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Forscher: Mord in Freiburg ist Rückenwind für AfD

5. Dezember 2016

Der Rechtspopulismus-Forscher Matthias Quent geht davon aus, dass die Diskussion über den Mord an einer Freiburger Medizinstudentin für Aufwind bei der AfD sorgt.

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Frankfurt a.M., Jena (epd). "Ein solcher Diskurs ist absoluter Rückenwind für Rechtspopulisten", sagte Matthias Quent, Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Polizei hatte am Samstag über die Festnahme eines 17-jährigen Afghanen informiert, der als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland gekommen war und unter Verdacht steht, Mitte Oktober eine 19 Jahre alte Studentin nach einer Party überfallen, vergewaltigt und getötet zu haben. "Deswegen Stimmung gegen eine ganze Gruppe zu machen, ist Rassismus und eine unzulässige Verallgemeinerung", sagte Quent.

Der Forscher beklagte, es werde "mit doppeltem Maß gemessen". Jedes Jahr gebe es viele Gewaltverbrechen, die von Deutschen verübt würden. "Dann wird auch nicht unterstellt, dass die deutsche Kultur der Grund dafür ist."

"Perfide Strategie"

"Was hier geschieht, ist eine absolute Instrumentalisierung von Frauen und der Familie der Verstorbenen", sagte der Soziologe. "Dieselbe AfD, die den Sieg des Sexisten Donald Trump bejubelt hat, setzt sich jetzt für Frauenrechte ein." Mit seiner Haltung zu sexuellen Übergriffen auf Frauen hatte der designierte Präsident der USA für Empörung gesorgt.

"Die Instrumentalisierung und Pauschalisierung nach schrecklichen Vorfällen ist eine perfide Strategie, die aber nicht nur von Rechtspopulisten genutzt wird", sagte Quent. Auch in der Vergangenheit seien solche Fälle für Stimmungsmache genutzt worden, "zum Beispiel nach der Kölner Silvesternacht, als die Vorkommnisse von Rechtspopulisten ausgebeutet wurden".

Vonseiten der Politik sei eine Versachlichung der Debatte notwendig, forderte Quent. "Man kann einen solchen Fall auch thematisieren, ohne ganze Bevölkerungsgruppen in Sippenhaft zu nehmen." Zugleich dürften Straftaten von Migranten nicht verharmlost werden. "Es müssen die tatsächlichen sozialen und persönlichen Ursachen aufgeklärt werden, um Wiederholungen möglichst zu verhindern", sagte der Soziologe.

Es sei die Aufgabe von Politikern, bei der Meinungsbildung im Sinne des Grundgesetzes mitzuwirken. "Wir alle müssen dafür sorgen, dass solche Debatten nicht in unsachliche Hassäußerungen ausarten", sagte Quent.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 5. Dezember 2016, 14:22 Uhr


Noch ist niemand überführt. Man hat lediglich ein Haar im Gebüsch gefunden, das muß natürlich überprüft werden, aber es sagt überhaupt noch nichts.
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Paperback, 6. Dezember 2016, 17:31 Uhr


Und nun? Jetzt ist jemand überführt, und es ist klar, dass es der junge Afghane war. Lieber Schallblech, auch und gerade im Zusammenhang mit der Silvester-Nacht, die in diesen Tagen wieder diskutiert wird, sind solche Nachrichten ein Argument für die Rechten.
Ich empfinde es inzwischen als eine Verhöhnung aller Menschen (Migranten eingeschlossen), die sich anständig und rechtskonform verhalten, wenn versucht wird, solche Geschehnisse herunterzuspielen.
Auch in unseren Kirchen wird gerne und schnell mit dem Argument des Sexismus argumentiert, werden Männer schnell in eine frauenfeindliche Ecke gestellt, nicht zuletzt von jenen, die da gerade wieder schützend ihre Hände ausbreiten.
Wir messen mit zweierlei Maß.
Und das fordert die Reaktion der Rechten geradezu heraus, nährt den Boden für ihre Strategie.

Schallblech, 7. Dezember 2016, 10:21 Uhr


"Jetzt ist jemand überführt, und es ist klar, dass es der junge Afghane war."
Er ist tatverdächtig, nicht überführt, auch wenn sich der Verdacht erhärtet hat. Wir haben hier ein Grundgesetz, das gilt auch für Immigranten. Natürlich ist es sehr wahrscheinlich, daß er es war - aber was, wenn nicht?

Atlantica, 7. Dezember 2016, 15:25 Uhr


Das klingt so, als ob du hoffst, er war es nicht, Schallblech? Aber warum soll man ausgerechnet darauf seine Hoffnung setzen? - Ich hoffe darauf, dass die Menschen zur Vernunft kommen und ihr Menschenbild nicht nach Kriminalitäts-Statistiken errichten.

Schallblech, 7. Dezember 2016, 20:42 Uhr


Nein, ich hoffe nicht. Ich warte ab und versuche, niemanden vorschnell zu verurteilen.

Atlantica, 7. Dezember 2016, 22:28 Uhr


Das ist natürlich löblich. Allerdings, wie du ja selbst geschrieben hast, hier liegt so oder so nur ein Einzelfall vor, den man nicht aufbauschen, über den allenfalls berichten, sollte. - Ich gehe davon aus, dass Demokratie heißt: Herrschaft der Vernunft. Man kann daran zweifeln, will heißen, rechte Strategen fahren Angriffe und haben mit undifferenzierten Argumenten Erfolg. Was Winfried Kretzschmann sagte, scheint mir wesentlich: politische Korrektheit darf nicht so weit überdehnt werden, dass es Tabus gibt. Kriminalität ist ein Tabu, das weiß, wer sich mit Statistiken auskennt. Und der Punkt, Paperback, gibt nicht den Rechten recht, sondern zwingt im Gegenteil die Linken zum Benennen der Probleme.
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Atlantica, 7. Dezember 2016, 8:46 Uhr


"Winfried Kretschmann beklagte kürzlich, es gebe zu viel „Political Correctness“ bei den Grünen. Haben Sie sich da angesprochen gefühlt?

Der Begriff der „Political Correctness“ ist ein rechter Kampfbegriff, der behauptet, es gäbe Sprechverbote. Es gibt keine Sprechverbote – man muss sich ja nur mal umsehen, was auf Pegida-Demonstrationen oder in den Kommentarspalten von Zeitungen alles gesagt werden darf und auch gesagt wird. Man muss  kritisieren, wenn bestimmte Menschen oder Menschengruppen von anderen abgewertet werden. Es geht um Respekt und mit Respekt kann man es nie übertreiben. Alltagsrassismus oder Homophobie oder Antisemitismus sind keine Kleinigkeiten. Das wird nicht nur geäußert, das führt zu Taten. Und da müssen wir immer wieder widersprechen. Es geht dabei nicht um Politik für bestimmte Gruppen, sondern um die Grundlagen unserer Freiheit, nämlich die Gleichheit der Verschiedenen. Und das wird angegriffen von einer rechten Ideologie der Ungleichwertigkeit."



Wie ist das mit der Gleichheit und Verschiedenheit von Glaube, Nichtglaube, Religion? Geht obige Rechnung auf?
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Atlantica, 7. Dezember 2016, 16:11 Uhr


Das Schlimmste, das passieren könnte, wäre, wenn eines Tages die Stimmung kippt und der unsägliche Fremdenhass, der jetzt schon in Teilen Ostdeutschlands besteht, zu uns überschwappt. Ich bin skeptisch, wenn mit der AfD "geredet" werden soll oder deren Terrain "übernommen" werden soll.
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Ulrich Keßler, 8. Dezember 2016, 12:45 Uhr


Herr Quent fordert "eine Versachlichung der Debatte", trägt aber, meiner Ansicht nach, selbst zum Gegenteil bei, wenn er beklagt, "es werde "mit doppeltem Maß gemessen". Jedes Jahr gebe es viele Gewaltverbrechen, die von Deutschen verübt würden. "Dann wird auch nicht unterstellt, dass die deutsche Kultur der Grund dafür ist."
Ich verweise dazu auf einen ausführlichen Gastbeitrag von Meera Kamal, einer aus Pakistan geflüchteten Autorin, der gestern, 7. Dezember 2016, 18:52 Uhr, online in der Süddeutschen Zeitung erschien, unter der Überschrift "Nach Mord in Freiburg Sexuelle Gewalt durch geflüchtete Männer muss ernst genommen werden". Darin schreibt Frau Kamal u.a.:
„Viele Dinge müssen in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Zum Beispiel der psychologische Aspekt bei Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, aus Afrika und Asien. Frauen werden in diesen Teilen der Welt generell verdächtigt, Männer zur Sünde (sprich: Vergewaltigung) einzuladen. Jede Frau, die auf die Straße geht und sich den Blicken der Männer aussetzt, steht unter diesem Verdacht.
Als ich in einer Flüchtlings-Unterkunft in Gießen lebte, habe ich selbst meine Erfahrungen mit Belästigungen gemacht. Aber da ich aus Pakistan kam, habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, so absurd das auch klingen mag. Statt die Vorfälle zu melden, beschloss ich einfach, jene Gruppe kurdischer Männer zu meiden, die sich mir immer wieder in den Weg stellten. Ich befreundete mich mit einigen Pakistanerinnen und Pakistanern an, die immer zu mir hielten. Als die anderen sahen, dass ich nie allein war, ließen sie mich in Ruhe.
Heute ist mir klar, wie dumm ich damals war. Statt anderthalb Monate in der Flüchtlingsunterkunft in Angst zu leben, hätte ich die Vorfälle melden sollen."
„Ich bin sehr dafür, die Flüchtlinge, Männer wie Frauen, über die deutschen Gesetze zu unterrichten… Ich glaube, dass viele Fälle von Missbrauch ans Tageslicht kommen, wenn Frauen aus Flüchtlingsfamilien erst einmal ihrer Rechte gewahr werden.“ -
Abschließend: Eine "Versachlichung der Debatte" kommt nur zustande, wenn denjenigen, die den Tatsachen (und Ursachen) gemäß berichten, nichts verschleiern und unter den Tisch kehren, nicht immer wieder Rechtspopulismus oder gar Rassismus unterstellt wird. Könnte man ein solches Verhalten nicht auch auch als "perfide Strategie" bezeichnen, die andere schlecht macht, um damit selbst als besserer Mensch/Demokrat zu erscheinen?

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Paperback, 8. Dezember 2016, 19:32 Uhr


Ulrich Keßler,

ich lese:

"Abschließend: Eine "Versachlichung der Debatte" kommt nur zustande, wenn denjenigen, die den Tatsachen (und Ursachen) gemäß berichten, nichts verschleiern und unter den Tisch kehren, nicht immer wieder Rechtspopulismus oder gar Rassismus unterstellt wird. Könnte man ein solches Verhalten nicht auch auch als "perfide Strategie" bezeichnen, die andere schlecht macht, um damit selbst als besserer Mensch/Demokrat zu erscheinen?"

Vielen Dank. Darin finde ich mich wieder.

Gruß

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