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Expertin: Digitale Haushaltsgeräte für Blinde oft nicht geeignet

9. September 2016

Blinde und sehbehinderte Menschen haben oft Probleme, neue Haushaltsgeräte zu bedienen. "Die Digitalisierung ist eigentlich eine Chance für die Barrierefreiheit, die Realität sieht nur leider anders aus", sagte Hilke Groenewold dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Blinde werden als Käufergruppe oft übersehen.

Frankfurt a.M. (epd). Die Expertin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands kritisierte, trotz technischen Fortschritts seien immer weniger Haushaltsgeräte für sehbehinderte und alte Menschen geeignet. Dabei sei es Ziel der Hersteller, Verbrauchern mit modernen Küchengeräten die Arbeit zu erleichtern.

"Die Menüführung auf den Displays wird immer kleinteiliger und wird daher für sehbehinderte Menschen immer schwieriger zu lesen. Sie ist nicht auf die Bedürfnisse dieser Menschen angepasst", kritisierte die Sozialexpertin. "Für einen technischen Entwickler wäre es aber gar kein Problem, darauf Rücksicht zu nehmen." Akustische Signale, beispielsweise wenn ein Gericht die richtige Garstufe erreicht hat, oder eine Sprachsteuerung könnten die Bedienung erleichtern, sagte Groenewold.

Interessante Käufergruppe

Von den Herstellern forderte sie, dass sie blinde und sehbehinderte Menschen einbinden, wenn sie neue Geräte entwickeln. "Davon profitieren am Ende auch die Unternehmen, denn Menschen mit Behinderungen machen zehn Prozent der Verbraucher aus. Durch den demografischen Wandel wird der Anteil weiter steigen", sagte Groenewold.

Manche Unternehmen haben nach Groenewolds Beobachtung immerhin Blinde als interessante Käufergruppe erkannt. Allerdings müsse auch der Handel mitziehen: "Es gibt heute schon bei manchen Geräten die Option, dass Blinde sich das Menü einstellen können. Viele Verkäufer wissen das aber leider nicht - und informieren ihre Kunden nicht darüber", sagte sie.

Groenewold kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Bundesregierung: "Bei der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes in diesem Jahr hat die Politik leider die große Chance vertan, auch die Barrierefreiheit im Privaten zu fordern."

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 9. September 2016, 15:55 Uhr


Die Erfahrung hat unser blinder Sohn (29) auch schon oft gemacht. Er kauft dann oft "altmodische" Geräte, wo die Schalter noch spür- oder hörbare Stufen haben, oder z.B. einen Kurzzeitwecker zum Aufziehen statt eines Digitalen (mit dem ich auch nicht immer klarkomme).

Laut gelacht hat er, als unsere Sparkasse vor Jahren einen neuen Geldautomaten bekam. Im Prinzip kommt er damit klar, aber da er das Display nicht lesen kann und bei einem neuen Gerät die Geschwindigkeit des Seitenwechsels nicht einschätzen kann, war ich dabei. Er hatte in Windeseile das ganze Gerät mit den Fingern angeschaut, und zeigte mir den Kartenschlitz. Darunter stand in Brailleschrift: "Hier Karte einstecken". Das war die einzige "Hilfe" für Blinde. "Den hätte ich auch alleine gefunden", lachte er.
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