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Familie von Oury Jalloh betroffen über Einstellung des Verfahrens

13. Oktober 2017

Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber war 2005 in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Er starb gefesselt an einer Matratze bei einem Brand in der Gewahrsamszelle.

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Hamburg/Dessau-Roßlau (epd). Die Familie von Oury Jalloh hat laut Anwälten mit Betroffenheit und Unverständnis auf die Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu dessen Tod reagiert. Rechtsanwältin Gabriele Heinecke erklärte am Freitag im Namen der Familie, dass gegen die Einstellung Beschwerde eingelegt und der Staatsanwaltschaft erneut aufgegeben werde, welche weiteren Ermittlungsschritte zwingend zu unternehmen sind. Die Staatsanwaltschaft Halle (Saale) hatte am Vortag erklärt, nach sorgfältiger Prüfung der vorliegenden Erkenntnisse habe das am 7. Dezember 2012 von Amts wegen eingeleitete Verfahren keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an der Brandlegung ergeben.

Eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten, erklärte die Anklagebehörde. Der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Er starb gefesselt an einer Matratze bei einem Brand in der Gewahrsamszelle. 2008 waren in einem ersten Prozess zwei Polizisten in Dessau freigesprochen worden. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil gekippt hatte, wurde ein Beamter 2012 vom Landgericht Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine erneute Revision verwarf der Bundesgerichtshof 2014. Jalloh soll die Matratze selbst mit einem Feuerzeug angezündet haben.

Kritik an Staatsanwaltschaft

Anwältin Heinecke erklärte am Freitag im Namen der Familie, schon vor sieben Jahren sei verlangt worden, durch Brandversuche am Tatort selbst ein Brandbild herzustellen. Weder die Staatsanwaltschaft Dessau noch die in Halle hätten diesen einzig wissenschaftlichen Anforderungen entsprechendem Vorgehen je entsprochen. Stattdessen seien unter nicht vergleichbaren Bedingungen Brandversuche durchgeführt worden. "Mehr als irritiert" sei die Familie des Opfers auch darüber, dass sich die Staatsanwaltschaft bis zum heutigen Tage nicht mit der 2015 vorgelegten Beweisführung auseinandergesetzt habe, wonach der angeblich aus dem Brandschutt der Zelle stammende Feuerzeugrest nie in der Zelle gewesen sein könne.

Die "Initiative im Gedenken an Oury Jalloh" zweifelt seit Jahren die bisherige These über den Ablauf der tragischen Ereignisse an. Bestätigt fühlt sie sich unter anderem durch ein von ihr selbst in Auftrag gegebenes Gutachten, wonach Jalloh den Brand nicht selbst gelegt haben könne. Die Initiative geht von einer Misshandlung und Ermordung Jallohs aus. Es handele sich um ein rassistisches Verbrechen, das von Vertretern der Polizei, Justiz und Politik vertuscht werde, behauptet sie.

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