnen und Göttern wohl nur um Gedanken in den Köpfen von Menschen handelt).
Was passiert nun, wenn zwei so gegensätzliche "Glauben" in den Köpfen zweier Menschen nebeneinander bestehen? Neutralisieren die sich wie Elektron und Positron -- oder geschieht gar nichts ?

Herzlichen Gruß
Eckhardt Kiwitt, Freising
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Atlantica, 20. November 2017, 11:11 Uhr


Es geht Art. 4 GG um die Freiheit des Glaubens, nicht aber um eine Beliebigkeit. Das heißt, der Glaube muss einen nachvollziehbaren Sinn haben. Herr Kiwitt, nehmen wir das Bsp. Kriegsdienstverweigerung. Wer aus Gewissensgründen keinen Kriegsdienst mit der Waffe leisten möchte, kann dies tun. Ich betone, tun! Diese Einstellung macht Sinn, genauso wie die Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, wenn keine Gewissensgründe vorliegen. Es kann Sinn machen, an Gott zu glauben, oder nicht an Gott zu glauben. Es kann Sinn machen, Buddhist, Moslem, Christ oder Zeuge Jehovas oder Atheist zu sein und sich entsprechend zu betätigen. Ich betone, zu betätigen! Es macht keinen Sinn, "Ungläubige zu töten" oder dies zu wollen. Dies liegt nicht nur außerhalb der Betätigungs- und Bekenntnisfreiheit, es liegt außerhalb des Schutzbereichs des Grundrechts aus Art. 4 GG: Kollision mit Recht auf Leben!

EckhardtKiwitt, 20. November 2017, 21:28 Uhr


Hallo Atlantica,

nun gut, ich greife die Stichworte "nachvollziehbaren Sinn" einerseits und "Ungläubige töten" andererseits auf.

Dass es außerhalb des in unserer Verfassung bestehenden oder ableitbaren Begriffs der Betätigungs- und Bekenntnisfreiheit und auch außerhalb des Schutzbereichs des Grundrechts aus den Artikeln 4 -- und 140 -- GG liegt, "Ungläubige" zu töten, scheint mir unstrittig -- nicht nur wegen des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit aus Artikel 2 Satz 2, sondern auch wegen des Verbots, zu Morden aus § 211 StGB, der zwar nicht den Mord als Straftat definiert, sondern den Mörder als Straftäter (womit der § 211 StGB eine Sonderstellung innehat: er beschreibt nicht eine Tat, sondern einen Täter).

Das, was im Koran als "Ungläubige" bezeichnet wird, die es zu töten gilt (z.B. Sure 9 Vers 5), finden sie in anderen totalitären Systemen und Tyranneien genauso -- nur ist dort nicht von "Ungläubigen" die Rede, sondern es werden andere Begriffe verwendet, um den "Feind" zu definieren. Es läuft aber stets aufs gleiche hinaus. Das durchzieht die Menschheitsgeschichte -- und macht aus der Perspektive des Tyrannen (!) durchaus Sinn. In der Psychologie / in den Sozialwissenschaften spricht man von "Ingroup" und "Outgroup".

Ebenso verhält es sich mit den Apostaten (Glaubensabtrünnigen), die gemäß einem heutzutage immer noch gültigen islamischen Gesetz zu töten, also zu ermorden sind (sogenannter "Ehrenmord" wegen unislamischer Lebensweise ist eine Variante davon). Das gleiche Muster finden Sie in anderen totalitären Systemen und Tyranneien, nur dass dort von Volksfeinden, Dissidenten, Systemabweichlern, Verrätern o.ä. gesprochen wird, die zu bestrafen und ggf. zu ermorden sind.

Eine Besonderheit ist, dass dem Islam das Etikett "Religion" aufgeklebt ist, wohingegen andere Diktaturen und Tyranneien offen als solche bezeichnet werden.

Eine andere Besonderheit ist, dass, wegen des Etiketts "Religion", jede Kritik am Islam (am Islam, nicht an Muslimen !) -- im Gegensatz zu Kritik an anderen diktatorischen, tyrannischen Ideologien und Systemen oder Kritik an anderen Religionen -- oft als Phobie und als Rassismus diffamiert wird.
Diffamierung entzieht den Gegenargumenten jedoch die Plausibilität, macht sie unglaubwürdig -- und entlarvt sie als bloße Instrumentalisierung, um die Kritik im Keim zu ersticken, um jede Diskussion über die totalitäre Ideologie und die Tyrannei und ihre Äußerungsformen abzuwürgen. Der Diffamierer outet sich in solchen Fällen als jemand, der für Diktatur und Tyrannei Partei ergreift.

Damit bin ich am Beginn unserer Diskussion angelangt (siehe 17. November 2017, 10:54 Uhr) -- hier schließt sich der Kreis.

Eckhardt Kiwitt, Freising

Atlantica, 21. November 2017, 8:34 Uhr


Lieber Herr Kiwitt, Ihre Sicht des Islam als totalitäre Doktrin ist in sich schlüssig. Politisch gesehen schießen Sie über das Ziel hinaus: Ziel aller Politik muss es sein, einen friedlichen Islam zu unterstützen. Das bedeutet für mich als Christen keine aktive Unterstützung, wie sie Herr Schulz im Wahlkampf betrieb (das halte ich für falsch), aber eine Aufwertung der friedlichen Kräfte im Islam, indem man ihn nicht insgesamt diffamiert.

Freundliche Grüße

Fr. Gronau

EckhardtKiwitt, 22. November 2017, 0:22 Uhr


Hallo Herr Gronau / Atlantica,

es gibt sicherlich auch friedliche Aspekte im Islam -- in den chronologisch frühen Suren des Korans aus mekkanischer Zeit, also in der Frühphase der Islam-Entstehung.
Das habe ich in Beiträgen auf meiner Website bereits vor geraumer Zeit dargestellt.
Und selbstverständlich sind die meisten Muslime friedliebende Menschen wie wir -- Sie als Christ oder ich als Atheist. So kenne ich zumindest diejenigen Muslime aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Die gilt es natürlich zu unterstützen, und nicht etwa auszugrenzen oder für etwas zu beschuldigen / verantwortlich zu machen / in Sippenhaftung zu nehmen, das sie gar nicht zu verantworten haben.
Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings die Selbstausgrenzung, die Selbstdiskiminierung, die bisweilen zu beobachten ist, dieses sich in eine Opferrolle begeben und diese zu institutionalisieren. Damit tut sich niemand einen Gefallen.

Es gibt aber nunmal auch die andere Seite des Islams, die man insbesondere in den chronologisch späten Suren aus medinesischer Zeit findet, bzw. in der Spätzeit der Prophetenkarriere des Islam-Erfinders Mohammed. Und natürlich in so manchen Ländern oder Sozialgefügen, in denen islamische Gesetze gelten.

Diese zwei Seiten der Medaille kennt man auch aus anderen Religionen, sei es orthodoxes Judentum, Hinduismus, auch Buddhismus und Christentum ...
Und selbst in demokratisch-rechtsstaatlichen Systemen gibt es ganz dunkle Schattenseiten, die zu recht öffentlich kritisiert werden (z.B. das -- zeitweise, während der Regierung George W. Bush -- KZ-ähnliche Gefangenenlager in Guantanamo) !

Es muss m.E. jedoch immer erlaubt und möglich sein, auch die Schattenseiten des Islams zu thematisieren und zu kritisieren -- mit dem Ziel, sie zu überwinden oder wenigstens die Zustände zu verbessern.

In Gesprächen mit Muslimen auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis erlebe ich es immer wieder, dass es ihnen äußerst schwer fällt oder gar unmöglich ist, über die Schattenseiten des Islams offen und aufrichtig zu sprechen und diese einzugestehen, obwohl ich sie dafür gar nicht verantwortlich mache. Sie haben ja den Koran nicht verfasst, (den) Islam nicht erfunden oder erschaffen.
Da werden dann gern mal Textfetzen aus einzelnen Koran-Versen zitiert und aus dem Zusammenhang gerissen wie z.B.:
"Es gibt keinen Zwang im Glauben" (Sure 2:256)
"Darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will" (18:29)
oder
"Wenn jemand einen Menschen tötet, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet" (5:32).
Der übrige Text dieser Verse oder z.B. der nachfolgende Vers bleibt in solchen Fällen unerwähnt. Andere Verse wie z.B. Sure 24:2 werden gar nicht erwähnt, und so manche Zustände und Vorkommnisse in islamischen Ländern -- ich erinnere an Raif Badawi in Saudi Arabien (1000 Peitschenhiebe) -- haben angeblich nur etwas mit der Machtgeilheit der dortigen Herrscher zu tun, aber nichts mit Islam.

Dass ihnen dieser offene Umgang mit den negativen Aspekten ihrer Religion so schwer fällt, finde ich bedauerlich, auch wenn ich den Grund dafür zu kennen glaube: Es könnte ihnen als "Abfall vom Glauben" zum Vorwurf gemacht werden. Jede Diktatur stützt ihre Macht bekanntlich auf Bevormundung, Einschüchterung und Erpressung.

So, wie wir in Europa aufgrund sehr schlechter Erfahrungen die Diktatur überwunden und z.B. die Todesstrafe abgeschafft haben, so könnte dies auch im Islam gehen. Es bräuchten nur ein paar hochrangige Rechtsgelehrte der Azhar-Universität und anderer Institutionen erklären "Die Todesstrafe (bei Abfall vom Glauben und in allen anderen Fällen) ist abgeschafft, wir gewähren -- und gewährleisten ! -- Religionsfreiheit."

Beste Grüße

Eckhardt Kiwitt, Freising
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Alwite, 22. November 2017, 10:19 Uhr


>Jede Diktatur stützt ihre Macht bekanntlich auf Bevormundung, Einschüchterung und Erpressung.<

Ganz genau so übermittelte man mir in der Kindheit den Christlichen Glauben. Obwohl ich längst an keinen strafenden Gott mehr glaube, stecken diese Tribute bis heute in meinem tiefen Innern.

Menschen anderer Kultur, bedürfen in einem fremden Land, das Geländer ihres Glaubens. Zustimmung, ein Geländer ohne Furcht, ist für ein friedliches Miteinander von Dringlichkeit, der letzte Absatz denkt DIE schlichte Lösung an.

EckhardtKiwitt, 22. November 2017, 17:44 Uhr


Hallo Alwite,

Du schreibst "Menschen anderer Kultur, bedürfen in einem fremden Land, das Geländer ihres Glaubens."

Ich meine, das gilt nicht nur für Menschen anderer Kulturen in fremden Ländern -- sondern für alle Menschen überall.

"Glaube" bedeutet für mich "Hoffnung" und "Vertrauen".
Ich vertraue z.B. auf das Gute im Menschen und gebe die Hoffnung daran nicht auf. Das klappt bei mir, der ich nicht religiös erzogen worden bin, auch ohne Göttinnen und Götter sehr gut.

Von Goethe gibt es ein Zitat, an das sich vermutlich die meisten Menschen halten, ohne es zu kennen:

"Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können."

Es funktioniert -- zumindest in den meisten Fällen. Die wenigen Ausnahmen, die es gibt, bringen mich aber nicht zur Verzweiflung.

Schöne Grüße
Eckhardt Kiwitt, Freising
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Atlantica, 22. November 2017, 22:20 Uhr


Die Diskussion nimmt eine erfreuliche Wendung. Danke allen Beteiligten. Ich hoffe, auch ein klein wenig dazu beigetragen zu haben?


Ratio, Diskussionsbereitschaft, Abbauen der Vorurteile, und schon ist man im Gespräch... Mich erinnert das an früher und ich freu mich darüber.

Gronau, Friedrich
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EckhardtKiwitt, 23. November 2017, 21:05 Uhr


Kritik an Diktatur und Todesstrafe sowie an Menschenrechtsverletzungen und den zugrundeliegenden Ideologien gründet hoffentlich nicht auf Vorurteilen (Vor-Urteilen).

Sonst müsste ich mir jetzt ernsthafte Sorgen machen.

Grüße an alle Beteiligten

Eckhardt Kiwitt, Freising
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Atlantica, 23. November 2017, 21:32 Uhr


Daran hatte ich jedenfalls nicht gedacht. Aber Sie haben sicher schon vom Kirchenkampf in der NS Zeit gehoert.

Todesstrafe: ist zu recht per GG verboten. Konsequente Reaktion auf den NS.

EckhardtKiwitt, 24. November 2017, 10:02 Uhr


Auf die Todesstrafe und anderes hatte ich schon in meinem ersten Kommentar vom 17. November 2017, 10:54 Uhr in diesem Thread hingewiesen, der hier nach wie vor unverändert steht.

Dass es während der Gröfaz-Tyrannei (NS-Zeit) in den Kirchen Mitläufer und Sympathisanten der Diktatur und des Personenkults wie auch Kritiker und Gegner gegeben hat, ist mir bekannt.

Eckhardt Kiwitt, Freising
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