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Eine Frau trägt in Äthiopien einen Biogas-Rucksack, den Katrin Pütz erfunden hat.
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Gas to go

30. August 2016

Es kostet viel Geld und viel Schweiß: Menschen in südlichen Erdteilen müssen Brennmaterial von weither an den Herd schleppen. Wenn das Unternehmen einer Westerwälderin Erfolg hat, könnte es die Lebensqualität von Millionen verbessern.

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Eine Frau trägt in Äthiopien einen Biogas-Rucksack, den Katrin Pütz erfunden hat.

Neuhäusel/Westerwald (epd). Kleine Idee - große Wirkung: Katrin Pütz will das Problem der Kochenergie in Afrika und Asien lösen. Die aus Neuhäusel im Westerwald stammende Agraringenieurin und Schreinerin hat eine einfache wie bahnbrechende Erfindung gemacht: Ein Rucksack, mit dem man Biogas nach Hause tragen kann. Nun arbeitet Pütz die meiste Zeit des Jahres im äthiopischen Addis Abeba. Ihr junges Unternehmen hat bereits Interessenten in mehreren Ländern gefunden.

Millionen von Menschen haben große Mühe, Energie zum Kochen und Heizen zu bekommen. Das wichtigste Brennmaterial, Holz oder Holzkohle, muss schwer geschleppt werden - manchmal über weite Strecken. "Um afrikanische Städte herum ist mancherorts über Hunderte von Kilometern kein Holz mehr zu finden", sagt der Referent für Klimawandel des Entwicklungshilfswerks Misereor, Stefan Tuschen. Das Abholzen von Wäldern habe gravierende ökologische Folgen. Der Rauch der Feuerstellen führe zu Atemwegserkrankungen. Eine saubere Alternative sei das Biogas.

Durchbruch auf dem Markt angestrebt

Pütz will es für den Endverbraucher verfügbar machen. Ihre Erfindung gleicht einem übergroßen Aufblaskissen mit Trageriemen, versehen mit einem Schlauch und Absperrhahn. Der Kunststoffsack fasst einen Kubikmeter Gas, mit dem ein Herd drei bis vier Stunden lang betrieben werden könne, auch Öfen oder Lampen. Der Rucksack wiegt viereinhalb Kilogramm und sei damit wesentlich leichter als die entsprechende Menge an Feuerholz. Die Verbrennung im Haus laufe qualmfrei und sauber ab. Der TÜV habe bestätigt, dass der ohne Druck befüllte Gasrucksack nicht explodieren könne, versichert Pütz.

Befüllt werden kann der Rucksack an einer Biogasanlage. In dem einfachen, von Pütz entworfenen Modell gärt ein Kuhdung-Wasser-Gemisch in einem gasdichten Sack, der in einem Treibhaus liegt. Für ihre Erfindung bekam die Agraringenieurin Ende 2013 einen Preis über 5.000 Euro des "empowering-people-Awards" der Siemens-Stiftung. Pütz will nun ihr Produkt zum Durchbruch auf dem Markt führen.

Dazu hat sie 2014 das Unternehmen "(B)energy" mit Sitz in Neuhäusel gegründet. Es sei ein "social business", ein Unternehmen, das nicht Gewinnmaximierung, sondern die Verbesserung der Lebensverhältnisse anstrebt, sagt sie. Der Unternehmerin ist die Unterscheidung zur Entwicklungshilfe wichtig. "Die hat die Märkte zerstört", schimpft sie. Um geschenkte Technik kümmere sich kein Hilfeempfänger, und nach Defekten bleibe sie nutzlos zurück. Die geschenkten Produkte verzerrten die Marktverhältnisse, sie verhinderten den Kauf und damit auch die Produktion vor Ort und erzeugten eine Mentalität der Abhängigkeit.

Durch Mundpropaganda bekannt

Mit "(B)energy" will Pütz Kunden vom Biogaskonzept überzeugen und als Franchise-Nehmer gewinnen. Diese können in ihrer Region, wo sie die Verhältnisse kennen, Biogasanlagen aufbauen und Gasrucksäcke verkaufen. Die Kunden von "(B)energy" werden damit selbst zu Unternehmern. Einen Franchise-Nehmer hat Pütz in Äthiopien bereits gewonnen, weitere Interessenten kommen aus dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun, Ruanda, Malawi, Indien und Nepal. Die Agraringenieurin trainiert die Übernehmer ihres Geschäftskonzepts im Aufbau der Technik und im Vertrieb der Produkte.

Die Gründerin des Ein-Frau-Unternehmens lässt ihre Produkte in Aub bei Würzburg für den Export produzieren, vor einem halben Jahr nahm auch der Franchise-Nehmer im äthiopischen Addis Abeba die Produktion auf. Bisher seien rund 50 Biogasanlagen und etwa 300 Gasrucksäcke hergestellt worden, die Preise in Deutschland liegen bei rund 40 Euro für einen Rucksack und 200 Euro für eine Anlage. Werbung hat Pütz bisher keine gemacht, die Produkte sprächen sich durch Mundpropaganda herum, etwa unter afrikanischen Studenten.

Um ihr Geschäft zu beschleunigen, bereitet Pütz derzeit die Einrichtung eines "Umlauffonds" vor. Er soll eine Mikrofinanzierung zum Start von Franchise-Unternehmen anbieten. Für diesen "(B)revolving fund" sind Sozialinvestoren gesucht. Leben kann Pütz von ihrem Unternehmen nach eigenen Angaben bisher nicht, aber sie ist von dessen Erfolg überzeugt. "Entwicklungshilfe doktert nur an Systemen herum", sagt sie. "Ich möchte zeigen, dass die Menschen ihre Energieprobleme selbst lösen können."

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 30. August 2016, 11:12 Uhr


Genial!

Noch genialer sind aber die Parabolspiegel, die es ja schon gibt. Damit kann man kostenlos mit Sonnenenergie kochen. Leider setzt sich das irgendwie nicht richtig durch.
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Atlantica, 30. August 2016, 21:40 Uhr


Also jetzt: Social economy anstatt von Entwicklungshilfe. Das ist ja wirklich mal ein interessanter Beitrag! Schaun mer mal...was es bringt.
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