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Forscher: Familienbetriebe können Landflucht bremsen

8. Februar 2017

Überall auf der Welt wandern immer mehr Menschen vom Land in die Städte ab. Denn dort entstehen die neuen Jobs der Wissensgesellschaft. Forscher sehen dennoch Chancen, wie Dörfer wieder wachsen können.

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Berlin (epd). Im Kampf gegen die Landflucht kommt nach Ansicht von Wissenschaftlern Familienbetrieben eine wichtige Rolle zu. Ländliche Regionen könnten stabilisiert werden, wenn Unternehmen in Land- und Forstwirtschaft sich ökonomisch und sozial stärker engagieren, sagte der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, am Mittwoch in Berlin. Von der Politik forderte er unter anderem einen besseren Internetausbau in ländlichen Regionen.

Großstädte für viele attraktiv

Klingholz stellte eine neue Studie vor mit dem Titel "Innovation aus Tradition". Darin werden unter anderem elf Beispiele aus dem gesamten Bundesgebiet präsentiert, in denen ländliche Regionen mit Hilfe von Familienunternehmen nicht schrumpften, sondern wachsen konnten. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge in Deutschland rund 285.000 landwirtschaftliche Betriebe, die meisten davon seien Familienbetriebe, sagte der Forscher.

Weltweit gebe es den Trend, dass immer mehr Menschen vom Land in die Städte abwandern. In Deutschland seien vor allem Großstädte wie Frankfurt, München, Leipzig oder Berlin für viele Menschen attraktiv, während ländliche Regionen durch den Wegzug vor allem junger Einwohner "zu veröden drohen".

Dennoch gebe es ländliche Orte in Oberbayern, im Oldenburger Münsterland oder im Berliner Speckgürtel, die in den vergangenen Jahren Einwohner gewinnen konnten. Auch abgelegene Dörfer hätten sich dem demografischen Abwärtstrend widersetzen können. Als Grund dafür sieht Klingholz unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Familienbetriebe mit einer diversifizierten Einkommensstruktur. So würden erfolgreiche Unternehmen auf dem Dorf auch Einkommen aus nichtlandwirtschaftlichen Bereichen erzielen, etwa durch Tourismus sowie die Erzeugung erneuerbarer Energien.

Bürgerschaftliches Engagement wichtig

Allerdings seien nicht nur ökonomische Faktoren entscheidend, um die Abwanderung in Städte zu stoppen. Mindestens genauso wichtig sei das bürgerschaftliche Engagement der Dorfbewohner in Vereinen, Kirchen oder in der Kommunalpolitik, betonte der Bevölkerungsforscher. Als konkrete Beispiele zur Belebung des Dorflebens nannte der Vorsitzende des Vereins der Familienbetriebe Land und Forst, Michael Prinz zu Salm-Salm, etwa die Gründung von freien Schulen und Kindertagesstätten, den Start kreativer Tourismusprojekte oder den Betrieb von sogenannten Rufbussen für ältere Menschen.

Bevölkerungsforscher Klingholz sieht das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland allerdings unterschiedlich ausgeprägt: So seien rund 45 Prozent der Westdeutschen, aber nur knapp 39 Prozent der Ostdeutschen etwa in Sport- oder Kulturvereinen oder als ehrenamtliche Helfer für Kinder, Ältere und sozial Schwächere freiwillige engagiert.

Klingholz und Salm sprachen sich zudem für gesetzliche Öffnungsklauseln in dörflichen Regionen aus. Bestehende Vorschriften etwa wie groß eine Schule sein sollte, wie breit Straßen sein müssen oder Vorschriften für den Personentransport sollten in ländlichen Regionen flexibler gehandhabt werden. Die Eigeninitiative auch kleinerer Vorhaben müsse durch die Politik gestärkt werden. Zudem sei eine gute Internetversorgung für den ländlichen Raum "überlebensnotwendig".

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 11. Februar 2017, 15:56 Uhr


Solch ein Bericht macht Lust auf Dorf und Land. Aber in Rheinland-Pfalz begibt sich das Kultusministerium gerade wieder auf den Holzweg , weil besonders im ländlichen Bereichen mindestens 40 Grundschulen auf der Kippe stehen. Aber gerade kleine , kurze Schulwege zum Kindergarten , Schule , Bäcker, Kiosk sind Chancen das Leben vor Ort zu halten . Auch eine Arzt, Facharzt-Praxis neu gegründet , lenkt Leute ins Dorf wenn der Arzt eine Kapazität ist.Auch wenn in Kleinen Dorfkirchen oder Kapellen nicht immer gleich Gottesdienste angeboten werden können , würden ja auch kleine Konzerte oder BibelLesungen zur Stärkung der Kleinkirchen-Strukturen und Angebote zum Leben im Dorf beitragen.
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