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Festlicher Auftakt mit Papst und Präsident

28. Oktober 2016

Das 500. Reformationsjubiläum ist so ökumenisch ausgerichtet wie kein runder Jahrestag von Luthers Thesenanschlag zuvor. Das Festjahr 2017 soll ein Zeichen zur Einheit der Christen setzen - manches scheint derzeit möglich.

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Berlin (epd). Nach zehn Jahren der Vorbereitung ist es am Montag soweit: Das 500. Reformationsjubiläum wird festlich eröffnet, und das gleich mehrfach. Der Lutherische Weltbund begeht an seinem Gründungsort Lund einen ökumenischen Gottesdienst mit Papst Franziskus. Zeitgleich wird in Deutschland das Festjahr eingeläutet, mit einem evangelischen Gottesdienst in der Berliner Marienkirche und einem staatlichen Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Kirche und Staat haben das Jubiläum im Stammland der Reformation gemeinsam geplant und auch finanziert.

Beim Festakt wird Bundespräsident Joachim Gauck, selbst evangelischer Theologe, den Reformator Martin Luther würdigen, der am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben soll. "Luther hat eine welthistorische Leistung vollbracht", sagte das Staatsoberhaupt vorab in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst. Dieser mittelalterlich geformte Christ habe den Weg zur Idee der Würde jedes einzelnen Menschen gebahnt. Luther sei freilich als historische Figur zu sehen - mit Licht- und Schattenseiten: Antijudaismus und "Grobianismus" seien damals vielen Zeitgenossen nicht fremd gewesen, betonte das Staatsoberhaupt.

Ökumenisches Tauwetter

An Kritikern fehlt es nicht, seit 2008 die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ihre vorbereitende "Lutherdekade" gestartet hat. So befürchtete damals Gerhard Feige, der katholische Bischof von Magdeburg: "Wird es eine Jubel- und Profilierungsfeier des Protestantismus mit antikatholischen Spitzen?" In Deutschland herrschte im neuen Jahrtausend nach dem umstrittenen "Dominus Iesus"-Papier des Vatikan und der vom EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber vertretenen "Ökumene der Profile" frostige Stimmung.

Beharrlich setzten die Katholiken das Wort "Reformationsgedenken" den evangelischen Plänen für das "Reformationsjubiläum" entgegen. Inzwischen herrscht aber ökumenisches Tauwetter. EKD und Bischofskonferenz haben sich auf die gemeinsame Formel eines "Christusfests" verständigt. "Allerdings weiß niemand prägnant zu sagen, was damit gemeint ist", nörgelt Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf. Das Kirchenjahr kenne mehrere Christusfeste wie Weihnachten, Karfreitag und Ostern. Aber der 31. Oktober?

Durch solche Einwürfe lassen sich der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und sein katholisches Gegenüber, Kardinal Reinhard Marx, nicht aus ihrer Hochstimmung bringen. Wie jüngst bei einer gemeinsamen Pilgerreise von EKD-Rat und Bischofskonferenz durch das Heilige Land unterstreichen sie die Einmaligkeit des ökumenischen Feierns nach 500 Jahren Glaubenskriegen, Konflikten und Anfeindungen. "Unsere gemeinsame Mission für unser Land ist noch nicht vollendet", erklärten beide Kirchen. "Die Reformation wollte weder eine neue Kirche gründen noch die alte Kirche spalten."

"Erinnerungen heilen"

Es kam bekanntlich anders. Die Wunden, die in fünf Jahrhunderten konfessioneller Auseinandersetzungen geschlagen worden sind, sollen 2017 benannt und betrauert werden. "Healing of Memories" heißt der Versöhnungsprozess. Am 11. März soll ein gemeinsamer Gottesdienst in Hildesheim gefeiert werden, um die Erinnerungen zu heilen. Ob noch weitere Annäherungen möglich sind, ob der Papst doch noch 2017 nach Deutschland kommt oder ob es Fortschritte in der leidigen Frage eines gemeinsamen Abendmahls gibt? Manches scheint derzeit denkbar auf dem Weg zur Einheit der Christen.

Zum Höhepunkt des Festjahres werden in Wittenberg auf jeden Fall alle Getauften zum Abendmahl eingeladen - beim evangelischen Großgottesdienst, zu dem am 28. Mai 200.000 Menschen erwartet werden. Die Feier schließt den großen Kirchentag in Berlin und sechs regionale Kirchentage in Mitteldeutschland ab. Alle Teilnehmer sollen sich am Sonntagmittag auf den Elbwiesen treffen - eine logistische Herausforderung. Es folgt ein "Reformationssommer" mit Konfirmanden-Camps und einer protestantischen Weltausstellung, zu der Besucher aus allen Kontinenten in die herausgeputzte Lutherstadt kommen. Margot Käßmann, die frühere EKD-Ratsvorsitzende, war jahrelang dafür als Botschafterin auf Werbetour.

Nun geht es also los. Bis zum eigentlichen 500. Jubiläumstag wird ein Jahr durchgefeiert. Zum Abschluss wäre ein Gottesdienstbesuch für die 22,3 Millionen deutschen Protestanten kein Zeitproblem. Der 31. Oktober 2017 wird bundesweit gesetzlicher Feiertag.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 28. Oktober 2016, 15:40 Uhr


Wieso " nörgelt" der Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf? Sind kritische Anfragen nicht erwünscht? Muss man jemand deshalb zum Nörgler abstempeln? Ich finde das einer Zeitung wie "Unsere Kirche" (oder epd) unwürdig. - Nebenbei:
Luther hat sich dafür eingesetzt, dass die Kirchenleute eine jedermann verständliche Sprache sprechen, hier bei uns also Deutsch, siehe seine Bibelübersetzung: "Biblia / das ist / die ganze Heilige Schrift Deutsch"! Unsere Kirchen"Oberen" scheint das nicht (mehr) zu stören. Sie bedienen sich immer häufiger, ohne das dazu die Notwendigkeit besteht, bisher unbekannter fremdsprachlicher Ausdrücke bzw. Wortkombinationen. So auch jetzt, indem sie den Versöhnungsprozess als "Healing of Memories" bezeichnen...("nörgel").
Ansonsten hoffe ich, dass es bei unseren Kirchen"Oberen" (den Propheten der kleinen Schritte) endlich auch zu der Versöhnung kommt, die bei uns, den Kirchen"Unteren", längst stattgefunden hat!
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Schallblech, 30. Oktober 2016, 11:29 Uhr


Ich sehe auch weit und breit keinen Anlaß für ein Christusfest am 31. Oktober. Es ist ein Fest der Kirche, und die Kirche ist von Menschen gemacht.
In allem anderen stimme ich 1:1 mit Ulrich Keßler überein.
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Alwite, 31. Oktober 2016, 16:00 Uhr


Wenn Luthers mutiger Vorstoss, Roms Dogmen aufzubrechen, der ganzen Welt verständlich mit "Healing of Memories" über alle Grenzen getragen wurde und weiter wird, grenzt das Bestehen auf alten deutschen Ausdrücken (Luther war Deutscher und ist damit deutsches Eigentum) die Dimension ein.
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Ulrich Keßler, 31. Oktober 2016, 16:20 Uhr


Mag sein. Latein
war zu Martin Luthers Zeit
(und ist es auch heute noch)
die Weltsprache der (kath.) Kirche.
Trotzdem wollte Luther,
dass bei uns, für alle verständlich,
Deutsch gesprochen, gesungen
und gebetet wurde -
und nicht umgekehrt alle
lateinisch lernen mussten.
Da war er möglicherweise
richtig "pingelig". Ich,
für meine kleinliche Person,
möchte einfach in meiner
"Muttersprache" ernst
genommen werden
und nicht immer öfter
ein Lexikon zur Hand nehmen
müssen, nur weil der Pastor meint,
einen "Jump in" Gottesdienst
veranstalten zu müssen
oder ein "Evening Prayer"
für die Senioren -
sonst kommt ja keiner...
Erbarmung, liebe Alwite: Erbarmung!

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Alwite, 31. Oktober 2016, 16:34 Uhr


Lieber Ulrich Keßler,
mit meiner Meinung wollte ich hier niemandem die seine absprechen. Wenn ich richtig las, ist Thema doch:
Festlicher Auftakt mit Papst und Präsident und somit weltumfassend-international.
In einer deutschen Kirche, mit Gläubigen meiner Sprache zur Seite, brauchte ich bisher kein Lexikon und ein sensibler Pastor wird sich hoffentlich auch in Zukunft nicht anders verhalten.
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Ulrich Keßler, 31. Oktober 2016, 18:34 Uhr


Liebe Alwite,
es geht beim "Healing of Memories", wenn ich dem epd-Artikel Glauben schenken kann, ja um einen Gottesdienst in "einer deutschen Kirche", nämlich in Hildesheim, am 11. März 2017. -
Aber, von mir aus, genug damit. Es gibt halt ein paar Dinge, die mich an dem ganzen "Verfahren" ganz enorm stören, z.B.:
Wir Kirchen"Unteren" leisten jahrzehntelang die Basisarbeit, und bekommen dabei von den Kirchen"Oberen" immer zu hören:
Das geht so (noch) nicht! Das sind zu große Schritte oder zu viele auf einmal!
Und jetzt tun sie gerade so, als ob sie, die "Oberen" die Arbeit geleistet hätten und feiern miteinander prunkvolle Gottesdienste.
Und sie gebrauchen, vor allem seit wir den neuen EKD-Vorsitzenden haben, eine Art "Kirchen-Schickeria-Sprache", die sie, jedenfalls für mein Empfinden, von uns "Unteren" abhebt und trennt. -
Um Ihre Worte aufzugreifen: "ein sensibler Pastor" würde sich "anders verhalten...
Noch einen schönen Abend wünscht Ihnen
Ihr Ulrich Keßler
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Alwite, 1. November 2016, 4:05 Uhr


"Das Recht ist ein zeitlich Ding, das zuletzt aufhören muß, aber das Gewissen ist ein ewig Ding, das nimmermehr stirbt."
Martin Luther


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